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Elektroautos aus China : Ausweg verzweifelt gesucht

  • -Aktualisiert am

Wer Bilder wie dieses sieht, versteht, warum China so sehr auf Elektroautos setzt. Bild: dpa

Smog und Stau machen es möglich: In China boomt die E-Auto-Branche. Werden deutsche Anbieter abgehängt?

          Schanghai, morgens um 7 Uhr: Zähflüssig bis stockend quält sich der Verkehr voran. Auf der Suche nach dem schnellsten Weg durch die Millionenstadt ist neben unzähligen nahezu geräuschlos surrenden Elektrorollern – hier wurden die Stromer schon durchgesetzt – auch das ein oder andere batteriebetriebene Fahrzeug zu sehen. China ist nun nicht nur der größte Automarkt der Welt, sondern zudem die unangefochtene Nummer eins bei Produktion und Absatz von Elektromobilen.

          Während der Markt im Rest der Welt nur langsam wächst, werden in China so viele Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge verkauft wie nirgends auf der Welt. Zwar ist ihr Anteil am Gesamtmarkt mit 1,8 Prozent im vergangenen Jahr (nach 1,3 Prozent in 2015) noch immer überschaubar. Mit Ausnahme von Norwegen, das als kleines Autoland mit umfangreichen Fördermaßnahmen einen Neuzulassungsanteil von 29 Prozent bei E-Fahrzeugen erreicht, ist die Elektroquote in China aber unerreicht.

          Der Denza 400 EV aus der Kooperation von Daimler und BYD Bilderstrecke

          In Deutschland ist der Marktanteil im vergangenen Jahr nur gering von 0,73 auf 0,75 Prozent gewachsen. Daran hat auch die staatliche Förderprämie von bis zu 4000 Euro je Neuwagen nichts geändert. Der Absatz für Elektro- und Plug-in-Hybrid-Autos erhöhte sich mit 25154 Neuzulassungen nur um bescheidene sieben Prozent, der Anteil an reinen Elektromobilen ging mit 11410 Fahrzeugen sogar um 7,7 Prozent zurück – eine Ohrfeige für die deutsche Politik.

          Chinas Elektromarkt spielt nach ganz eigenen Regeln

          Im gleichen Zeitraum konnte China ein Verkaufsplus von 53 Prozent verbuchen. 507000 New Energy Vehicles (NEV) kamen dort neu auf die Straße, ermittelte das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Damit überschritt der chinesische E-Automarkt erstmals die Schwelle von einer halben Million Fahrzeugen, und es wurden in der Volksrepublik weitaus mehr Elektro- und Plug-in-Hybrid-Autos verkauft als in Amerika und Europa zusammen.

          Die NEV setzen sich aus 336000 Personenwagen und 171000 Nutzfahrzeugen zusammen. Der Anteil an neuzugelassenen, rein batteriebetriebenen Fahrzeugen lag im vergangenen Jahr bei 81 Prozent, die Plug-in-Hybride kamen auf 19 Prozent.

          Chinas gewaltiger Elektromarkt hat nicht ohne Grund alle anderen Länder überholt, spielt er doch nach ganz eigenen Regeln. Im Kampf gegen die enorme Luftverschmutzung hat die chinesische Regierung in den letzten Jahren ein ganzes Bündel an staatlichen Subventionen mit Kaufprämien von umgerechnet bis zu mehreren tausend Euro sowie Steuervorteilen geschnürt, um Anreize für den Kauf lokal emissionsfreier Fahrzeuge zu bieten.

          Wer je bei Smog die beißend-stinkende Luft im dunstig-vernebelten Peking eingeatmet hat, kann nachvollziehen, warum zahlreiche chinesische Metropolen bei hoher Feinstaubbelastung fast nur noch Elektroautos auf die Straße lassen. Wirklich umweltfreundlich sind die E-Autos allerdings nicht, denn der Strom, mit dem sie betrieben werden, stammt überwiegend aus Kohlekraftwerken.

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