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Autos mit Brennstoffzelle : Die Henne und das H2

Der Mann von der Tankstelle: Im Prinzip lässt sich Wasserstoff tanken wie Benzin. Der nun zwei Jahre alte Toyota Mirai ist praktisch immer noch ohne Konkurrenz. Bild: Getty

Japan setzt wie kein anderes Land auf die Brennstoffzelle. 2020 sollen die Olympischen Spiele in Tokio als Schaufenster für die Technik genutzt werden. Doch der Weg ist noch weit.

          Das größte Problem der Elektroautos ist bis heute die mangelnde Reichweite. Aber das muss nicht sein: Denn auch ein Brennstoffzellen-Auto fährt elektrisch, es kann aber den Strom für den Elektromotor selbst herstellen und ist daher ein Hoffnungsträger der Elektromobilität. In der Zelle reagiert in Tanks mitgeführter Wasserstoff mit dem Sauerstoff aus der Umgebungsluft, dabei wird elektrische Energie erzeugt. Der Wasserstoff steht unter hohem Druck und wird einfach getankt, fast so wie Benzin. Die Autoindustrie arbeitet seit Jahrzehnten an der Technik. Toyota, Honda und Hyundai haben schon Modelle für Verbraucher auf die Straße geschickt, Mercedes-Benz ist kurz davor. Interne Testflotten haben viele Hersteller.

          Frank Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Besonders in Japan verspricht man sich viel von der Fuel Cell (englisch, abgekürzt FC) und fördert mit Macht die Technik, die 2020 zu den Spielen in Tokio unter Beweis stellen soll, dass Japan noch immer eine der führenden Techniknationen ist. Toyota spielt in dem aufzuführenden Stück die Hauptrolle und hat auch mit dem Mirai, einer futuristischen Stufenheck-Limousine, das Vorzeige-Auto parat. Doch obwohl schon seit Ende 2015 auf dem Markt, sind erst knapp 3000 Exemplare verkauft worden, und davon sind etliche auch nach Europa und in die Vereinigten Staaten gegangen.

          70.000 Euro in Europa für den Mirai

          Generell behindert das Henne-Ei-Problem die Entwicklung des Brennstoffzellen-Autos. Ohne Infrastruktur ist ein Toyota Mirai nichts wert, und diese aufzubauen ist in Japan bislang schwieriger als im Rest der Welt. Dennoch wird die Brennstoffzelle als mögliche Lösung für die Zukunft gesehen. Es gibt fast überall Subventionen. Deutschland hat jetzt schon 54 Tankstellen, und auch in anderen Ländern wie Belgien, Dänemark, Frankreich und Großbritannien tut sich viel. Doch in Japan gibt es zwar zurzeit erst 91 Tankstellen, bis 2020 sollen es 160 sein, langfristig (im Jahr 2030) aber 900. Die Ziele sind ehrgeizig: Bis dahin soll es 800.000 FC-Autos geben.

          Einsteigen, bitte: Mit FC-Bussen wie dem Toyota Sora sollen Athleten und Zuschauer 2020 fahren. Bilderstrecke
          Einsteigen, bitte: Mit FC-Bussen wie dem Toyota Sora sollen Athleten und Zuschauer 2020 fahren. :

          Obwohl Japan den Vorteil seiner Insellage hat, also nicht beachten muss, was die Nachbarländer machen, weil ein japanisches Auto so gut wie nie das Land verlässt, war der Aufbau der Infrastruktur schwieriger als gedacht. Die Netzplaner hatten wohl vergessen, sich genau mit den Gesetzen zu befassen. Aufgrund der strengen Vorschriften, die den Wasserstoff als chemisches Industrieprodukt klassifizieren – was er auch ist, da er in reiner Form nicht in der Natur vorkommt und erst aufwendig hergestellt beziehungsweise aus Wasser getrennt werden muss –, sind FC-Tankstellen doppelt so teuer wie in anderen Industrieländern. Es gelten extrem scharfe Sicherheitsvorschriften. So muss unter anderem ausreichend Platz um das zu betankende Fahrzeug sein, der Tankwart braucht eine besondere Ausbildung, und dass genau Buch geführt werden muss, wer wo getankt hat, ist der Sache auch nicht förderlich. Selbsttanken ist nicht gestattet. Noch nicht, denn im September ist eine Gesetzesänderung auf den Weg gebracht worden. Der Papierkrieg soll wegfallen, und die technischen Vorschriften sollen gelockert werden, um den Preis einer Station, der sich auf ungefähr 4,5 Millionen Dollar beläuft, zu drücken.

          Freilich müssten auch die Preise für die Autos fallen, der Mirai kostet knapp 70.000 Euro in Europa. Und um wirklich „grün“ zu sein, müsste der Wasserstoff CO2-neutral hergestellt werden. In Japan träumt man von riesigen Sonnenkollektor-Farmen in Australien, die mit der eingefangenen Energie mittels Elektrolyse den Wasserstoff herstellen. Der müsste dann nur noch mit Tankschiffen ins Land gebracht werden. Das wäre dann auch nicht anders als beim Öl, nur dass die Strecke kürzer wäre. Bisher allerdings werden von den knapp 600 Milliarden Kubikmeter, die im Jahr auf der Welt erzeugt werden, mehr als 90 Prozent aus fossilen Energieträgern hergestellt, weil das der billigste Weg ist. Dabei wird CO2 freigesetzt.

          Gut 100.000 Elektroautos bislang verkauft

          Auf der Toko Motor Show, die noch bis zum nächsten Sonntag andauert, hat Didier Leroy, der Vizepräsident von Toyota, nochmals bekräftigt, dass sein Unternehmen weiter auf die Technik setze. Allein im nächsten Jahr baue Toyota 100 Brennstoffzellen-Busse, die in den Linienbetrieb gehen sollen. Während der Spiele sollen FC-Busse die Athleten transportieren.

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