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Fahrbericht Audi Q 5 2.0 TDI : Die feinste Maus von Mexiko

Bild: Hersteller

Audi setzt mit seinem neuen Q 5 auf deutsche Tugenden und lateinamerikanische Fertigkeiten. Dazu noch ein Schuss frischer Linien, fertig ist das Erfolgsrezept. Oder?

          Ingolstadt ist aus der Fußball-Bundesliga abgestiegen. Aber automobil spielt die Stadt in der Champions League. Damit das so bleibt, hat Audi seinen Bestseller Q 5 von Grund auf erneuert, die Konkurrenz schläft schließlich nicht nur nicht, sie wird auch immer reichhaltiger. Dabei ist der Vorstand zunächst ein Risiko eingegangen. Die Frage, ob ein zu einem erheblichen Teil vom Image abhängiges Oberklasseprodukt Made in Germany sein muss oder ob Made by Audi genügt, hat er mit einer unternehmerischen Entscheidung beantwortet.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Der neue Q 5 wird in Mexiko gebaut. In erster Linie geht es dabei um den nordamerikanischen Markt, der im Rahmen der Zollvorteile des Nafta-Raums auf kurzen Wegen beliefert werden soll. Das galt freilich, bevor Donald Trump amerikanischer Präsident wurde und eine Mauer zu Mexiko hochziehen wollte. Ob es wirklich so kommt? Man kann sich vorstellen, wie hoch die Nervosität in der Konzernzentrale ist. Ob dort jemals auch Sorgen wegen der Qualität herrschten, ist geheime Kommandosache. Das uns zugestellte Exemplar jedenfalls zerstreute allfällige Zweifel. Es lieferte die gewohnte Solidität, die penible Verarbeitung ist eine Freude. Das gibt ein gutes Gefühl, für das viele Geld ordentlichen Gegenwert zu bekommen.

          Formal hat sich Audi entschieden, nach dem formidabel fahrenden, aber grobschlächtig auftretenden Q 7 stärkere Anleihen an den Limousinen zu nehmen. Der Q 5 wirkt geduckt, viel filigraner als der Vorgänger, sein Dach atmet einen Hauch Coupé. Fertigungstechnische Finessen wie die in die Kotflügel umgreifende Motorhaube entzücken die Techniker, das Auge neutralerer Betrachter bleibt an solchen Gestaltungsmerkmalen hängen und weiß nicht recht, ob sie genial sind oder übertrieben. Es gibt auch Menschen, denen die Schlangenlinie an der Flanke vorkommt, als sei im Design eine Runde Tequila geschmissen worden.

          Der Trend zu weniger Knöpfen wird fortgesetzt

          Im Innenraum hingegen herrscht jene technoide Eleganz, die Fahrer der Marke schätzen. Wir persönlich sind der Meinung, dass niemand in der Oberklasse attraktivere Interieurs zaubert als Audi. Die Zubereitung ist auf feinstem Niveau. Alle Tasten fühlen sich angenehm an, sie rasten präzise, und edle Details wie die sensitive Innenleuchte sind einfach schick. Der Trend zu weniger Knöpfen wird fortgesetzt, was nicht immer ein Gewinn ist. Die Bedienung über Lenkradtasten wird wichtiger, auch die über Sprache. Das Navigationssystem versteht die Worte der Wahl, das ist schon mal beruhigend. Wer dennoch lieber auf seine Finger vertraut, kann über eine berührungsempfindliche Schreibfläche Buchstaben setzen.

          Informiert wird der Fahrer über die virtuell animierten Anzeigen direkt vor ihm, optional über ein in die Windschutzscheibe gespiegeltes Head-up-Display sowie an der Mittelkonsole über einen weiteren Bildschirm für all das, was heute Infotainment genannt wird. Der Q 5 erweist sich zudem als freundlicher Butler, Skeptiker würden sagen, als Doppelagent. Im Untergrund sammelt er Fahrdaten, oft gewählte Strecken werden gespeichert, und der Fahrer erhält beim nächsten Mal Vorschläge zur als optimal erachteten Routenführung. Selbstredend werden die Daten nur für seriöse Zwecke der Komfortsteigerung eingesetzt.

          Die Platzverhältnisse in Reihe zwei sind in Ordnung

          Noch ganz klassisch diesem Ziel nähern sich die Sitze, die ordentlich dimensioniert und mannigfaltig justierbar sind. Wir würden gleichwohl nicht die Sportsitze wählen. Sie zwicken irgendwie, aber das ist eine Frage, die Rücken und Oberschenkel individuell beantworten müssen. Beim Händler ausprobieren hilft. Hinten sorgt die geteilt umlegbare und der Länge nach verschiebbare Bank für Flexibilität. Die Platzverhältnisse in Reihe zwei sind in Ordnung, nicht überragend, der mittlere Ort ist nur ein Notbehelf. Das Gepäckabteil bietet zehn Liter mehr als im Vorgänger und erfreuliche Stehhöhe unter der Heckklappe. Unzweifelhaft von Gewinn ist das 150 Euro Zuschlag fordernde Akustikglas, das Außengeräusche zuverlässig abschirmt. Audi baut über alle neuen Modellreihen hinweg innen bemerkenswert leise Autos.

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