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Veröffentlicht: 05.04.2017, 16:26 Uhr

Fahrbericht Ford Edge Ford weiß, was Präsidenten wünschen

Bisher war der Kuga das Top-SUV aus dem Hause Ford. Der Edge plaziert sich jetzt darüber. Er ist ein Angebot für alle, die viel Raum und ein echt amerikanisches Auto wollen.

von
© Hersteller Ford Edge

Donald Trump beschwert sich immer, die deutschen Autofahrer wüssten so wenig mit amerikanischen Fahrzeugen anzufangen. Kein Wunder, das Angebot an solchen ist bislang sehr überschaubar. Zudem ist nach dem Aus von General Motors bei Opel Ford der einzige wirklich relevante amerikanische Hersteller in Deutschland. Doch die Kölner wurden und werden ähnlich wie Opel als eigentlich deutsche Marke wahrgenommen, obwohl es hier gar keine deutsche Nähmaschinen-Fahrräder-Vorgeschichte gibt, sondern die Amerikaner schlichtweg 1925 in Berlin eine Tochtergesellschaft gründeten. Fünf Jahre später erfolgte der Umzug von Ford Germany nach Köln. In Europa und Deutschland bietet Ford seit je fast ausschließlich in und für Europa produzierte Fahrzeuge an, einige Ausnahmen bestätigen die Regel.

Frank Boris Schmidt Folgen:

Dazu gehört seit neuestem der Ford Edge. Dabei handelt es sich nach amerikanischer Lesart um ein mittelgroßes SUV, in Europa spielt der 4,81 Meter lange Edge (direkt übersetzt heißt das Kante) im Konzert der Großen mit, bislang mit gebremstem Elan. Knapp 880 Edge hat Ford in den ersten beiden Monaten des Jahres abgesetzt, dem stehen aber gut 5200 Ford Kuga gegenüber. Dieses SUV ist eine Nummer kleiner (4,52 Meter lang) und deutlich günstiger zu haben. Andererseits ist der Edge Amerikas Auto Nummer 1 in Deutschland, vor dem Ford Mustang (565). Der Rest von General Motors, also Cadillac und Chevrolet, kam zusammen nur auf gut 200 Fahrzeuge. Das ist mithin noch viel Luft nach oben.

45701974 Es handelt es sich nach amerikanischer Lesart um ein mittelgroßes SUV. © Hersteller Bilderstrecke 

Das gilt auch für den Edge, von dem Ford im Jahr 2017 in Deutschland 7000 Einheiten absetzen will. Eine erste Hürde ist der recht hohe Preis. Unter 42 900 Euro geht gar nichts, den Kuga gibt es dagegen schon ab 18 990 Euro. Und wer einen großvolumigen Motor oder einen Benziner im Edge will, der schaut in die Röhre. Ford bietet nur einen Vierzylinder-Diesel an, in zwei Leistungsvarianten, mit 180 oder 210 PS aus zwei Liter Hubraum. Immerhin ist Allradantrieb generell serienmäßig. Der schwächere Diesel kommt mit einer Sechsgang-Handschaltung, der 210-PS-Edge mit einem automatisch schaltenden Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe.

So stehen in der Titanium-Ausstattung aber 50 100 Euro auf dem Zettel, mit einigen Extras kam unser Testwagen auf 54 500 Euro. Da muss man schon schlucken. Das wären mehr als 100 000 DM. Für einen Ford. Wer es nicht weiß, schätzt den Edge deutlich günstiger ein, zumal der Innenraum nicht nach Premiumangebot aussieht. Selbst in der besten Ausstattungslinie Titanium ist Leder nicht automatisch dabei, sondern kostet 1950 Euro extra. Der Edge ist in erster Linie für den amerikanischen Geschmack gemacht, und der setzt nicht so hohe Ansprüche. Funktional lässt sich indes nichts aussetzen, außer dass die Vordersitze viel zu weich sind.

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Punkten kann der Edge zunächst mit seiner ziemlich umfangreichen Ausstattung, schon in der Basisvariante Trend sind Dinge wie Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Fahrspurassistent, Tempomat, Rückfahrkamera, getönte Seitenscheiben, Verkehrszeichenerkennung, das My-Key-Schlüsselsystem oder auch Leichtmetallräder im Preis inbegriffen. Titanium legt für 4100 Euro noch mehr Annehmlichkeiten wie automatisches Einparken, ein beheizbares Lenkrad, das Navigationssystem, elektrisch verstellbare Vordersitze und anderes dazu. Insgesamt sind es 15 Positionen, die man sich mit dem stärkeren Motor einkauft, als Variante Trend gibt es den 210-PS-Diesel nicht. Nur noch als Sport-Modell für weitere 2450 Euro, wobei es hier dann mehr ums Aussehen geht, aber auch um eine adaptive Lenkung oder ein aufwendigeres Navigationssystem.

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