http://www.faz.net/-gy9-9c3qv

Concept Sprinter F-Cell : Mit der Brennstoffzelle gegen das Reichweitenproblem

Mit Wasserstoff ans Meer: Wohnmobil Concept Sprinter F-Cell. Bild: Daimler AG

Die Elektromobilität dürfte bei schweren Freizeitfahrzeugen noch lange ein Reichweitenproblem haben. Als Retter in der Not könnte die Brennstoffzelle einspringen – wie beim Concept F-Cell.

          Wenn einst alle Welt elektrisch fährt, was wird dann aus der zurzeit so boomenden Branche für Freizeitfahrzeuge? Werden Elektroautos auch Wohnwagen über weite Strecken ziehen können? Tesla hat dieser Redaktion schon zweimal einen entsprechenden Test mit einem Model X und einem Wohnanhänger in letzter Minute abgesagt. Das interpretiere jetzt jeder, wie er will. Und auch mit einem rein elektrischen Wohnmobil will man vermutlich weiter fahren als bis zum nächsten Baggersee.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Dass die Elektromobilität bei allen Fortschritten in der Batterietechnik vor allem bei Fernfahrten noch lange Zeit ein Reichweitenproblem haben wird, ist unbestritten. Als Retter in der Not sehen viele die Brennstoffzelle, in der aus Wasserstoff (und Sauerstoff) Strom erzeugt wird, der wiederum einen Elektromotor antreibt. Mercedes-Benz und andere forschen schon seit Jahren an der Technik, vereinzelt gibt es sie auch schon zu kaufen, bei Toyota, Honda und Hyundai. Mercedes-Benz wird demnächst den GLC F-Cell an „ausgewählte Kunden“ abgeben.

          Und jetzt überraschte Mercedes-Benz Van auf einer Veranstaltung in Hamburg, bei der es vordergründig um den rein elektrischen Sprinter und den rein elektrischen Vito gehen sollte, mit der Weltpremiere des Concept Sprinter F-Cell. In Zusammenarbeit mit dem Spezialist Hymer, der sich um das „Wohnen“ gekümmert hat, wurde ein Sieben-Meter-Wagen auf die Räder gestellt, dessen Antriebseinheit eine Brennstoffzelle ist, Die passt inzwischen unter die Motorhaube. Als Mercedes-Benz in den neunziger Jahren mit der Forschung begann, war noch der gesamte Nutzraum des kleinen Lieferwagens „100“ von Technik in Beschlag. Heute nimmt sie kaum noch Nutzraum weg, sieht man von einem zusätzlichen Wasserstoff-Tank ab, der in der Fahrradgarage seinen Platz findet und dort ein bisschen wie eine Notlösung wirkt.

          Das Problem der Elektromobilität: Vor allem bei Fernfahrten ist die Reichweite noch zu gering.

          In vier Tanks kann der Sprinter 7,4 Kilogramm Wasserstoff bunkern, jeweils 1,5 Kilogramm in drei länglichen Zylindern, die im Wagenboden liegen – es sind die gleichen Tanks, die für den GLC F-Cell verwandt werden. Dazu kommt der Tank im Heck, der 2,9 Kilogramm fasst. So lassen sich 500 Kilometer Reichweite realisieren. Da der Concept-Sprinter streng genommen ein Hybrid-Auto ist, kommen noch weitere 30 Kilometer dazu. Die stecken in einer relativ kleinen 9,2-kWh-Batterie, es ist ebenfalls die gleiche wie im GLC. Obwohl rein technisch ein Fuel-Cell-Car auch ohne Batterie fahren könnte, wird sie immer verbaut, unter anderem weil sie es möglich macht, die Bremsenergie nicht sinnlos verpuffen zu lassen. Der Motor sitzt direkt an der Hinterachse und hat 147 kW (200 PS). Ließe man den Tank in der Fahrradgarage weg, würde das die Reichweite um knapp 200 Kilometer reduzieren.

          Die Brennstoffzelle gehört zur elektrischen Zukunft

          Christian Mohrdieck, der bei Daimler für die Brennstoffzellen-Entwicklung verantwortlich ist, sieht die Technik heute an sich als ausgereift, nur sei sie noch zu teuer für den Endkunden. Es sei aber jetzt gelungen, das so kostenintensive Platin, das in der Brennstoffzelle gebraucht wird, drastisch zu reduzieren. Es sei jetzt nicht viel mehr von dem Edelmetall im Einsatz wie in einem Dreiwege-Katalysator, sagt Mohrdieck. Die Menge an Platin sei gegenüber der alten Generation um 90 Prozent reduziert. Sehr aufwendig seien auch die Tanks, die 700 bar Druck aushalten müssen und deshalb immer in zylindrischer oder runder Form sind. Beliebige Formen wie bei Benzin sind nicht möglich.

          Da sich aber Wasserstoff mehr oder weniger tanken lässt wie Benzin, gibt es auch kein Reichweiten- oder Ladeproblem; das ist der große Charme der Technik. Doch das setzt genug Tankstellen voraus. Daran hapert es noch, das muss auch Mohrdieck zugeben. Knapp 50 Tankstellen gibt es zurzeit in Deutschland, in den nächsten Jahren soll das Netz aber bis auf 400 Stationen wachsen. So ist der Plan, an dem ein Gemeinschaftsunternehmen aus Mineralölfirmen (Shell, OMV, Total), den Wasserstoffspezialisten Linde und Air Liquide sowie Daimler arbeitet. Daimler ist der einzige Autohersteller, der direkt engagiert ist. Assoziiert sind unter anderem BMW, Volkswagen und auch Hyundai, Honda und Toyota. Man plane das Netz gemeinsam. Auch für den Bund gehört die Brennstoffzelle zur elektrischen Zukunft, die Hälfte der Kosten für das Erstellen einer Wasserstofftankstelle trägt momentan die Staatskasse.

          Wann es einen Brennstoffzellen-Sprinter zu kaufen gibt? Mohrdieck lässt das offen. Aber der elektrische Sprinter als Lieferwagen, der kommt schon 2019. Reichweite: maximal 150 Kilometer. Für den Verteilerverkehr soll das aber absolut ausreichend sein.

          Weitere Themen

          Gottschalks Villa ist abgebrannt Video-Seite öffnen

          Waldbrände in Kalifornien : Gottschalks Villa ist abgebrannt

          Die Frau von Thomas Gottschalk konnte noch die Katzen retten, dann brannte die Villa des Showmasters in Malibu ab. Die Waldbrände in Kalifornien haben schon mehrere tausend Häuser zerstört, rund um die Kleinstadt Paradise starben rund 30 Menschen.

          Draht statt Diesel

          Oberleitungsbusse : Draht statt Diesel

          Der Klimaschutz macht den Obus wieder interessant. Mit Strom aus der Oberleitung lassen sich während der Fahrt Akkus aufladen für Strecken ohne Fahrdraht. Solingen will auf diese Weise alle Dieselbus-Linien abschaffen.

          Mit 50 km/h gegen die Wand Video-Seite öffnen

          Neue Crash-Tests : Mit 50 km/h gegen die Wand

          Der Autobauer Ford hat das jüngste Focus-Modell mit 50 km/h auf eine stehende Wand knallen lassen. Die Crash-Tests auf der neuen Anlage haben ein ganz bestimmtes Ziel.

          Topmeldungen

          Mord an Jamal Khashoggi : Trump lässt Riad nicht fallen

          Obwohl Trump es als möglich erachtet, dass der saudische Kronprinz Kenntnis vom Mord an Khashoggi hatte, hält der amerikanische Präsident an der Verbindung nach Riad fest – und nennt eine Reihe von Gründen.

          FAZ Plus Artikel: Union und Migrationspakt : Nichts zu machen wäre viel schlimmer

          Die Union streitet weiter über den neuen Migrationspakt. Spahn verstärkt seine Kritik, Söder schwankt – doch Dobrindt steht weiter dazu. Selbst eine Einigung unter den Politikern würde den Pakt jedoch nicht beliebter machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.