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Triumph Bobber Black : Eine klare Verbobberung

Bild: Triumph

Die Geschichte von Triumph wird um ein düsteres Kapitel erweitert. Der Fahrbericht zur neuen Bobber Black.

          Kurzer Rückblick: Als Triumph vor einem Jahr das Modell Bobber, ein weiteres Geschöpf der Familie der modernen Klassiker, vorstellte, weinte der Himmel. Es schüttete von morgens bis abends an jenem grässlich grauen Tag. Das war kein Bobberwetter. Regenpelle aus Plastik statt Vintagejacke aus Leder.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Irgendwie schien das kein gutes Omen zu sein. Zumal die Mannen aus Hinckley in den vorangegangenen Monaten immer wieder mal von Zweifeln geplagt worden waren. Gingen sie diesmal zu weit? Wie würde der Markt reagieren? War die Maschine zu extrem, zu exzentrisch geraten? Würde die Kundschaft einen Einsitzer akzeptieren? War es richtig gewesen, im Sinne der Nostalgie Aspekte der Nützlichkeit zu ignorieren? Und warum sind immer wir es, die im Elfmeterschießen verlieren?

          Ein Jahr später nun jubeln die Engländer über einen „überwältigenden Erfolg“ und „reißenden Absatz weltweit“. Die Bobber sei das am schnellsten verkaufte Modell in der 115 Jahre währenden Geschichte der Marke, sagt Unternehmensstratege Miles Perkins. Mehr als doppelt so viele Exemplare wie ursprünglich geplant seien im ersten Jahr abgesetzt worden. „Phenomenally wonderful!“

          Die Bobber, auch in Deutschland derzeit Triumphs Bestseller, löste einen Schwung aus, den es nun zu nutzen gilt. Der Ball liegt auf dem Punkt, sie müssen nur verwandeln. Schon ist eine Variante zur Stelle, komplett in Schwarz getaucht, heißt demzufolge Bobber Black. Der Käufer hat die Wahl zwischen Mattschwarz und Glanzschwarz, so oder so ist sie ganz schwarz, mit eine Masse von 238 Kilogramm ein paar Pfund schwerer und mit ihrem Grundpreis von 14.150 Euro einen Tausender teurer als die buntere Bobber.

          Preis- und Gewichtsunterschied haben technische Gründe. Einen Fortschritt markiert die mächtigere Vorderrad-Bremsanlage mit 310-Millimeter-Doppelscheibe und Brembo-Sätteln. Dieses System beherrscht das Tackling wesentlich besser als der schlappe Einzelstopper der Basisbobber. Eine klare Verbesserung stellt zudem die stämmigere, souveräner federnde und akkurater führende Vorderradgabel dar. Statt eines 19 Zoll messenden Vorderrads mit schmalem 110-Millimeter-Reifen verwendet Triumph für die Schwarze einen kleinen 16-Zöller mit knubbelig breitem 130er Pneu, was dem Motorrad im Zusammenspiel mit der düsteren Farbgebung eine verwegenere, muskulösere Ausstrahlung verschafft. Repräsentiert die Großrad-Version mehr die britische Bobber-Bewegung der Nachkriegszeit, vertritt die mit dem kleinen, dicken Vorderrad die amerikanische Art des Bobberns.

          F.A.Z.-Fahrbericht : Triumph Bobber Black

          Wesentliches Stilmerkmal ist hier wie dort die Hardtail-Anmutung, also eine Rahmenkonstruktion mit Schwingenkäfig, die aussieht, als sei das Hinterrad ungefedert. Das ist es glücklicherweise nicht, unter der schwebend angebrachten Alu-Pfanne des Solositzes müht sich ein Monodämpfer, aus wenig Federweg einen gewissen Komfort hervorzukitzeln. Zu den vielen liebevoll gemachten Details zählen Metall-Kotflügel mit Mittelkamm, Old-School-Batteriegehäuse mit Edelstahlband, Nostalgie-Tankdeckel, Faltenbälge, breite, niedrige Lenkstange mit Lenkerendspiegeln, Zündschloss an der rechten Motorseite neben der Wade, Speichenräder sowie eine Hinterradnabe, die eine Trommelbremse imitiert. Braunrote Kerzenstecker, die nach Bakelit aussehen, stehen der Maschine ebenfalls gut.

          Ihr Wasserkühler, Merkmal der Neuzeit, versucht durch Unauffälligkeit zu glänzen. Was nach Elektronik, Assistenz, Kabel und Schlauch aussieht, wird sorgsam versteckt. Elektronische Drosselklappensteuerung, unterschiedliche Fahrmodi (Straße, Regen), ABS, Traktionskontrolle, Wegfahrsperre sind vorhanden, hinterlassen äußerlich aber keine Spuren. Die Schwarzfahr-Variante wird durch einen serienmäßigen Tempomaten aufgewertet sowie einen LED-Scheinwerfer mit auffälligem Tagfahrlicht. Beides kostet für die nicht schwarze Bobber Aufpreis.

          Treibende Kraft ist unverändert der 1,2-Liter-Reihenzweizylinder, der sich in der gesamten Bonneville-Baureihe tummelt, fürs Bobber-Duo allerdings auf speziellen Bumms ausgelegt ist. Der nominell 77 PS starke Twin vollstreckt in den Winkel, und zwar ohne Anlauf. Er gibt unten alles und oben nichts, liefert sein Drehmoment-Maximum von 106 Newtonmeter schon bei 4000 Umdrehungen, verweigert Drehzahlen oberhalb von 6000/min, schiebt bis dahin allerdings wuchtig. Sein ungleichmäßiges Feuern (Kurbelwelle mit 270 Grad Hubzapfenversatz) erzeugt ein wohltemperiertes Pochen und Rumpeln, und rund um die beidseitig wummernden, schräg angeschnittenen „Slash Cut“-Auspufftöpfe breitet sich eine füllige Klangwolke aus.

          Das alles hat etwas von Custom und Hot Rod, von Anarchie in einer wohltuend analogen Nacht auf der langen Ausfallstraße hinter der Tanke. Auch im Regen.

          Quelle: F.A.Z.

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