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Ducati Monster : Das Erbe des Donnerbolzens

Die neue Ducati Monster 797 "Monsterino". Bild: Hersteller

Die neue Monster 797 ist der Einstieg in die Ducati-Welt. Die Maschine ist sehr agil, fühlt sich handlich an, gibt Vertrauen und leistet kaum Widerstand.

          So weit ist es gekommen. 75 PS, 803 Kubik, Nacken wie ein Bison – und dann der Diminutiv. Monsterino nennen sie verniedlichend die neue 797 aus Borgo Panigale. Monsterchen.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Erinnern wir uns: Als Ducati im Jahr 1992 das Ur-Monster präsentierte, die nackige, knackige M 900, war von respekteinflößenden 73 PS zu berichten. „Donnerbolzen“ nannte ein Tester das vom jungen Designer Miguel Galluzzi entworfene Motorrad, das durch seine schlichte, essentielle Art einen Maßstab setzte und Ehrfurcht einforderte. Nix Monsterino. Und wie war das noch Ende der Sechziger, als Honda die umwälzende CB 750 Four entwickelte? Die verantwortlichen Herren plagten sich mit Zweifeln, ob es wohl überhaupt genügend Teufelskerle gebe, die imstande seien, die ungeheure Leistung von 67 PS zu beherrschen.

          Okay, lange her, Opa erzählt vom Krieg. Die Zeiten haben sich geändert. Die 797 tritt nicht als Donnerbolzen an, sondern als neues Einstiegsmodell in Ducatis traditionsreicher Modellfamilie puristischer Naked Bikes namens Monster. Zuletzt war die Baureihe nach oben weggedriftet, so dass unten etwas fehlte, womit unerfahrene, genügsame und vor allem auch junge Kunden an die noble Marke herangeführt werden könnten. Das haben die Italiener erkannt. Mit der 797 wollen sie etwas anbieten, das „für alle Motorradfahrer erreichbar“ ist.

          Immer smartere Elektronik wirkt Wunder

          Das gilt sowohl für den Preis (je nach Farbe 8990 oder 9090 Euro) als auch für die Leistung. 75 PS (55 kW, bei 8250/min) und bis zu 69 Nm (bei 5750/min) sind heutzutage nun mal sehr moderate Werte. Derlei lässt sich inzwischen recht einfach dirigieren. Immer smartere Elektronik wirkt Wunder, und auch an Fahrwerken und Bremsanlagen sind Jahrzehnte des Fortschritts keineswegs spurlos vorübergegangen.

          Wobei Ducati mit der 797 zugleich einen bemerkenswerten Schritt rückwärts unternimmt. Mit dem Desmodue-Zweizylinder kehrt erstmals seit 2014 ein luftgekühltes Aggregat in die Monster-Familie zurück, in der zuletzt ausschließlich flüssigkeitsgekühlte Motoren am Werk waren. Zum Glück überlebte der luftige Desmodromiker in Ducatis noch junger Nebenmarke Scrambler, die aus Maschinen im klassischen Look besteht, wo Lifestyle die Haupt- und Leistung Nebensache ist. In der Monster-Welt wurde er zwei Jahre lang schmerzlich vermisst. Nun darf er auch hier wieder ran.

          Erschreckt wenig Geübte nicht

          Der L-Twin mit einem im Fahrtwind stehenden und einem liegenden Zylinder, für den man früher alles stehen und liegen gelassen hätte, ist ein uriger Antreiber fürs unbeschwerte Wedeln auf der Landstraße. Umgänglich einerseits, erlebnisstark andererseits. Der auf die Euro-4-Norm getrimmte Zweiventiler serviert Leistung mit sanftem Nachdruck, in einer Art und Weise, die wenig Geübte nicht erschreckt oder durch ein Zuviel überfordert, aber auch Routiniers ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Ducatis Pferde fühlen sich stets kernig an, mit 75 davon ist niemand untermotorisiert, der auf zwei Rädern unterwegs ist und die Straßenverkehrsordnung für etwas hält, wonach man sich richten kann.

          Oberhalb von 3500 Umdrehungen stehen laut Hersteller immer mindestens 80 Prozent des maximalen Drehmoments an, was sich mit ersten Fahreindrücken deckt. Erfreulich zudem, wie geschmeidig der Zweizylinder schon in niedrigen Drehzahlen um 2000/min die Muskeln spielen lässt, unkapriziös auf Gasbefehle reagiert, berechenbar seine Leistung entfaltet. Dass eine Traktionskontrolle nicht vorhanden ist, lässt sich unter diesen Umständen verschmerzen. Ein Cockpit ohne Ganganzeige, als kompakte Digitalschachtel zudem eher fade angerichtet, ist aber nicht mehr Stand der Dinge. Gerade in der Einsteigerklasse will man nicht nur fühlen, welcher Gang eingelegt ist, sondern es auch sehen.

          Bleibt ruhig und unbeeindruckt

          Ansonsten sieht nichts nach Sparsamkeit aus, schon gar nicht die in Wirkung und Dosierbarkeit famose Brembo-Bremsanlage mit Bosch-ABS. Vorn beißen Monoblock-Radialzangen in 320-Millimeter-Scheiben, am Hinterrad assistiert eine 245-Millimeter-Scheibe. Hohes Niveau herrscht auch hinsichtlich Federung und Dämpfung. Bei der Abstimmung der USD-Gabel und des seitlich plazierten Federbeins hinten (einstellbar in Vorspannung und Zugstufendämpfung) haben die Entwickler den Punkt getroffen, an dem Sportlichkeit und Komfort einen angenehmen Kompromiss eingehen. Die mit vollem 16,5-Liter-Tank 193 Kilo wiegende Maschine bleibt selbst dann ruhig und unbeeindruckt, wenn man sie mit hektisch ruppiger Gangart aus der Reserve zu locken versucht. Sehr agil und handlich fühlt sie sich an, gibt Vertrauen, lässt sich mit der breiten Lenkstange widerstandslos führen. 805 mm ist das Standard-Sitzmaß, niedrigere und höhere Bänke sind als Zubehör erhältlich. Bloß Rangieren und Manövrieren auf engem Raum sind angesichts des großen Wendekreises mühsam.

          Schaut man sich frühe Skizzen Galluzzis an, fällt auf, wie die neueste Monster den Geist des ursprünglichen Entwurfs bewahrt. Purismus mit Plattnase, schlankem Heck und Bisonrücken-Stahltank, dem man in einem Anflug sentimentaler Gesinnung wieder einen Befestigungsclip an der Vorderseite gegönnt hat – da lebt das Erbe des Donnerbolzens. Zur Feier der Rückkehr des Desmodue mit seinen feinen Kühlrippen gab es zudem einen neuen Gitterrohrrahmen: nicht so ein Hybrid-Konstrukt wie bei den jüngeren Monster-Typen, sondern ein durchgehendes Rohrgeflecht, wie damals. Wunderbar.

          Quelle: F.A.Z.

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