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Concours d’Elegance : Aus lauter Liebe zum alten Auto

So sehen Sieger aus: Den begehrten Preis „Best of Show“ holte sich ein 1936er Lancia Astura Pinin Farina Cabriolet, von dem insgesamt nur sechs Exemplare gebaut wurden. Bild: Boris Schmidt

Die Parade im amerikanischen Pebble Beach ist der beste Platz, um das Auto zu feiern, zu staunen und um es zu kaufen. Doch dann sollte Geld keine Rolle spielen. Hier kosten schon betagte Käfer 71.500 Dollar.

          It never rains, aber um die Gegend von San Francisco kann es selbst im August schon ziemlich frisch sein. „Die kälteste Woche seit 20 Jahren“, resümieren alte Hasen, die jedes Jahr immer wieder nach Monterey kommen, um bei der schönsten und wichtigsten Autoparty der Welt dabei zu sein. Die Anfänge der Veranstaltung gehen in die frühen fünfziger Jahre zurück, der Höhepunkt, der Concours d’Elegance am vergangenen Sonntag, wurde 66 Jahre alt.

          Frank Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Dieser „Schönheitswettbewerb“ der Oldtimer ist die Keimzelle des Ganzen, inzwischen gibt es rund 40 einzelne Veranstaltungen während der Woche, die von Dienstag bis Sonntag dauert. Für fast jeden Autoliebhaber ist etwas dabei, es treffen sich die Freunde des italienischen Blechs für eine „Stampede“, eine Fahrt von Los Angeles nach Monterey. Porsche-Fans kommen zusammen, eines der Treffen nennt sich „Legends of the Autobahn“ - für vornehmlich deutsche Fahrzeuge. Mittwochs kommen mehr als 1000 Klassiker nach Carmel in der Nähe von Monterey. Cineasten gönnen sich donnerstags einen langen Nachmittag (16 bis 23 Uhr) auf dem „Automotive Film und Art Festival“. Freitags ist das exklusive „The Quail, A Motorsport Gathering“, als Gegensatz dazu kommen samstags alle schrägen Autofreunde zum Concours „Le Mons“ zusammen.

          Diese Veranstaltung gibt es nun auch schon seit acht Jahren in Monterey. Hier darf jeder mitmachen, nur irgend etwas Besonderes sollte der mitgebrachte Wagen schon haben. Es muss nicht gleich ein umgebauter Tempo Matador sein, den wir tags zuvor schon bei „The Quail“ gesehen hatten. Doch solche einzelnen Begegnungen sind es, die den Besuch der Woche so spannend machen. Der frühe Camper, gebaut in Hamburg 1959, wurde von der Vanderbilt-Familie für zwei Reisen durch Europa genutzt, kam dann nach Amerika und verschwand von 1974 bis 2015 in einer Lagerhalle in New York. Der jetzige Besitzer kaufte das gut erhaltene Stück, dessen Einrichtung noch komplett ist, und tuckert jetzt von Party zu Party. Mehr als knapp 90 km/h sind mit dem 1,4-Liter-Austin-Motor, der die Vorderräder antreibt, aber nicht möglich.

          Rennen und Versteigerungen

          Donnerstags bis sonntags werden im nahen Laguna Seca Rennen gefahren, Versteigerungen von klassischen und weniger klassischen, aber exklusiven Fahrzeugen runden das Programm ab. Mit Mecum, Rick Cole, Russo and Steele, Bonhams, RM Auctions sowie Gooding& Co sind gleich ein halbes Dutzend Auktionshäuser vor Ort. Sie erzielen beträchtliche Umsätze, kein Wunder, denn ein Großteil der Besucher muss den Groschen nicht zweimal umdrehen, bevor er den Finger hebt, um einen Zuschlag zu erhalten.

          Blauer Renner: Die Studie Bugatti Vision Gran Turismo beim „Concours d’Elegance“. Bilderstrecke
          Blauer Renner: Die Studie Bugatti Vision Gran Turismo beim „Concours d’Elegance“. :

          Das Le-Mons-Treffen ist wie einige der Veranstaltungen für Zuschauer kostenlos, zum Teil werden aber auch aus deutscher Sicht empfindlich hohe Eintrittsgelder erhoben. Somit ist die von einigen Veranstaltern gewünschte Exklusivität gesichert. The Quail kostet beispielsweise 600 Dollar Eintritt je Nase, allerdings sind Campingstühle, einige andere Accessoires und die Verpflegung durch die Luxushotelkette The Peninsula im Preis inbegriffen. Wie in Amerika üblich, werden solche Zusammenkünfte auch gern genutzt, um Spenden zu sammeln. Für 150 Gäste bestand die Möglichkeit, 2500 Dollar zu zahlen.

          „Früher war es gemütlicher“, urteilen erfahrene Monterey-Besucher. Die Hersteller sehen das Geld und laden ihre Kunden gern ein. Das habe in jüngster Zeit überhand genommen. Bei „The Quail“ – auf dem Gelände des Golfplatzes der gleichnamigen Luxus-Lodge – waren unter anderem Porsche, Bugatti, BMW, Bentley, Acura (die Luxusmarke von Honda), Infiniti oder Lamborghini am Start. Es geht also beileibe nicht nur um das alte Auto. Bugatti hatte seinen neuen, 2,4 Millionen Dollar teuren Chiron auf dem Podium, Porsche warb für seinen neuen 718 Boxster S, Grundpreis 68400 Dollar, gar nicht so viel billiger als in Deutschland (66141 Euro). Dem Publikum nach zu urteilen dürfte das ein prima Geschenk für die Tochter nach dem Highschool-Abschluss sein.

          Neben den neuen Supersportwagen hielten bei „The Quail“ auch etliche Klassiker Hof. Der Miura-Club hatte 25 Besitzer des für viele aufregendsten Sportwagens der sechziger Jahre zusammengetrommelt. Aber auch 25 wunderschöne BMW Z8 waren zu bestaunen. Rund 5700 Exemplare des Roadsters sind von 2000 bis 2003 gebaut worden (Neupreis zunächst 240000 DM), heute bekommt man kein gutes Fahrzeug unter 200000Euro.

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