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Weltpremiere in San Francisco : Das erste Elektroauto von Audi

Ende 2018 kommen die ersten Audi Etrons in Kundenhand. Bild: Hersteller

So sieht die Antwort von Audi auf Tesla und den Jaguar I-Pace aus. Der Audi Etron ist ein SUV, kostet in der Basisversion 80.000 Euro und kommt noch in diesem Jahr.

          Audi hat in San Francisco sein erstes rein elektrisches Auto vorgestellt. Die VW-Tochtergesellschaft antwortet damit auf Tesla und den Jaguar I-Pace. Ende 2018 kommen die ersten Fahrzeuge in Kundenhand. Rund 80.000 Euro wird der Basispreis betragen. Der vor kurzem vorgestellte Mercedes-Benz EQC kommt erst im Sommer 2019 auf den Markt.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das neue Elektroauto aus Ingolstadt ist auf den ersten Blick als Audi zu erkennen. Es gibt nur wenige Design-Experimente. Audi sagt, es sei ein SUV. Man könnte aber auch von einem hochgelegten Kombi sprechen. Mit einer Länge von 4,90 Meter bietet der Etron Platz für bis zu fünf Personen, der Kofferraum fasst 600 Liter, die Klappe öffnet elektrisch.

          Weil Audi nach eigener Aussage auf dem Weg vom reinen Autohersteller zum „Mobilitätsanbieter“ ist, hat man sich nicht nur mit dem Auto an sich, sondern ebenso intensiv mit der Ladeproblematik beschäftigt. Es gelte schließlich, „Verbrenner-Kunden“ von der neuen Energieform zu überzeugen. Die große 95-kWh-Batterie, die rund 700 Kilogramm wiegt und im Fahrzeugboden verbaut ist, schafft eine erste Voraussetzung, weil sich so 400 Kilometer Reichweite realisieren lassen. Dennoch müsse dem Kunden die Angst, nicht weit genug zu kommen und unterwegs keine adäquate Möglichkeit zum Laden zu finden, genommen werden.

          Deshalb hat Audi oder genauer gesagt der VW-Konzern, zusammen mit BMW, Mercedes-Benz und Ford das Unternehmen Ionity gegründet, das bis Ende dieses Jahres in Deutschland rund 200 Hochleistungs-Ladesäulen an Fernstrecken und Autobahnen aufstellen wird. Und bis 2020 sollen es 400 solcher HPC-Stationen sein. HPC steht für High Power Charging. Die Säulen selbst sind sogar auf 350 kW ausgelegt, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

          >> Hintergrund über Akkus: So schnell können Elektroautos laden <<

          An einer solchen Säule kann der Etron seine Fähigkeit mit 150 kW zu laden, voll ausspielen – der Jaguar kann 100 kW, der Mercedes 110, Tesla schafft 135. Mit 150 kW Ladeleistung ist in einer halbe Stunde 80 Prozent der Akkukapazität wieder hergestellt. Aus physikalischen Gründen dauern die letzten 20 Prozent Akkuaufladung eine weitere halbe Stunde. Jeder Etron-Käufer bekommt von Audi eine Art Kreditkarte, mit der er an den Ionity-Säulen sowie an den meisten anderen öffentlichen Strom-Zapfstellen laden kann. Abgerechnet wird nur über Audi, nicht mit jedem einzelnen Anbieter.

          Rund 80.000 Euro wird der Basispreis betragen. Bilderstrecke

          Allerdings finden 85 Prozent der Ladevorgänge zuhause statt, weiß man in Ingolstadt. In fast allen modernen Häusern ist Laden mit elf kW möglich, einen entsprechenden Anschluss vorausgesetzt. So kann die Batterie in längstens achteinhalb Stunden wieder voll geladen werden. Gegen Aufpreis ist zudem eine Verdopplung der Ladeleistung auf 22 kW möglich – indem ein Konverter im Fahrzeug aus Wechselstrom Gleichstrom macht. Die Ladezeit sinkt auf vier Stunden. Die einfache Haushalts-Steckdose mit ihren 2,3 kW ist eine Notlösung, gut anderthalb Tage wären einzuplanen. Lade-Anschlüsse am Wagen sind vorne am Kotflügel auf beiden Seiten angebracht. Für die Kabel und etwas Werkzeug hat der Etron unter der Fronthaube einen kleinen 60-Liter-Laderaum.

          Die Energie aus den Batterien verteilt sich auf zwei E-Maschinen, je eine an den beiden Achsen – ergo hat der Audi Allradantrieb. Der hintere Motor leistet 140 kW plus 20 weitere kW im Boost-Modus, der vordere steuert 125 plus 15 bei. Und gemeinsam sind wir stark: 300 kW (408 PS) sind möglich, das maximale Drehmoment beträgt 660 Newtonmeter. So gerüstet, beschleunigt der Etron bei Bedarf in weniger als sechs Sekunden von 0 auf 100 km/h. „Und das auch zehn Mal hintereinander,“ betont Markus Siewert, dem die technische Projektleitung des Elektroautos obliegt.

          Die generelle Schwäche aller Akkus, dass sie bei hoher Leistungsanforderung – ob beim Laden oder Entladen – schnell sehr warm werden, will Audi mit einem ausgeklügelten Thermomanagement bekämpfen. Mehr als 20 Liter einer Kühlflüssigkeit umspülen die Batterien, um sie möglichst immer wohl temperiert zu halten. Auf die Akkus gibt Audi acht Jahre Garantie.

          Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 200 km/h begrenzt. Noch höheres Tempo würde einfach zu viel Reichweite kosten. Wie jedes Elektroauto kann der Etron beim Bremsen oder Fahren im Gefälle Energie zurückgewinnen. Wie stark der Wagen rekuperiert, kann der Fahrer in drei Stufen einstellen. In Stufe 3 muss fast gar nicht mehr gebremst werden, so stark wird verzögert. Doch selbst wenn der Fahrer das Bremspedal tritt, ist nicht gesagt, dass die konventionellen Bremsen zum Einsatz kommen. Die Elektronik entscheidet darüber.

          Was den Qualitätseindruck und die Ausstattung an Infotainment- und Assistenzsystemen betrifft, ist der Etron auf der Höhe von A8 oder Q8.

          Gebaut wird in Brüssel

          Eine Luftfederung ist serienmäßig. Sie kann den Etron um 2,5 Zentimeter senken oder für leichtes Gelände den Wagen um 5,1 Zentimeter heben. Ein Novum sind die optionalen, virtuellen Außenspiegel. Es blicken Kameras nach hinten, das Bild wird in den vorderen Türen gezeigt. Zumindest in Europa ist die Technik schon erlaubt, sie spart 15 Zentimeter Breite, weil die Ausleger der Kameras wesentlich kürzer sind als herkömmliche Außenspiegel.

          Gebaut wird der Etron in der belgischen Hauptstadt Brüssel. Dort hat die Produktion schon am 3. September begonnen, bislang ist nur dieser Standort vorgesehen. Die ersten 2600 Einheiten, die das Werk verlassen, werden als „Edition One“ verkauft. Sie gehen an Kunden, die schon reserviert haben und sind besonders gut ausstaffiert. Neben den neuen virtuellen Spiegeln gibt es unter anderem 21- statt 19-Zoll-Felgen, Sportsitze, LED-Matrixlicht und eine Soundanlage von Bang&Olufsen.

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