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24 Stunden Radfahren : Ein Tag und eine Nacht – und tausend Kilometer

Rekordfrau Nicola Walde Bild: Opel

Ein Stündchen Rad fahren, gut, wenn auch nicht jedermanns Sache bei dieser Hitze. Sechs Stunden? Puhhh. Aber 24 Stunden, einen ganzen Tag und eine Nacht lang?

          Der Freiherr Drais von Sauerbronn hatte seine Laufmaschine noch nicht richtig zu Ende erfunden, da erhob sich schon die Frage: Wie schnell kann ein Mensch mit dem Ding werden, aus dem sich dann das Fahrrad entwickeln sollte? Bald war klar: Jeden Wanderer lässt es hinter sich, sogar manchen Reiter. Radler gegen Rennpferd waren Ende des 19. Jahrhunderts beliebte Wettbewerbe, das Auto war noch nicht so richtig in Sicht.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Und wie lange überhaupt, wie weit kann ein Mensch Rad fahren, in einer Stunde, in sechs, in einem halben Tag, in 24 Stunden? Gar nicht so einfach zu beantworten, kommt ganz darauf an: Mann oder Frau? Was für ein Fahrrad? Ein Bahnrennrad mit dem Segen des Radsportdachverbands UCI? Oder soll es ein Rekord werden nach den Regeln des HPV, des deutschen Ablegers der World Human Powered Vehicle Association?

          Da kommt dann nicht bloß der Lenker einer Zeitfahrmaschine zur Anwendung, sondern das technisch Machbare eines Muskelkraftfahrzeugs mit einer aerodynamisch geformten Karosserie aus Karbon und Nylon. Stehender oder fliegender Start, zwei oder drei Räder?

          „Man muss ein bisschen bekloppt sein“

          Aus den vielen verschiedenen Rekordmöglichkeiten ragen zwei heraus: Das eine ist der Stundenweltrekord. Den ersten stellte der spätere Erfinder der Tour de France, Henri Desgrange, vor 125 Jahren auf - am 11. Mai 1893: 35,325 Kilometer auf der Bahn. Das ist eine Distanz, die heute so mancher Hobbyradsportler in 60 Minuten auf der Straße schafft, allerdings mit einem völlig anderen Fahrzeug als seinerzeit Desgrange.

          Eine Stunde Rad fahren, das können wir uns alle vorstellen. Der andere besonders prominente Rekord sind die 24 Stunden: Einen ganzen Tag (und durch eine lange Nacht) Rad fahren, das kann kaum jemand richtig begreifen, das lässt einen bloß schaudern. Gibt es auf dem Fahrrad überhaupt etwas noch Langweiligeres als das? Runde um Runde, Stunde um Stunde angestrengt bis zur Volllast die Beine mit den Füßen fest auf den Pedalen kreisen zu lassen, aber dennoch nirgendwo anzukommen?

          44 Kilogramm Frau bringen die 14 Kilo Velomobil mühelos zur Hochstrecke und über 1000 Kilometer weit. Bilderstrecke

          „Man muss ein bisschen bekloppt sein“, sagt Nicola Walde freitags in einem Interview, einen Tag bevor sie sich in ihr Velomobil zwängt, um genau das zu machen: in 24 Stunden weiter zu radeln als jemals eine Frau zuvor. Als sie sich am Sonntagvormittag aus dem Schlupfloch der Karosserie zwängt und etwas wacklig zu einem Begrüßungsbier stakst, sind es 1088 Kilometer geworden.

          Das sind 227 Runden auf dem knapp fünf Kilometer langen Rundkurs im Opel Test Center Rodgau-Dudenhofen. Dabei stellt „Nici“ Walde, 44 Kilo leicht, 1,51 Meter zierlich und beruflich beim Bayerischen Polizeiorchester Fagott spielende frühere Triathletin, nach knapp 22 Stunden bereits die bisherige Frauenbestleistung von 1012 Kilometer ein. Den angepeilten 24-Stunden-Rekord der Männer von 1219 Kilometer wird sie verfehlen, denn nach einem wolkenbruchartigen Gewitter am Abend muss sie in der Nacht unplanmäßig stoppen. Nässe und die hohen Kiefern an der Strecke sind schuld.

          Als sie am Samstagvormittag losfährt, hat die Hitze schon eingesetzt. Vor dem Start, während die Cockpithaube mit dem kleinen Sichtfenster rundherum verklebt wird, bläst ein Kompressor Kühlung in die selbsttragende Karosserie. Das Rekordfahrzeug ist ein Tadpole-Trike, ein Dreirad mit zwei gelenkten Vorderrädern und einem über eine Sechs-Gang-Schaltung angetriebenen Hinterrad; dazwischen liegt die Fahrerin, tritt nach vorn in die Pedale und lenkt mit einer Art Steuerknüppel.

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