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Elektroautos : Zu Gast bei Freunden und ihrem Tesla

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Der stolze Besitzer: Charlie Petit mit seinem Tesla S vor den Transformatoren des alten Wasserkraftwerks im kalifornischen Folsom Bild: Rademacher

Das amerikanische Unternehmen Tesla versucht sich an die Spitze der elektrischen Bewegung zu setzen. Steigen wir ein. Das Leben in solch einem Auto ist ein anderes.

          W er einen Tesla S fährt, muss Umdenken. Nein, die Rede ist nicht von der raketenartigen Beschleunigung, die den Fahrer auf jeder Autobahnauffahrt mit Macht in die ledernen Sitzpolster zwängt. Wir sprechen auch nicht vom flüsterleisen Dahingleiten, das nie von Explosionen in den Zylindern eines Verbrennungsmotors gestört wird. Neues Denken ist vielmehr notwendig, wenn man den Verbrauch und damit die Reichweite dieses einzigen in Serie gefertigten luxuriösen Elektromobils auf der Welt verstehen will. Wer klassisch in „Liter je 100 Kilometer“ rechnet oder, wie die Amerikaner, in „Meilen pro Gallone“, den werden die Anzeigen auf der digitalen Armaturentafel oder dem gigantischen 17-Zoll-Bildschirm in der Mitte der Cockpitkonsole nur verwirren. Dort erscheinen nämlich physikalische Einheiten, von denen selbst ausgefuchste Elektroingenieure noch nie etwas gehört haben: Was sind zum Beispiel „300 Wattstunden pro Meile“? Was ist gemeint, wenn es beim Aufladen der Batterien heißt, man schaffe „100 Kilometer pro Stunde“?

          Um herauszufinden, wie es Menschen ergeht, die sich nach Jahrzehnten der automobilen Fortbewegung in den sogenannten „ICE-Cars“ - diese amerikanische Abkürzung steht nicht für schnelle Eisenbahnzüge sondern für „Internal Combustion Engines“ (Verbrennungsmotoren) - aus freien Stücken einen Stromer gekauft haben, haben wir uns bei zwei Tesla-Besitzern im Bekanntenkreis umgesehen. Charlie Petit, ein preisgekrönter Wissenschaftsjournalist im nordkalifornischen Berkeley, der sein Elektromobil erst seit wenigen Monaten besitzt, lud zur Fahrt an einen besonderen Ort amerikanischer Technikgeschichte ein. Die von vier Turbinen angetriebenen Generatoren im inzwischen stillgelegten und zum Museum umgebauten Wasserkraftwerk in der Stadt Folsom lieferten im Jahre 1895 jenen dreiphasigen Wechselstrom, der mittels Überlandleitungen ins 35 Kilometer entfernte Sacramento übertragen wurde - damals ein absolutes Novum in der Neuen Welt.

          Fahren ohne das geringste Geräusch

          Als wir in der dunkelbraun lackierten Limousine ohne das geringste Geräusch in den Museumshof fuhren, ließen Museumsführer und Besucher die klassischen elektrischen Anlagen im Stich und umringten das Elektrovehikel. Schnell wurden Vergleiche angestellt: Dort die 750 Kilowatt leistenden, mehr als 100 Jahre alten Generatoren und hier das 270 Kilowatt starke Triebwerk über der Hinterachse des Fahrzeugs. Unter idealen Bedingungen - also die elektrischen Verluste in den Kabeln und bei der Ladekontrolle sowie die Aufnahmekapazität der Batterien nicht eingrechnet - hätte einer der Generatoren die Lithium-Ionen-Zellen des Tesla in weniger als sieben Minuten aufladen können. So schnell hätte das Kraftwerk die elektrische Energie für die 85 Kilowattstunden fassende Batterie bereitgestellt.

          Ein echter Stromfan: Rod Womer mit seinen zwei Tesla vor seinem Haus in Südkalifornien
          Ein echter Stromfan: Rod Womer mit seinen zwei Tesla vor seinem Haus in Südkalifornien : Bild: Rademacher

          Weil aber die Anlage in Folsom schon seit 55 Jahren stillliegt machen wir uns zum Nachladen des Fahrzeuges in ein nahegelegenes Shoppingcenter auf. Dort, irgendwo in den endlosen Parkflächen versteckt, hat Tesla eine seiner Elektrotankstellen eingerichtet. An ihnen kann jeder Besitzer seinen Luxusstromer unentgeltlich auftanken. Dabei fließt ein Strom von bis zu 90 Ampere von der Ladesäule in die Batterien. Weil dieser Elektronentransport nicht schneller geht - sonst würde man die Batterien zu sehr belasten -, bleibt während des Ladevorgangs Zeit für einen Kaffee. Immer wieder blickt Petit dabei auf sein Handy. Tesla liefert mit dem Fahrzeug eine App, mit der man nicht nur den Ladevorgang, sondern praktisch den gesamten Zustand des Fahrzeuges überprüfen und steuern kann. Die Palette der Funktionen reicht dabei von der Einstellung der Temperatur im Innenraum über die Verfolgung des Wagens mit GPS bis hin zum Hupsignal, das man auslöst, um den Wagen in einer unübersichtlichen Parkgarage wiederzufinden. Der das Innenleben des Wagens steuernde Computer ist dabei permanent über das Handynetz vom Besitzer erreichbar.

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