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Harley-Davidson : Dicke Hose

In Aktion: Harley-Davidsons Breakout Bild: Hersteller

Harley-Davidson bekommt zur Zeit von allen Seiten nichts als Haue. Das ist gemein. Vor allem, weil uns niemand sonst solch verrückte Sachen baut.

          Worum geht es im Leben? Man soll Gutes tun, schon klar. Nett zu den Mitmenschen sein, die Gemeinschaft voranbringen, Spuren hinterlassen, ja, ja. Da sind wir uns einig. Aber es geht im Leben eben nicht zuletzt auch darum, wer den Größten hat. Oder den Dicksten.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          240 Millimeter sind ein Wort. Das ist eine Reifenbreite, mit der ein dickes Ausrufezeichen gesetzt wird. Beifall und Bewunderung sind einem sicher. Oder Neid und Spott und Missgunst. 240 Millimeter liegen im Motorrad-Serienbau weit jenseits des Normalen und des fahrdynamisch Vernünftigen. Aber weder die Breakout noch die Fat Boy, beides beeindruckende Brocken aus dem Hause Harley-Davidson, haben irgendetwas mit normal oder vernünftig zu tun. Neid und Spott, Missgunst und Bedenken walzen sie einfach platt.

          Michelin liefert dafür, was an Gummi nötig ist. Scorcher 11 240/40 R18 79V lautet die vollständige Bezeichnung der Hinterradbereifung, die für Breakout und Fat Boy, Schwestermodelle aus der runderneuerten Softail-Baureihe, identisch ist. Die Botschaft, die der Anblick eines 240er-Schlappens aussendet, lautet: Hier fährt der Chef, und er hat den Dicksten.

          Die Breakout schmeckt nach Mann, die Fat Boy genauso. Auch technisch weisen sie viele Übereinstimmungen auf. Ihr V-Zweizylinder-Motor, Milwaukee-Eight genannt, wird in zwei Hubraumstufen angeboten. Als Milwaukee-Eight 107 holt der Big Twin aus 1745 Kubikzentimeter Hubraum nominell 87 PS und 145 Newtonmeter. In der 1868-Kubik-Variante (Milwaukee-Eight 114) macht er noch mehr Druck, schaufelt per Sechsganggetriebe und Zahnriemen 94 PS und 155 Nm Richtung Hinterradwalze. Keine Traktionskontrolle steht ihr bei. Im Nassen ist das bedenklich.

          Die Breakout 107 kostet 22 155 Euro aufwärts, die Fat Boy 107 noch 100 Euro mehr. Der 107er schiebt anständig, aber wer reifentechnisch auf dicke Hose macht, gibt sich nur ungern mit dem kleineren Motor zufrieden. Es lockt die Potenz des 114er-Triebwerks zum Aufpreis von 1400 (Breakout 114) beziehungsweise 1500 Euro (Fat Boy 114).

          Ein bizarrer Kontrast

          Das ist der jetzige Stand. Preissteigerungen als Folge der transatlantischen Fehde mit Strafzöllen hier und Vergeltungszöllen dort scheinen unausweichlich. Die Motor Company aus Milwaukee steckt in der Bredouille, darf nicht zu teuer werden, erwägt einen Abzug eines Teils ihrer Fertigung aus Amerika. Aber schießt sie sich damit nicht selbst ins Knie? Eine in Thailand oder Indien zusammengeschraubte Harley ist so authentisch wie eine Kuckucksuhr aus China. Die schon heute in Indien fabrizierten 750-Kubik-Einstiegsmodelle namens Street und Street Rod werden von so manchem Fan der Marke nicht als echte Harleys akzeptiert.

          Breakout und Fat Boy dagegen stehen für die wahren Werte. Eindrucksvoll veranschaulichen sie, wie die Amerikaner mit den Möglichkeiten spielen, einerseits auf Gleichteile bauen und andererseits gezielt Variablen einsetzen. Damit werden auf Basis eines einheitlichen technischen Fundaments ganz unterschiedliche Fahrzeug-Charaktere erschaffen. Außer den Motoren und diversen Kleinigkeiten sind auch der neue Rahmen sowie die Dreiecks-Schwinge identisch, deren Anblick einen starren Rahmen nach Art der Vierziger und fünfziger Jahre vortäuscht, ein klassisches „Hardtail“. Tatsächlich ist das Heck gefedert, daher die Bezeichnung „Softail“ für die Baureihe. Der Stoßdämpfer arbeitet unterm Fahrersitz im Verborgenen. Breakout und Fat Boy benötigen wegen ihres Extrem-Pneus eine wesentlich breitere Schwinge als die anderen sieben Softail-Typen.

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