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Carbon-Riemen statt Fahrradkette : Spannend ist die richtige Spannung

Velotraum klingt nach Traumfahrrad: Aber die Macher der Räder sind alles andere als Traumtänzer Bild: Petra Osterritter

Unbedingte Begeisterung bei den einen, Skepsis bis zur strikten Ablehnung bei anderen: Der Carbon-Riemen, der die Fahrradkette ersetzen will, polarisiert. Grund genug, sich auf die Suche nach einer abgewogenen Meinung zu machen.

          Knapp 2,5 Millionen Fahrräder werden jährlich in Deutschland produziert. 800 von ihnen will dieses Jahr die Manufaktur Velotraum von Stefan Stiener in Weil der Stadt bauen. Im Katalog von Velotraum beginnen die Preise beim VK1 (wie: Velotraum-Konzept) für ein Basisrad mit rund 1270 Euro (komplett 1465 Euro) und schrauben sich dann in Höhen von rund 3500 Euro für einen Einsitzer. Es gibt auch Tandems. Dabei ist selbst in den höchsten Preisregionen die Liste der Auf- und Abpreise verursachenden Optionen immer noch eine eng bedruckte Din-A4-Seite lang.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Ausgangspunkt des Erwerbs auch eines Rades, das wie das Konzept 7 unter „Einfach Radfahren“ rubriziert wird, ist eine genaue Vermessung des Kundenkörpers. Danach eröffnen sich etwa hundert technische Wahlmöglichkeiten, angefangen vom Rahmenmaterial und endend mit der Diebstahlssicherung von Pitlock für Naben und Sattelstütze. Wenn unter denen eine vernünftige Auswahl getroffen ist, wären da noch zweihundert RAL-Rahmenfarben und fünfzig Farben für das Rahmendekor. Das schließt – alles auf Kundenwunsch – Zusammenstellungen ein, die einen Gummibärchen-Hersteller das Fürchten lehren könnten.

          Zwei der technischen Optionen sind ein Aluminium-Rahmen mit dem Vermerk „Beltdrive“, der für einen Riemenantrieb vorbereitet ist und der Carbonriemen des amerikanischen Herstellers Gates Corporation in Denver (Slogan: „Legen Sie Ihr Rad nicht weiter in Ketten“). Aufpreis für beides zusammen, einschließlich der Zahnriemenscheiben an der Kurbel und im Hinterrad: rund 550 Euro. Wegen eines so ausgestatteten VK7 – es gehört in die Kategorie Crossrad ohne Klingel, ohne Schutzblech, ohne Licht, falls man es nicht mit allem Drum und Dran nach StVZO haben möchte – wurde der Besuch bei Stefan Stiener unternommen. Denn der freundliche Hüne bietet den Carbonriemen zwar an, aber er gehört absolut nicht zu den Missionaren dieses Antriebs.

          Maßarbeit: Das Velotraum VK7 in unlackiertem Aluminium mit dem Riemen-Antrieb von Gates

          Aufs Terrain der Psychologie

          Die predigen seit etwa 2007 die Vorteile und fast nichts als die Vorteile: Da wäre erstens das gegenüber der Kette geringere Gewicht von lediglich etwa 80 Gramm. Zweitens die wartungsfreie Sauberkeit – der Riemen muss nicht wie eine Kette geschmiert werden. Ein Riemen versaut einem also weder Wade noch Hosenbein – oder allenfalls nur so geringfügig staubend, dass man es locker abklopfen kann. Drittens soll der Riemen länger halten als jede Kette. Und schließlich ist der Riemen leise: Er knirscht nicht, er rasselt nicht, er macht das Fahrrad fast unhörbar.

          Hier begeben wir uns aber schon auf das Terrain der Psychologie. Die wirklich bemerkenswerte Geräuschreduzierung muss man mögen, genauso wie das noch zu diskutierende Gefühl beim Antritt. Das immer wieder begierig kolportierte Pro-Argument, Riemen von Gates würden in die dicken Motorräder bei Harley Davidson gebaut, bleibt unberücksichtigt: Erstens ist der Fahrradriemen mit Kohlefaser-Innenleben eine ganz eigene Entwicklung und zweitens sind die Arbeitsbedingungen von Zahnriemen in und mit Motoren völlig andere als beim Fahrrad.

          Verkanten mit ständigen Lastwechseln

          Stark vereinfachend gesagt braucht ein Zahnriemen, um effektiv arbeiten zu können, eine genaue Führung. Er muss präzise fluchtend in der richtigen Spannung und mit möglichst gleichbleibender Geschwindigkeit und ohne hohe Lastspitzen zwischen den Zahnriemenscheiben laufen. Wenn man ihn in ein präzise passendes Gehäuse plaziert, kann er 100.000 Kilometer in einem Motor halten. Das übliche Fahrrad bietet diese idealen Arbeitsbedingungen jedoch nicht.

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