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Renault Zoé im Härtetest : Mission 300

Der Renault Zoé mit einer größeren Batterie, die mit ihren 41 kWh Kapazität eine alltagstaugliche Normreichweite von 400 Kilometern verspricht. Bild: Holger Appel

Der Renault Zoé ist das meistverkaufte Elektroauto in Deutschland. Wie weit kommt er mit den neuen Akkus? Ein Alltagstest, der zum Härtetest wurde.

          Elektroautos sind Mimosen. Sie mögen es gern kuschelig warm. Nicht heiß. Auf keinen Fall kalt. Sonst ist es Essig mit den Reichweiten, die ohnehin nach Norm angegeben und unerreichbar sind. Kälte ist ein Killer für die Akkus, und es geht dabei nicht nur um ein paar Prozent Einbuße. In diesen Tagen, in denen Eisschollen auf dem Main treiben, melden die Bordcomputer geradezu tragikomische Werte. In einem BMW i3 der ersten Generation werden morgens 90 Kilometer avisiert. Der neue Smart stellte kürzlich bei minus 10 Grad gar nur 60 Kilometer in Aussicht. Kein Wunder, dass die Autohersteller ihre Wagen der Presse regelmäßig in Gefilden vorstellen, in denen ideale Temperaturen vorherrschen, also um 20 Grad.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Kein Wunder auch, dass die potentiellen Kunden zögern. Noch schwerer als die hohen Anschaffungspreise wiegt die Sorge um Untauglichkeit im Alltag. Da können die Marketingstrategen so oft sie wollen wiederholen, der durchschnittliche Pendler komme mit hundert Kilometern am Tag locker hin. Niemand will als Strandgut enden. Außer uns.

          Renault ist als erster und bislang einziger Hersteller diesseits der für die meisten Menschen unbezahlbaren und wegen ihrer Größe für den Stadtverkehr ungeeigneten Modelle von Tesla ernsthaft angetreten, die Sorgen zu zerstreuen. Opel will demnächst folgen (siehe Kasten). In ihrem von Grund auf als Elektrofahrzeug konstruierten Zoé verstauen die Franzosen seit neuestem eine größere Batterie, die mit ihren 41 kWh Kapazität eine alltagstaugliche Normreichweite von 400 Kilometern verspricht. Das wollten wir genauer wissen und haben uns mit dem Renault-Partner unseres Vertrauens auf eine Probefahrt verabredet. Was wir dem freundlichen Herrn aus taktischen Gründen erst ein wenig spät erzählen: Die Fahrt soll bis zum bitteren Ende dauern. Wir wollen entkräftet liegenbleiben. Man muss nicht irre sein, um das im Januar zu tun, aber es hilft. Schließlich würden wir mit dem Auto, wäre es unser eigenes, jetzt auch ins Büro pendeln wollen.

          Frisch befüllt kann es losgehen Bilderstrecke

          Köln, 8 Uhr. Das Thermometer zeigt minus 3 Grad. Es schneit. Das geplante Ziel ist eine Bäckerei in der Eifel, die verflixt leckeres Knäckebrot backt. Leider führen die Straßen dorthin ziemlich lange bergauf. „Eine Katastrophe, schlimmer geht’s nicht,“ spricht der Herr von Renault leise wimmernd, vermutlich darauf hoffend, wir würden unser Ansinnen aufgeben. Das tun wir nicht. Der rote Zoé steht frisch befüllt in der Halle, sein Bordcomputer meldet statt der erwarteten 400 nur 382 Kilometer. „Bei den niedrigen Temperaturen lässt sich die Batterie nicht vollständig laden. Das hat sicherheitstechnische Gründe“, sagt der das Auto übergebende Mechaniker. Über die zugehörige App auf dem Smartphone sind wir zudem ständig online im Bilde über den Gemütszustand unseres Gefährts und die Orte möglicher Ladepunkte. Aber laden unterwegs kommt keinesfalls in Frage. Dann fahren wir eben ohne Heizung, das sollte die Reichweite verlängern.

          Erste Überraschung: Dem ist nicht mehr so. Der Renault hat eine Wärmepumpe, deren Energieverbrauch der Fahrbatterie nichts Gravierendes anhaben kann. Wir stellen die Klimaautomatik auf Empfehlung des Mechanikers auf 24 Grad ein. Der Mann weiß, warum. Um es vorwegzunehmen: Diese Innenraumtemperatur schafft die Heizung nie, am Ende werden sich unsere Zehen anfühlen wie nach einem langen Skitag, aber wir fahren ohne Jacke und ohne Handschuhe. Zweite Überraschung: Der Innenraum ist deutlich freundlicher eingerichtet als bisher, der Zoé muss sich hinter anderen, konventionell befeuerten Kleinwagen nicht mehr verstecken. Das Lenkrad ist sogar in Höhe und Tiefe verstellbar. Vier Türen laden auch Kinder ein.

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