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Moodys schwimmendes Wohnzimmer : In den Zeiten ohne Puff

  • -Aktualisiert am

An einem schöneren Tag: Die Moody 54 DS unter Segeln Bild: Michael Amme

Die Moody 54 DS ist ein schwimmendes Wohnzimmer. Früher hätte man vielleicht auch Motorsegler dazu gesagt. Wir waren an einem stürmischen Herbsttag vor Ligurien an Bord.

          Das Wetter sieht nach Weltuntergang aus. Über den ligurischen Bergen brauen sich mehrere Gewitter gleichzeitig zusammen, Blitze zucken, Donner grollt, die Regenmassen spülen Schlamm, große Äste oder ganze Baumstümpfe in die sonst so blaue Bucht in Norditalien, an der unter anderem der Traumort Portofino liegt.

          Die niedrigen Wolken haben eine grünliche Färbung angenommen, die gleiche wie das schlammige Wasser. Draußen türmen sich die landeinwärts laufenden Seen, während ihre Kämme in die andere Richtung abgerissen werden. Bei diesem Wetter ziehen auch die gestandenen Seeleute der Werft eine besorgte Miene. Wir rollen die Selbstwendefock ein, halbwinds stampft die Moody 54 nun mit allein dem Rollgroßsegel mit 7,3 Knoten durch die aufgewühlte See. Es wird der einzige Messwert dieses Tages bleiben.

          Eine echte Decksalon-Yacht

          Stattdessen fängt es an zu schütten, vom nahen Land ist nichts mehr zu sehen, das Wasser rauscht in Bächen vom mächtigen Kajütdach, der Kartenplotter zeigt, wie sich die in Greifswald gebaute Yacht langsam auf den Hafen von Santa Margarita zubewegt. Wie ein Vorhang rinnt das Wasser von den Dachkanten, durch die große, offene Schiebetür lockt warmes Licht aus dem Salon. Ans Segeln ist nicht mehr zu denken, unter diesen Bedingungen den Hafen anzusteuern nicht ratsam - Gelegenheit, sich umzusehen. Das Cockpit liegt geschützt unter zwei wuchtigen Holmen, dazwischen hält ein Faltdach den Regen so wirksam ab, wie es das sonst mit den Sonnenstrahlen tut.

          Ein Schritt über die nichtrostende Schwelle, und man schlüpft in den hellen Salon fast wie von der Terrasse ins Wohnzimmer. Der Regen trommelt wie von Ferne gegen die Sicherheitsglasscheiben, die ringsherum eine tolle Aussicht auf die versinkende Landschaft ermöglichen. Eine Mischung aus direkter und indirekter Beleuchtung verbreitet eine anheimelnde Atmosphäre, die einen mit mehr Sicherheit zu umgeben scheint, als das Wetter draußen glauben machen könnte.

          Die Moody 54 DS ist eine echte Deckssalon-Yacht. Früher hätte man vielleicht auch Motorsegler dazu gesagt, 520 Liter Tankvolumen sprächen dafür. Steil und trotzig ragen die Flanken der Aufbauten nach oben, eine gelungene Sitzecke mit einem Tisch zieht den Segler in die Polster. Herrlich: drinnen sein und draußen nichts verpassen - so soll das bei Regen sein!

          Ein Boot mit unübersehbaren Großzügigkeiten

          Seit mittlerweile fünf Jahren baut das Greifswalder Unternehmen Hanse Yachten der Marke Moody. Dieser ehemals englische Traditionshersteller war für sehr klassische Fahrtenyachten bekannt. Mit der Übernahme durch Hanse und der Verlagerung an die Ostsee wandelten sich die Produkte in geräumige, moderne Wohnyachten. Die Produkte polarisieren. Hanse betreibt zur Kostensenkung hocheffiziente Produktionsstraßen. Mit massivem, handverlesenem Holz ist es vorbei, ebenso mit hunderten Stunden Handarbeit oder Moodys legendärem Puff (ein aus einem Sessel herausnehmbarer, gepolsterter Hocker), der neben einem Dieselofen am Hauptschott und einer Petroleumlampe an der Decke für gemütliche Abende sorgte.

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