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Roadtrip durch Alaska : Auf dem Highway ist der Bär los

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So stellt man sich Kanada vor: Endlose Straßen, schneebedeckte Berge und dazu viel Natur. Ein Pick-up-Camper eignet sich bestens für Abstecher auch abseits der großen Routen. Bild: Martin Häußermann

Kanada feierte dieses Jahr seinen 150. Geburtstag, der Alaska Highway den 75. Nächstes Jahr wird sich der Trubel etwas gelegt haben, jetzt gilt es, seine Tour für den nächsten Sommer zu planen.

          In Kanada ist vieles etwas größer. Zum Beispiel die Wohnmobile. Ehrfürchtig stehen wir vor einem Truck-Camper, also einen Pick-up mit aufgesetzter Wohnkabine. Der ist knapp vier Meter hoch, 2,50 Meter breit und gut sieben Meter lang. Zulässiges Gesamtgewicht: knapp über fünf Tonnen. In Nordamerika gelten solche Camper als kompakt. Groß sind hier Mobile auf Omnibus-Chassis oder wohnlich ausgestattete Sattelzüge, die vornehmlich amerikanischen Ruheständlern ein zweites - für manche auch erstes - Zuhause bieten. Angesichts breiter Straßen und entsprechender Infrastruktur mit Rast- und Campingplätzen, durch die man buchstäblich durchfahren kann, lassen sich auch solche Dickschiffe dort problemlos handhaben.

          Wer also gerne viel Platz hat, mietet sich einfach ein größeres Wohnmobil. Jüngere Inhaber des Auto-Führerscheins müssen sich keine Sorgen machen: Die Kanadier kennen im Gegensatz zu Europa keine 3,5-Tonnen-Grenze. Wer in Deutschland Auto fahren darf und mindestens 21 Jahre alt ist, darf über dem großen Teich auch die ziemlich großen Kisten legal bewegen. Und das ist schon im Wortsinne ein erhebendes Erlebnis, denn in diese Wohnmobile steigt man nicht ein, hier steigt man auf. Und auch die Anmietung ist kein Hexenwerk. Gebucht wird im Regelfall zu Hause, entweder klassisch übers Reisebüro oder direkt über einen auf Nordamerika spezialisierten Reiseveranstalter wie Canusa oder CRD International – oder noch direkter online bei einem der großen kanadischen Vermieter wie Fraserway, Canadream oder Cruise Canada.

          Der Alaska Highway ist eines der geschichtsträchtigen Ziele, die es sich lohnt, unter die Räder zu nehmen. Unsere Tour startet in Delta nahe Vancouver auf dem Hof eines Vermieters, der uns zuvor vom Hotel abgeholt hatte. Auch weil die erste Nacht nach einem Kontinentalflug meist nur bedingt erholsam ist, sollte man nicht gleich nach der Landung mit Jetlag ins Mietfahrzeug steigen. Der Vermieter Fraserway hätte das zudem nicht zugelassen.

          Ist jetzt 75: Der Alaska Highway Bilderstrecke
          Ist jetzt 75: Der Alaska Highway :

          Ein Truck-Camper bietet sich vor allem dann an, wenn auch rechts und links vom Highway abgebogen werden soll. Und da sind die Straßen oft unbefestigt. Von besseren Feldwegen spricht Holger Bergold, ein Touristiker mit reichlich Kanada-Erfahrung aus Frankfurt, und meint diese Schotterstraßen, auf denen ein Allradantrieb nicht von Nachteil ist. Den bringt die Basis unseres Wohnmobils mit. Es ist ein F 350 von Ford, dem bevorzugten Basisfahrzeuglieferanten des kanadischen Wohnmobilherstellers Adventurer, standesgemäß angetrieben von einem V8-Turbodiesel mit 6,7 Liter Hubraum. Wie zu erwarten, geht der Dieselkonsum ins Geld. Weniger als 20 Liter Diesel auf 100 Kilometer sind kaum möglich.

          Sei’s drum. Für den Transport der großen Kabine, die zwei Personen ein kommodes Urlaubsdomizil bietet, taugt der F 350 prima. Der Federungskomfort ist ziemlich tadellos, und ins Wanken kommt die Kombination auch bei flotter Fahrweise – was in Kanada eben so als flott gilt – auch nicht. Das Tempolimit ist 100 km/h, oft auch 80 km/h, die Kanadier fahren sehr zurückhaltend oder auch defensiv.

          Während der Fahrt hat man Ruhe

          Zurück zum Wohnmobil: Wie bei dieser Fahrzeuggattung üblich, sind Kabine und Wohnraum vollkommen getrennt. Das hat Vor- und Nachteile. Um etwa an den Kühlschrank zu kommen oder bei einem Zwischenstopp schnell mal eine Jacke zu holen, muss man raus aus der Blechkiste, hinten die Treppe runterklappen und den Slideout bewegen. Der elektrisch ausfahrbare Erker (Slide-out), der eine angenehme Vergrößerung des Wohnraums auf dem Campingplatz bietet, versperrt im Fahrmodus den Zugang in selbigen. Dafür hat man während der Fahrt Ruhe, das Besteck in der Schublade und das Geschirr im Schrank klappern vor sich hin, ohne uns zu nerven. Was allerdings auch zu einer gewissen Nachlässigkeit beim Stauen zerbrechlicher Güter führt. Nicht alles kam unbeschadet bis ins Ziel.

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