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50 Jahre zurück : Das Jahr des SL, des 600 und des 911

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901 sollte der Elfer eigentlich heißen Bild: Archiv Günther

Welche Autos fuhren wir 1963, was war neu? Es ist beileibe nicht nur das Jahr des Porsche 911, der noch als 901 im September auf der IAA in Frankfurt seine Premiere feierte.

          Frühjahr 1963: Der mitteleuropäische Winter ist hart wie lange nicht. Obwohl Versorgungsengpässe der Nachkriegszeit längst überwunden sind, warnt die F.A.Z. am 14. Januar vor „Brennstoffsorgen bei weiterer Kälte“. Ja, damals gab es noch richtige Winter. Damals wie heute eröffnet die europäische Auto-Saison der Genfer Salon:

          Dort steht ein Auto, das heute zu den Ikonen zählt, die von der deutschen Design- und Ingenieurskunst hervorgebracht worden sind. Nach fast neunjähriger Bauzeit des 190 SL stellt Daimler-Benz auf der Messe am Lac Leman den 230 SL mit Pagodendach vor, abgeleitet von der Limousine 220 SE.

          Schlicht 600 nannte Daimler-Benz seine große Repräsentations-Limousine

          In Deutschland kommt der bisher kleinste Nachkriegs-Opel, der Kadett mit Ein-Liter-Vierzylindermotor, 40 PS, Spitze 120 km/h, so richtig ins Laufen. Opel produziert ihn im neuen, im Herbst 1962 eingeweihten Werk in Bochum. Dessen Geschichte wird bald zu Ende gehen. Ford stellt erstmals den Taunus 12M vor, in Köln gebaut, ursprünglich in Amerika als Käfer-Konkurrent entwickelt, dann aber für den dortigen Markt doch als zu klein befunden. Dieser erste Fronttriebler von Ford verfügt über einen V4-Motor von 1,2 Liter Hubraum, ebenfalls 40 PS. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt nach Werksangabe 125 km/h.

          Derweil stellt der britische Morris 1100 eine vergrößerte Weiterentwicklung des Mini dar. Alec Issigonis und Alec Moulton versehen ihn erstmals mit einer Gummifederung mit hydraulischer Verbindung von vorn nach hinten, genannt „Hydrolastic“.

          Und Alfa Romeo machte Furore, technisch wie stilistisch, mit der Giulia 1600 ti. Beim Hubraum von 1570 Kubikzentimetern und der Höchstleistung von damals äußerst bemerkenswerten 92 PS erreichte diese Mittelklasse-Limousine eine Spitzengeschwindigkeit von über 165 km/h, kostete in Deutschland knapp 10 000 Mark und sollte die längste Produktionsdauer aller Alfas erreichen. Erst nach 15 Jahren wird sie von der weniger langlebigen Giulietta-Limousine mit Transaxle-Fahrwerk abgelöst.

          Die legendäre Giulietta Sprint, mit Coupé-Karosserie von Bertone, als Spider von Pininfarina gezeichnet und gefertigt, folgt zur IAA im September 1963. Die Giulia Sprint (und Spider) haben den Motor der Giulia ti, zunächst mit denselben Leistungsmerkmalen.

          Der Alfa Romeo Giulietta Sprint GT

          Die schweizerische „Automobil Revue“ charakterisiert die Lage in der Autobranche 1963 so: „Im europäischen Automobilbau lässt sich ein deutlicher Zug zum mittelstarken Wagen von kompakten Abmessungen erkennen. . . . Ohne Zweifel hat die zunehmende Verkehrsdichte auf den Straßen Europas diese Entwicklung mächtig angefacht. Sie beschleunigt auch den Verkaufserfolg von teureren Baumustern der gleichen Größenklasse und spornt den Absatz sportlicher und handlicher Ausführungen an. . . . In raschem Rhythmus erneuern sich die Produktionsprogramme der Automobilindustrie. Von den über 200 gegenwärtigen Grundmodellen haben nur zwei Dutzend die letzten fünf Jahre überstanden, während allein der unsterbliche VW 1200 (der Käfer) und sein sportlicher Verwandter Porsche ihre äußeren und inneren Grundzüge während zehn Jahren beibehalten haben.“

          Es hat sich also offenbar nicht so viel geändert bis heute, nur existieren viele, viele der damals beliebten Automobilmarken längst nicht mehr. In Großbritannien gab es damals noch Traditionsunternehmen wie AC, Allard und Alvis, Austin-Healey und Bristol, Hillman und Humber, Morris, Riley, Sunbeam und Wolseley. In Frankreich waren Panhard, Facel Vega, Simca oder Talbot noch im Geschäft. Zwei weitere Ikonen des Jahres 1963 erscheinen im Spätsommer oder Herbst: Am 28. August stellt Daimler-Benz zunächst zehn ausgewählten Journalisten in Belgien, dann zwei Wochen später auf der IAA in Frankfurt dem breiten Publikum den nagelneuen Mercedes 600 vor, den Repräsentationswagen mit Beinamen „Großer Mercedes“, interne Bezeichnung W 100. Der 6,3-Liter-Motor des 600 leistet 250 PS bei 4000 Umdrehungen in der Minute, beschleunigt ihn in 10,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h und auf eine Höchstgeschwindigkeit von 209 km/h. Damals sind das sensationelle Werte - für ein zweieinhalb Tonnen schweres Fahrzeug.

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