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Blitzer : Zur Säule erstarrt

Bild: F.A.Z.

Landauf, landab schießen Blitzer aus dem Boden. Wo führt das hin? Besuch an einem berüchtigten Stück Bundesstraße in der Mitte Hessens. Mit interaktiver Karte und Fotos aller Blitzanlagen entlang der Strecke.

          Abzocke? Nein, man muss doch bloß vorschriftsmäßig fahren, dann kann einem nichts passieren! Ja, das stimmt. Es ist schwer anzukommen gegen das Argument, das stets vorgebracht wird. Versuchen wir es trotzdem.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Denn es ist eine Tortur. 14 stationäre „Verkehrsüberwachungssysteme“ auf einem 23 Kilometer langen Abschnitt der B 252 zwischen Lahntal-Göttingen und Burgwald-Bottendorf. 23 Kilometer, 14 Blitzer, die ganz modernen Säulen: hinter einer Biegung, im Schatten einer Baumkrone, verdeckt von einem Stamm, in der Flucht von Verkehrstafeln, umgeben von einer verwirrenden Beschilderung. Selbst wenn man die Strecke gut kennt, sich die Standorte eingeprägt hat, fährt auf der B 252 ein unangenehmes Gefühl von aufdringlicher Gängelung mit. Wer hier nicht verkrampft, sondern locker bleibt am Lenker, verdient Respekt. Wer sich nicht auskennt in dieser Gegend nördlich von Marburg, hat gute Chancen auf ein persönliches Blitzlichtgewitter. Man muss dazu kein Raser sein, es reicht eine harmlose, gleitende, das Erlaubte ausschöpfende Fahrweise mit - blitz! - Momenten schwächelnder Wachsamkeit.

          Unterhaltsames Spektakel

          Einheimische wissen: Hinter einem Ortsunkundigen herzufahren, kann ein unterhaltsames Spektakel sein, wie anderswo auch in der Republik der zunehmenden Radardichte. Hin und wieder erlebt man einen bizarren Akt der Solidarität unter Autofahrern wie neulich ein paar Kilometer weiter südlich auf der autobahnähnlich ausgebauten B 3 bei Marburg: Ein dunkler Mercedes näherte sich von hinten mit hoher Geschwindigkeit unserem Wagen mit Frankfurter Kennzeichen, setzte sich auf der Überholspur davor, aktivierte das Warnblinklicht, bremste herunter und führte als Begleitschutz den Fremden vorschriftsmäßig an zwei Radarstellungen vorbei. Kannten wir schon, aber dennoch schönen Dank!

          Nähert man sich der B 252 von Süden, ist dieser Abschnitt der B 3 - je zwei Messstellen in jeder Richtung - ein Vorgeschmack auf die Blitzerallee durch die Gemeinden Lahntal, Münchhausen, Burgwald und die Stadt Wetter. Seit rund anderthalb Jahren wurmt die Ballung der Blitzer Durchreisende. 37 Mal wechselt, wenn wir uns nicht verzählt haben, auf dem kurzen Stück das Tempolimit. Ein stetes Hinundher von 100 über 80, 70, 60, 50 bis 30 km/h verlangt nach hoher Konzentration. Mal gilt innerorts Tempo 30 nur in den Nachtstunden von 22 bis 6 Uhr, mal für ein paar hundert Meter auch tagsüber. Im Ort Niederwetter ist das leicht zu übersehen - blitz! Vor lauter Verunsicherung wird oft noch viel langsamer geschlichen als verlangt. Manch einer tritt, plötzlich von einer Säule angeglotzt, schreckhaft auf die Bremse. So entwickelt sich ein quälend unharmonisches, anstrengendes Gezuckel.

          Wut macht sich Luft

          Sympathiepunkte sammeln die Ortschaften mit dieser Intensivüberwachung nicht. Wut macht sich Luft, nachts gelegentlich durch Hupen, das die Anwohner um den Schlaf bringt. Das lasse nach, heißt es. Doch treffen in den Gemeindeverwaltungen weiterhin Briefe und E-Mails mit Beschimpfungen der als Blitzableiter dienenden zuständigen Mitarbeiter ein sowie erboste Bekundungen, die Geschäfte und Tankstellen an der Strecke mittels Boykott zu bestrafen. Es kommt zu Pöbeleien gegen Bewohner, es fallen böse Worte, der Stinkefinger wird gezeigt. Ein Bauer erwähnt, er werde angefeindet von Leuten, die vermuten, er persönlich habe das Ding vor seinem Hof aufgestellt und bade jetzt in Geld. In einigen Fällen wurde auf die Geräte eingeschlagen. In Internetforen reichen die Attacken vom üblichen Vorwurf der „Abzocke unter dem Vorwand der Verkehrssicherheit“ bis zu Empfehlungen wie: „Müllsack überstülpen“.

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