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Fahrtbericht Audi A6 : Allein fürs Business viel zu schade

Bild: F.A.Z., Hersteller

Auf dem anspruchsvollen Weg zur perfekten Mittelklasse ist Audi gut unterwegs. Das belegt der neue A6 auch mit dem schwächsten Diesel in seiner Modellfamilie. Aber er zeigt, dass der Fortschritt immer teurer wird.

          In der Welt der Handlungsreisenden gibt es eine deutliche Hierarchie für die Zuteilung der Firmenfahrzeuge. Wer den dunkelblauen VW Passat hinter sich hat, der ist mutiert zum Product Manager und reif für noblere Geräte. Dazu gehört der vorzugsweise silbergrau lackierte Audi A6, und weil kleine Unterschiede zur Motivationsstrategie auf der mobilen Karriereleiter gehören, gibt es den 2.0 TDI.

          Wolfgang Peters

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Er gilt als die Basis fürs höhere Business, aber mit ein wenig Geschick und mit viel Geld lässt sich daraus ein feines Gefährt für die statusbewusste Familie schneidern. Denn nur für den Vertrieb von Vorteilspackungen für verdiente Verbraucher ist dieser Audi viel zu schade.

          Preise
          Allerdings darf man beim Einkauf nicht kleinlich sein. Das von uns bewegte Exemplar kam mit einigen Nettigkeiten auf erstaunliche 58.000 Euro. Erstaunlich deshalb, weil schon für den Grundpreis von 38.500 Euro keine ärmliche Verlegenheitslösung geliefert wird.

          Dann gönnt man sich für saftige Aufpreise Alu-Räder, macht bei Leder Valrona ein Kreuzchen, mag auf das MMI Navi nicht verzichten, trägt mit dem Nachtsichtassistenten zur Schonung von Fußgängern bei oder guckt gerne auf das Bild, das die Rückfahrkamera liefert. Man merkt: der noch wertvollere A8 hat einige seiner Features ein wenig nach unten durchgereicht. Aber wer sparen will, der muss keineswegs darben und ein Billig-Mobil bewegen. Für die Genügsamkeit sind andere A6-Teile zuständig.

          Bild: F.A.Z.

          Akustik
          Zum Beispiel der Antriebsstrang. Da logiert unter der sanft gewölbten Haube ein wenig verloren der kleinste Diesel der A6-Familie. Nur vier Töpfe und knapp zwei Liter Hubraum sind aber kein Armutszeugnis. Denn die relativ kleine Maschine liefert mit Turbolader, Ausgleichswellen, zwei oben liegenden Nockenwellen und Vierventiltechnik ein schönes Maß an High-Tech ohne Protz und sie erwacht immer mit spontanem Seufzen auf den ersten, fein federnden Druck mit dem Startknopf und behält bis zur gut dimensionierten Höchstgeschwindigkeit ihre Manieren der höflichen Leistungsabgabe bei.

          Allein bei vollem Beschleunigen legt sie jenseits von 3500 Umdrehungen ihre akustische Zurückhaltung ab. Doch es sind dann die dunklen Töne der einsamen Tiere aus den Altwassern im Lauf der Donau und sie rufen ihre stolzen Schmähungen nach München und Stuttgart: Daraus sind die besten Autos der Welt entstanden.

          Motorleistung
          Dabei zeigt sich der Motor nicht nur der Akustik verpflichtet, sondern gibt sich recht drehfreudig und macht mit seinem hohen Drehmoment auch an längeren Steigungen nicht schlapp. Denn zu den vortrefflichen Reisequalitäten des A6 gehört seine Bereitschaft zum Ziehen mit breiter Brust: das maximale Drehmoment gibt es zwar nur von 1750 bis 2500/min und das klingt ziemlich knapp. Aber üppige 300 Nm stehen bereit zum Abruf über die Spanne von 1500 bis 4000/min und das ist ein breites Band der Sympathie. Auf der Autobahn bleibt man am Berg im sechsten Gang und legt einfach ein kleines Schäufelchen über das Gaspedal nach. Dann rufen wieder die einsamen Tiere.

          Getriebe
          Zudem ist die Leistungsabgabe der Maschine gut verknüpft mit dem manuell zu betätigenden Sechsganggetriebe. Das schaltet sich zwar knochig, aber präzise und die einzelnen Positionen sind gut definiert. Dennoch vermisst man angesichts der etlichen, sonstigen Extras die Offerte eines Doppelkupplungsgetriebes, es ist besonders im Stau vorteilhaft. Audi wird es wohl bald als Option anbieten.

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