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Bitte einmal tief inhalieren : Das Auto als Feinstaubsauger

  • -Aktualisiert am

Die Transporter tragen am Unterboden im Heckbereich ein Filtersystem. Bild: Hersteller

Mann & Hummel, DHL und Streetscooter haben gemeinsam „das weltweit erste emissionsneutrale Fahrzeug“ vorgestellt. Zwei Ventilatoren saugen die Luft an und filtern die Schadstoffe.

          Erhöhte Feinstaubwerte in deutschen Städten sollen im Jahr für den Tod von rund 47.000 Menschen verantwortlich sein, behauptet die Weltgesundheitsorganisation WHO. Wie realistisch derartige Aussagen sind, darüber streiten Lungenfachärzte und selbsternannte Umweltschützer seit Jahrzehnten. Menschliche Aktivitäten verursachen nur etwa zehn Prozent der gesamten Feinstaubmenge. Als Hauptverursacher wird der Straßenverkehr angeprangert, obwohl das jüngste Silvesterfeuerwerk in Deutschland allein schon 17 Prozent des jährlichen Gesamtaufkommens produzierte. Erzeugt wird Feinstaub nicht nur durch Verbrennung von Benzin und Dieselkraftstoff, sondern auch durch Abrieb von Bremsbelägen, Reifen und Straßenoberflächen. Aus diesem Grund sind auch Elektrofahrzeuge nicht hundertprozentig sauber unterwegs.

          Um das künftig zu ändern, hat der Zulieferer und Filterspezialist Mann & Hummel gemeinsam mit der Deutschen Post DHL und dem Elektroautohersteller Streetscooter vor kurzem „das weltweit erste emissionsneutrale Fahrzeug“ vorgestellt. Die Aussage ist selbstbewusst: „Kein Kohlendioxid, keine Stickoxide, kein Lärm, kein Feinstaub“.

          Realisiert wurde das Pilotprojekt an fünf Streetscooter-Transportern von insgesamt 5000, die derzeit für DHL in der Brief- und Paketzustellung bereits elektrisch unterwegs sind. Sie tragen am Unterboden im Heckbereich ein Filtersystem, dessen Abmessungen ungefähr einer in Unterfluranordnung montierten Reserveradwanne entsprechen. Darin saugen zwei Ventilatoren die Umgebungsluft an und filtern die Schadstoffe.

          Drei Versuchs-Personenwagen sind derzeit auf Stuttgarter Straßen unterwegs.

          Der Einbauort am Unterboden bietet zwei entscheidende Vorteile: Es geht kein Laderaum verloren, und die Feinstaubkonzentration ist in Bodennähe am höchsten. Diesbezüglich haben die drei Versuchs-Personenwagen, die derzeit auf Stuttgarter Straßen unterwegs sind, ein Manko, weil bei ihnen das Filtersystem, von Mann & Hummel salopp „Feinstaubfresser“ genannt, auf dem Dach montiert werden musste.

          „Im Prinzip arbeitet unser System wie ein überdimensionierter Staubsauger“, erläutert Mann & Hummel-Projektleiter Jan-Eric Raschke. Die durchschnittliche Stromaufnahme liegt nach seinen Worten bei etwa 300 Watt, die derzeit noch die Fahrzeugbatterie liefern muss. Der Fahrtwind kann je nach Einsatzbedingungen den Stromverbrauch um bis zu einem Drittel verringern. Das Filtersystem ist mit Sensoren ausgestattet, die Informationen über dessen Leistung, gereinigte Luftmenge und Feinstaubkonzentration sowie Wetterdaten sammeln und so die Effizienz des Systems permanent per Online-Monitoring überwachen.

          Nach Aussage des Ludwigsburger Herstellers soll der Feinstaubsauger in Zukunft für weniger als 1000 Euro erhältlich sein, ein Wechsel des Filterelements werde unter 100 Euro kosten. Eine Nachrüstung sei möglich. Über die Wechselintervalle des Filters und die Einbaukosten gab es keine Angaben.

          Erste Tests hätten ergeben, dass ein Streetscooter mit Feinstaubsauger etwa die gleiche Menge Feinstaubpartikel absorbiert, die ein Benziner oder Diesel ausstößt. Da das System auch bei stehendem Fahrzeug die Umgebungsluft reinigen kann, plant man, die damit ausgerüsteten Streetscooter mit Solarmodulen auf dem Dach zu bestücken. Nach erfolgreichem Abschluss der Testphase soll der „Feinstaubfresser“ künftig in Serie produziert werden und im Streetscooter zur Standardausstattung gehören.

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