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Campingbus Ford Nugget : Goldstück, neu gefasst

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Ungewohnt: Das Dach des Ford Nugget öffnet nach hinten. Bild: Monika Schramm

Der Ford Nugget mit Aufstelldach ist ein wandlungsfähiges Alltagsauto. Es handelt sich mehr um einen Campingbus als um ein Wohnmobil. Sein Grundriss ist praktisch. Ein Wohn- und Fahrbericht.

          Ford hat gut daran getan, beim neuen Transit Custom die Raumaufteilung für die Freizeitvariante Nugget nicht zu verändern, denn das Zweiraumkonzept hat viele Vorteile und daher viele Freunde. Nach der Hochdachvariante des bei Westfalia ausgebauten Nugget kam in diesem Jahr die Version mit Aufstelldach. Sie unterstreicht noch deutlicher, dass es sich bei diesem Goldstück mehr um ein Fahrzeug als ein Wohnmobil handelt. Mit einer Höhe von 2,03 Meter passt der alltagstaugliche Campingbus in so manches Parkhaus. Im vorn angeschlagenen Aufstelldach wird ein Bett von zwei mal 1,38 Meter geboten, das dankenswerterweise einen Froli-Unterbau hat und daher recht komfortabel ist, trotz der dünnen Matratze. Menschen mit Schuhgröße 43 und mehr können allerdings die Füße nicht aufrecht stellen im Liegen, auch angezogene Knie haben schnell Kontakt mit dem Dach.

          Mit zwei Reißverschlussfenstern ist hier für Belüftung gesorgt, was bei einem Stoffdach ohnehin kein Problem ist. Während das Dach dämpferunterstützt leicht in die Höhe geht, erfordert das Herunterziehen ziemlich viel Kraft, leichtere Menschen müssen sich dranhängen. Man macht das aber ohnehin besser zu zweit, denn der Stoff legt sich wegen der innen liegenden Teledämpfer nicht gut zusammen, sondern muss von Hand unter die Dachkante gestopft werden.

          Gekocht wird im Heck

          Das aufgestellte Dach bietet vor der Winkelküche im Heck mehr als Stehhöhe, hier ist man umgeben von jeder Menge Schränkchen, die noch den winzigsten Platz ausnutzen. Das ist auch nötig, denn der Stauraum ist insgesamt etwas knapp im Vergleich mit der Hochdach-Variante, denn es gibt hier keine Dachstaukästen. Eine kleine runde Spüle mit einem ordentlichen Wasserhahn, ein Zweiflammenkocher und eine von oben bedienbare Kühlbox links im Winkel vervollständigen die Pantry. Zu beladen ist diese auch über die weit aufschwingende Heckklappe, die als zusätzlicher Zugang dient, zumindest für sportliche Camper. Von hier aus ist auch der kleine Kleiderschrank zu bedienen, in dessen Tür ein Leiterchen hängt zum Aufstieg aufs Bett.

          Da Campingbusse vom Schlag des Nugget keinen Toilettenraum haben, ist für dringende Fälle unten im Kleiderschrank ein Fach für eine kleine Porta Potti vorgesehen, und eine Außendusche wartet auf Abgehärtete. Was seine Fans am Nugget schätzen, ist zum einen seine für drei Menschen geeignete Sitzbank. Die meisten Campingbusse mit der Küche an der Seitenwand büßen wegen dieser Einteilung den fünften Sitzplatz ein. Die Bank lässt noch genug Platz, um nach hinten in die Küche zu gelangen. Und zum anderen ist es bei dieser Aufteilung möglich, dass der Küchendienst im Heck hantieren kann, ohne den Rest der Besatzung vorn im Wohnraum zu behindern. Der Tisch legt sich an die Außenwand, braucht man nicht die komplette Fläche, muss man ihn nicht auseinanderklappen, praktisch für unterwegs. Selbst mit heruntergelassenem Oberstübchen kann man hier noch sitzen.

          Der Nugget ist nur 2,03 Meter hoch.

          Aus der Bank entsteht bei Bedarf ein zweites Bett, etwas kleiner als oben, man steckt die Füße unter den Küchenblock, wo tagsüber das Bettzeug unterkommt. Darunter ist eine kleine Gaskartusche untergebracht, die nur fürs Kochen gebraucht wird, denn geheizt wird mit einer Kraftstoffheizung. Auch der Wassertank hat hier seinen frostsicheren Platz. Um den Haupthahn zu bedienen, muss man aber immer erst die Bank wegrücken. Für die Nacht knöpft man die Vorhänge vor die fünf Fenster, leider hinterlassen die Druckknöpfe gewaltige Dellen im Finger. Diese schmerzhafte Erfahrung haben wir schon bei etlichen Fahrzeugen machen müssen.

          Die Nachbarn auf dem Campingplatz werden es zu schätzen wissen, dass der Nugget eine Zuziehhilfe für die Schiebetür (mit Ausstellfenster) hat. Ausdrücklich zu loben ist des Weiteren die Beleuchtung, sowohl die beiden Schwanenhalslampen am Bett als auch die LED-Leisten über Küche und Tisch sorgen für ordentliche Helligkeit. Vermisst haben wir einen Spiegel, dafür war offenbar kein Platz. Die zwar schick aussehende dunkelgraue Inneneinrichtung hat den Nachteil, dass der unvermeidliche Staub so gut zu sehen ist.

          Kommt der Nugget ins Rollen, hat man schon die schlimmste Fummelei hinter sich: Die Gurtschlösser im Fahrerhaus sind viel zu eng am Sitz befestigt, über diese ergonomisch schlechte Lösung, die das Einfädeln erschwert, kann man sich jedes Mal ärgern. Dafür lassen sich die Sitze drehen, ohne dass man die Türen öffnen muss.

          Im Fahrerhaus des Transit Custom mit seiner Fülle von Ablagen fühlt man sich wie in einem Personenwagen, da gibt es kein Vertun. Unser Goldstück hatte den aufpreispflichtigen 155-PS-Motor unter der knuffigen Haube, dessen Kräfte sich wegen einer viel zu langen Übersetzung nicht recht entfalten können. Unter 1200/min geht gar nichts, im Stadtverkehr oder auf hügeligen Überlandstrecken ist man pausenlos am Schalten, um den Motor bei Laune zu halten. Das ist auf Dauer ein wenig lästig. Dafür hat der neue Transit beim Fahrkomfort deutlich zugelegt.

          Vergleicht man die Preise mit dem Hauptkonkurrenten von VW, kann das neugefasste Goldstückchen punkten. Dazu kommt der praktische Grundriss. Wer sich dafür entscheidet, hat seine ganz persönliche Kompromisslösung gefunden.

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