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125 Jahre Automobil : Glückwunsch, liebes Auto!

Bild: DW-TV

Am 29. Januar 1886 meldet Carl Benz seinen Motorwagen zum Patent an. Nicht viele Erfindungen haben die Welt so nachhaltig geprägt wie die des Kraftfahrzeugs. Wo wären wir heute ohne es?

          Kaum sind wirtschaftliche Düsternis, finanzpolitische Wirren und Ängste um die Zukunft aus den Jahren 2008 und 2009 ein wenig in den Hintergrund getreten, da laufen die Verkaufsmanager der internationalen Autoindustrie über die Gänge ihrer Verwaltungspaläste wie die Kater im Frühling über die Hinterhöfe. Das Fell gesträubt und die Krallen gespitzt. Es herrscht wieder Aufregung in den Katakomben der Konzerne. Die Bestelleingänge erreichen Rekordhöhen. Es brummt in den Fabriken. Die Märkte sind erwacht, heißt es mit unverhohlenem Optimismus auf den Chefetagen im Frühjahr 2011. Das klingt wie ein Signal des Aufbruchs und bedeutet, dass sich an die unendliche Geschichte des Erfolgs der individuellen Mobilität ein weiteres Kapitel anschließt. Ob dieses ein glückliches Ende nimmt, das weiß freilich keiner.

          Wolfgang Peters

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Frank Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Vor fünfzig Jahren war das anders. Es konnte nur bergauf gehen. Umsatzrekorde waren dazu da, demnächst gebrochen zu werden. Die Autos dieser Zeit werden schöner, schneller und stärker, und im Jahr 1969 kauft sich der Autor dieser Zeilen sein erstes Vehikel. Es ist eine acht Jahre alte Isabella, der schönste Borgward aller Zeiten und auch eines der letzten Exemplare der Bremer Marke. Etwas polternd produzierte 75 PS aus 1,5 Liter Hubraum treffen auf ein Leergewicht von knapp 1100 Kilo, und entsprechend flott lässt sich die automobile Schönheit bewegen.

          Bis zu jenem Herbsttag, der feuchtes Laub auf nasse Gleise der Straßenbahn geworfen hatte. Die Isabella kommt ohne Warnung vom Kurs ab, touchiert den Randstein, überschlägt sich und bleibt waidwund auf der Seite liegen. Die junge Frau auf dem Beifahrersitz bleibt unverletzt, findet alsbald den Eigner eines Autos mit sichereren Fahreigenschaften und liefert die Begründung dafür, bereits in jungen Jahren über ein Automobil verfügen zu müssen: das Auto als Ort des Rückzugs für die Verlockungen der Zweisamkeit, als Symbol der Entscheidungskraft und als Zeugnis männlicher Reife.

          Henry Ford führte das Fließband ein
          Henry Ford führte das Fließband ein : Bild: AFP

          Früher eine tägliche Bewährungsprobe

          Gleichzeitig war das Auto in diesen frühen Jahren eine tägliche Bewährungsprobe. Viel zu viele ließen dabei Leben oder Gesundheit. Beim Verzögern vor der bösen Kurve: Wer bremst als Letzter? Beim Überholen auf der Landstraße: Wer packt noch den Laster vor der Kuppe? Und als Vehikel für im Nachhinein als verstörend gefährlich empfundene Mutproben: Wer streift am zügigsten mit seinem Auto zwischen Telefonzelle und Hauswand hindurch? Viele blieben hängen und waren dennoch Helden in diesen Zeiten der Näherung an das Auto und des Abschieds von der Unvernunft der Jugend. Diese ist ein weiterer Grund für die Dominanz des Autos: Es verleiht selbst dem älteren Menschen jene Beweglichkeit und jene Mobilität, die ihm sonst mit nachlassenden Kräften und unbeweglicheren Gliedmaßen drohte abhanden zu kommen.

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