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Skyhawk von Cessna : Manchmal fliegt die Tür auf

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Gutmütig, unkaputtbar und seit 1956 in Produktion: Die Cessna 172 ist die Basis aller Flugerfahrung. Bild: Frank Herzog

Sie wird seit mehr als 60 Jahren gebaut, ist unverwüstlich und einfach liebenswert. Die 172 Skyhawk ist für Cessna in der Luftfahrt das, was das T-Modell für Ford und der Käfer für VW war: ein Jahrhundertentwurf.

          Wer egal wo in der Welt über einen kleinen Flugplatz schlendert, findet dort garantiert zwei Flugzeugtypen: die Cessna 172 und die Piper PA-28. Beide sind amerikanischen Ursprungs, viersitzig und haben oft die gleichen Triebwerke unter der Motorhaube. Aber die Piper ist ein Tiefdecker und hat nur eine Einstiegstür, die Cessna verfügt hingegen über eine obensitzende Tragfläche und zwei Türen. Sie wird (bei einer Produktionsunterbrechung zwischen 1986 und 1998) seit 1956 bis heute gebaut und ist mit etwa 43000 Exemplaren das meistverkaufte Flugzeug der Welt. Ihre Konstruktion ist zeitlos modern und gleichzeitig ein Meilenstein der Luftfahrt.

          Dass sie seit mehr als sechs Jahrzehnten so beliebt ist, verdankt die 172 vor allem ihren gutmütigen Flugeigenschaften und ihrer Robustheit. Sie verzeiht Fehler des Piloten, oft sogar mehrere auf einmal. Die auch Skyhawk genannte Cessna fliegt selbst dann noch, wenn der Pilot sie quält und der Alarmton der Überziehwarnung heult, der vor einem Abreißen der Luftströmung an der Tragfläche und damit einem Absturz warnt. Fliegt man dennoch so langsam, dass nicht mehr genügend Auftrieb erzeugt wird, ist die 172 beim Strömungsabriss gut beherrschbar.

          Die Skyhawk hält einiges aus

          Wenn die Luftströmung an der Tragfläche tatsächlich abreißt und den Auftrieb zum Erliegen bringt, kippen manche Flugzeuge abrupt zur Seite ab und gehen ins gefährliche Trudeln über. Nicht so die Cessna. Sie kippt dann einfach nach vorne ab. Lässt der Pilot nun das Steuerhorn los, stabilisiert sie sich nach einigen Pumpbewegungen selbständig und fliegt dann eigenstabil weiter. Einem Passagier ohne jede Flugerfahrung gelang es deshalb am 9.Oktober 2013 über Großbritannien, eine Skyhawk zu fliegen, nachdem der Pilot während des Flugs gestorben war. Per Funk erhielt der unfreiwillig zum Flieger avancierte Passagier Anweisungen von einem Fluglehrer, und so gelang es ihm, die 172 ohne Crash am Flugplatz Humberside sicher zu landen.

          Eine Rakete ist die 172 nicht, egal mit welchem Motor. Bilderstrecke
          Eine Rakete ist die 172 nicht, egal mit welchem Motor. :

          Auch in puncto Robustheit ist die Skyhawk nahezu unerreicht. Flugschüler lassen sie manchmal ungewollt aus fast zwei Meter Höhe auf die Landebahn plumpsen. Das erträgt sie ebenso gelassen wie stark schiebend aufgesetzte Landungen bei Seitenwind oder heftige Turbulenzen in der Luft. Durch ihre solide Metallkonstruktion können beschädigte 172er oft selbst dann noch repariert werden, wenn bei anderen Flugzeugtypen schon ein Totalschaden die Folge wäre.

          Triebwerke ändern sich im Laufe der Jahre

          Die Cessna 172 wird in den Vereinigten Staaten gebaut, allerdings entstanden einige Zeit etliche Skyhawks als Lizenzbauten bei Reims Aviation in Frankreich. Es gibt die 172 auch auf Schwimmern als Wasserflugzeug oder als eher seltene Variante mit Einziehfahrwerk. Ihre Grundkonstruktion blieb über Jahrzehnte nahezu unverändert. Was sich im Laufe der Zeit deutlich änderte, waren die verwendeten Triebwerke. Vier- oder Sechszylinder-Benziner, aber auch Dieselmotoren kommen zum Einsatz. Experimentiert wurde sogar mit einem Elektroantrieb.

          Die Leistung der Motoren reicht von 145 bis 180 PS in den amerikanischen Versionen oder maximal 210 PS in den französischen Lizenzbauten. Erst vor kurzem, am 6.Juni 2017, erlaubten die europäische und die amerikanische Luftfahrtbehörde die Zulassung der 172 JT-A als Neuflugzeug mit einem 155 PS starken Continental-Dieselmotor. Dieser Selbstzünder wird in Sachsen gebaut, allerdings von einer amerikanischen Firma in chinesischem Besitz. Bis dahin war es lediglich möglich, Gebrauchtflugzeuge auf einen 135 PS starken Dieselmotor umzurüsten.

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