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Elektro-Schwalbe im Test : Ein früher Vogel

Die Elektro-Schwalbe Bild: Hersteller

Die Schwalbe ist wieder auferstanden. Im Retro-Design mit den original großen Rädern. Und mit Elektromotor. Die E-Schwalbe beeindruckt trotz kleiner Macken.

          Da steht eine knallgelbe Schwalbe am Bordsteinrand und erntet liebevolle Blicke von Passanten, die ein nostalgisches Gefühl überkommt: Die sieht ja genauso aus wie die alte, die Simson schon vor fünf Jahrzehnten gebaut hat. Das Retro-Design des wiederauferstandenen Vogels mit den original großen Rädern und der seltsamen Verkleidung ist bis ins Detail gelungen, allerdings bekam er moderne Zutaten: So gibt es helle LED-Leuchten und hervorragende Scheibenbremsen, gegen Aufpreis sogar mit ABS.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der Körper ist nicht mehr aus Blech, sondern aus relativ dünnem Plastik – und vor allem hat die Schwalbe jetzt einen Elektromotor. Der ist von Bosch und hebt sich deutlich von der Konkurrenz ab mit einer Leistung von 4 kW, die dem Moped eine stramme Beschleunigung ermöglicht – bis 45 km/h, dann wird der Vortrieb abgeregelt. Der Antritt stellt sich dabei sanft und dennoch kräftig und vor allem ruckfrei ein. Wir haben mit der Schwalbe an der Ampel auf den ersten Metern so manches Motorrad hinter uns gelassen. Während dessen Fahrer noch die Kupplung kommen lässt, ist der Roller schon weg.

          Das Retro-Design des wiederauferstandenen Vogels mit den original großen Rädern. Bilderstrecke

          Das gilt im Modus „Boost“, den man wegen der Freude am Fahren am liebsten beibehält. Wählt der Fahrer „Cruise“, geht es immer noch flott voran, außerdem gibt es den Eco-Modus „Go“ zum Batterieschonen sowie eine Rangierhilfe namens Crawl – sie funktioniert vorwärts wie rückwärts. Im Schiebebetrieb wird der Akku geschwindigkeitsabhängig geladen, die Rekuperation lässt sich auch mit Bremsen einleiten. Der starke Motor und das stattliche Gewicht von 135 Kilogramm fordern dennoch ihren Tribut: Die zwei Akkus mit 48 Volt Spannung fassen zusammen 4,8 kWh, damit sind wir exakt 103 Kilometer weit gefahren.

          Hundert Kilometer kosten also rund 1,30 Euro, das ist absolut gesehen wenig, schwächere Elektroroller verbrauchen aber noch etwas weniger. Wieder bestätigt sich die Erfahrung, dass ein Aufschlag von einem Zehntel für die Ladeverluste einzukalkulieren ist, unser Messgerät zeigte von leer bis voll exakt 5,24 kWh an. Das Anschließen geht mittels des fünf Meter langen Spiralkabels leicht, sobald das vorn angebrachte Schloss der Sitzbank überwunden ist. Eine volle Ladung dauert fünf Stunden, nach knapp zwei Stunden ist aber schon die Hälfte der Kapazität wieder aufgefüllt.

          Tradition der alten Blechschwalbe fortsetzen

          Wer will, kann die Schwalbe auch mit nur einer Batterie ordern und spart dadurch 600 Euro bei halbierter Reichweite. Immerhin fordert das Münchener Unternehmen Govecs für sein Gefährt mit zwei Akkus sowie den Optionen Hauptständer und ABS 6640 Euro. Govecs ist auf elektrische Leichtfahrzeuge für Unternehmen spezialisiert, produziert wird der Roller in Breslau. Die Elektroschwalbe soll nun die Tradition der alten Blechschwalbe fortsetzen, immerhin wurden zwischen 1964 und 1986 mehr als eine Million davon gebaut.

          Für sein Geld bekommt der Kunde heute einen beeindruckenden Elektroroller mit einer reichen Ausstattung, dessen Fahrverhalten untadelig stabil und dennoch überragend handlich ist. Er wäre für weit höhere Geschwindigkeiten gut. Der Doppelriemenantrieb arbeitet unauffällig, an Anzeigen wird nichts vermisst, das 4,4 Zoll große Display erscheint uns aber etwas dunkel. Den zu kurzen Seitenständer, den unbrauchbaren Gepäckträger mit zu knapper Fläche und hartem Gummi sowie kleine Verarbeitungsmängel lassen wir als Reminiszenz an DDR-Zeiten durchgehen.

          Auf holperigen Strecken geht die kantige Bank mit der harten Federung eine Allianz zur Misshandlung des Rückens ein, aber die Schwalbe ist ja für die Stadt gemacht. Auch mit dem etwas fummeligen Lenkradschloss können wir leben. Aber dass die Akkus zum Laden nicht herausgenommen werden können, macht die Schwalbe zum Streichkameraden für alle Stadtmenschen, die auf der Straße keine Steckdose haben. Wenn das eine weitere Verbreitung verhindert, wäre das wirklich schade.

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