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Bristol Bullet : Brite mit bayerischen Wurzeln

  • -Aktualisiert am

Der Bristol Fighter wurden von 2003 bis 2009 gebaut. Bild: Dieter Günther

Vor sechs Jahren pleite, wagt die britische Nischen- und Nobelmarke Bristol mit dem extravaganten Bullet jetzt einen Neuanfang. Doch ist der Verkauf wirklich so erfolgreich?

          Wir Kontinentaleuropäer lieben ihn, diesen schrägen, schrulligen, oft hintersinnigen englischen Humor. Der gern seltsamen Blüten treibt. So gehört der neue Bristol mit der martialischen Bezeichnung Bullet (Kugel, Geschoss) zur Gattung der zweisitzigen Roadster, Speedster oder Spider, die mit engem Cockpit, karger Ausstattung und dünnem Stoffverdeck den Verzicht fast schon subversiv zum lustvollen Prinzip erhoben. Leider sind die besten Jahre von Austin Healey, MGA oder Porsche 356 Speedster längst vorbei, fühlen sich selbst in England, der klassischen Brutstätte zugiger Roadster, nur noch Caterham und Morgan diesem Erbe verpflichtet. Und, seit einiger Zeit, auch Bristol Cars mit dem Bullet.

          Dieser delikate, als Links- und Rechtslenker erhältliche Zweisitzer tritt freilich noch radikaler auf als alle anderen: Wie einst der Isdera Spyder (1982 bis 1992) pfeift er gleich ganz auf ein Verdeck und positioniert sich als ganzjährig geöffnetes Liebhaberstück. Statt englischem Humor begegnen wir hier jedoch eher kühlem Kalkül. Strikt auf 70 Exemplare limitiert, soll der 235 000 Pfund teure Brite Aufmerksamkeit wecken. Und gleichzeitig den Fokus auf das 70. Firmenjubiläum von Bristol in diesem Jahr richten. Beides ist gelungen.

          Seit über achtzig Jahren mit BMW verbunden

          Der Newcomer lockt mit einer ebenso kostspieligen wie leichten, mit einem Alu-Chassis verklebten Kohlefaserhaut, die mit markantem Kühlergrill und zierlichen Heckflossen Stilelemente aus ruhmreichen Bristol-Zeiten zitiert. Auch die mit Alu-Leisten, Edelholz und Leder veredelte Kanzel mit dem großen Touchscreen-Bildschirm – der die Inhalte von Smartphones abbildet – vereint Tradition mit Moderne. Leistungsmäßig ist der Bullet ebenfalls gut aufgestellt. Sein 4,8-Liter-V8 von BMW liefert 374 PS an die Hinterachse, er lässt den knapp 1100 Kilo leichten, mit manuellem oder automatischem Getriebe verfügbaren Zweisitzer aus dem Stand in weniger als vier Sekunden auf Tempo 100 sprinten; die Höchstgeschwindigkeit liegt bei (elektronisch abgeregelten) 250 km/h, das höchste Drehmoment von 490 Newtonmeter fällt bei 3400 Umdrehungen in der Minute an.

          Dass BMW diesen Achtzylinder mit dem internen Kürzel N62 in den eigenen Modellen nur bis 2010 verbaute, tut dem Vergnügen keinen Abbruch: Neben dem Bullet sorgt das souveräne Triebwerk noch im Morgan Aero 8 und Plus 8 für stürmischen Vorwärtsdrang. Stichwort BMW. Die enge Verbindung zu den Bayerischen Motoren Werken beginnt vor über 80 Jahren. Damals hatten die Gebrüder Aldington, die seit 1926 eigenständige Sportwagen unter dem Frazer-Nash-Label bauten, die BMW-Vertretung für Großbritannien übernommen und die Autos aus Deutschland in Lizenz als Frazer-Nash-BMW vermarktet. Der Zweite Weltkrieg beendete diese Partnerschaft, die 1945 mit der Bristol Aeroplane Co. als neuem Hauptakteur fortgesetzt wurde.

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