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Probefahrt mit Toyota Mirai : Die Zukunft tankt Wasserstoff

Die 4,90 Meter lange, futuristische Limousine bringt weitaus revolutionärere Technik mit als 1997 der Prius Bild: Sebastien Mauroy

Toyota will mit dem Brennstoffzellen-Fahrzeug Mirai abermals Maßstäbe setzen. Das Auto hat eine Reichweite von 550 Kilometer. Getankt wird wie gewohnt.

          Japaner sind geduldige Menschen. Wenn sie von einer Sache überzeugt sind, arbeiten sie mit Nachdruck daran. So ist aus dem anfangs belächelten Hybrid-Fahrzeug Toyota Prius längst ein weltweiter Erfolg geworden. Jetzt will Toyota mit dem Brennstoffzellen-Fahrzeug Mirai abermals Maßstäbe setzen. Man träumt von einer besseren Zukunft und will 2020 schon 30 000 Mirai jährlich produzieren.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die 4,90 Meter lange, futuristische Limousine bringt weitaus revolutionärere Technik mit als 1997 der Prius. Der Mirai (das japanische Wort für Zukunft) bezieht seine Energie aus einer Brennstoffzelle, in der, vereinfacht gesagt, die Umgebungsluft und der mitgeführte Wasserstoff in einer exothermen Reaktion Strom erzeugen. Der wiederum treibt einen E-Motor an. Der Mirai fährt also so leise und elektrisch wie jedes E-Auto, es gibt aber keine Ladezeiten. Den Wasserstoff kann man im Prinzip tanken wie Benzin, der Vorgang dauert drei bis fünf Minuten. Dass es kaum Tankstellen gibt, ist eines der größten Probleme, in Deutschland sind es zurzeit 19, davon alleine vier in Hamburg - dort fahren schon einige Stadtbusse mit Wasserstoff.

          Der Innenraum ist auf vier Personen zugeschnitten, Ledergestühl empfängt die Passagiere, die in der Zukunft fahren wollen Bilderstrecke

          Der Wasserstoff wird mit 700 bar Druck in die zwei Tanks des Mirai gepresst, rund fünf Kilogramm Wasserstoff passen in die beiden zylindrischen Hohlkörper, der eine sitzt hinter der Rücksitzbank, der andere im Heck. Mit diesen fünf Kilo kommt der Mirai rund 550 Kilometer weit, der genormte Verbrauch beträgt 0,76 Kilo auf 100 Kilometer. Beide Tanks haben ein Volumen von je 60 Liter, nehmen also viel Platz weg. Ein Nachteil neben dem Tankstellen-Problem mag der Kofferraum sein. Er hat nur 361 Liter Volumen, und durchladen ist wegen der Wasserstoff-Tanks nicht möglich.

          Toyota verspricht absolute Crash-Sicherheit und zeigte bei der Präsentation des Wagens in Hamburg beeindruckende Bilder von einem Crashtest, bei dem der Mirai von hinten mit 80 km/h getroffen wurde, ohne dass die Tanks zu Schaden kamen. Kosten soll der Mirai in Deutschland 78 450 Euro, außerdem gibt es ein Leasing-Angebot von rund 1200 Euro im Monat (inklusive Wartung und Versicherung, bezogen auf vier Jahre, Laufleistung 80 000 Kilometer).

          Auf ersten Probefahrten zeigte sich der Mirai als gut gefederte, souveräne Reiselimousine. Der E-Motor leistet 114 kW (155 PS), das maximale Drehmoment beträgt 335 Newtonmeter, das wie bei einer E-Maschine üblich sofort anliegt. Deshalb hat der Mirai einen kräftigen Antritt, er ist aber nicht auf hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. Eine Topspeed von knapp 180 km/h muss genügen. Der Innenraum ist auf vier Personen zugeschnitten, Ledergestühl empfängt die Passagiere, die in der Zukunft fahren wollen. Die Instrumente sind digital und hinter dem großen Navi-Monitor in einem breiten Band direkt unter der Frontscheibe horizontal verteilt. Alles ist ein bisschen japanisch verspielt, aber das kann man mögen, wenn man sich darauf einlässt. Das gilt ebenso für die ungewöhnlichen Formen der Stufenheck-Limousine.

          Toyota forscht seit 1992 an der Brennstoffzelle, 1996 fuhr der erste Prototyp. Die Kälte-Empfindlichkeit der Brennstoffzelle war lange ein großes Problem. Jetzt geht erst bei minus 31 Grad nichts mehr. Der Mirai ist nach dem Hyundai ix35 FC das zweite Wasserstoff-Auto auf dem Markt, der Hyundai ist eine Ableitung aus einen konventionellen SUV. Außer in Japan und Deutschland verkauft Toyota den Mirai jetzt auch in Großbritannien, Dänemark und Belgien. Der Erfolg wird stark davon abhängen, wie schnell Tankstellen-Netze entstehen. In Deutschland soll es dem Wunsch der Politik nach im Jahr 2023 schon 400 davon geben.

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