http://www.faz.net/-gy9-7sbdt

10 Jahre Dacia : Aus Freude am Sparen

Der Dacia Duster ist der Imageträger der Marke Bild: Schmidt

Seit 2004 verkauft Dacia Jahr für Jahr mehr Autos. Renaults Billigmarke hat Erfolg, und das SUV Duster ist das meistverkaufte Fahrzeug im gesamten Konzern.

          An diesen Erfolg hat niemand so recht geglaubt. Als Renault vor zehn Jahren begann, die rumänische Marke Dacia (bestand seit 1967) mit dem Low-Cost-Auto Logan wieder zu beleben, haben viele gelächelt. Ja, in Schwellenmärkten habe so ein Fahrzeug seine Berechtigung, aber sonst?

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          „Nichts für die feine Gesellschaft“ und „Das einfache Leben als ungewohnter Gegenentwurf“, titelten wir im September 2005 über den kantigen, 4,25 Meter langen Logan, der so vieles vermissen ließ, aber einen großen Kofferraum hatte (510 Liter) und natürlich auch von A nach B kam, wie jedes andere Auto auch.

          Zwar war die Ankündigung des damaligen Renault-Chefs Louis Schweitzer, ein vollwertiges Auto für 5000 Euro zu bieten, nicht ganz eingehalten, aber 7200 Euro setzten dennoch ein Ausrufezeichen. Renault baut den Dacia mit Komponenten aus den eigenen Regalen, gibt ihm aber ein eigenständiges Design mit einfach zu pressenden Formen. Die niedrigeren Gestehungskosten im Werk in Pitesti und der Vertrieb ausschließlich über Renault-Händler zu einer festen Marge (nur 5 Prozent) helfen mit, den Logan so günstig zu verkaufen - mit Gewinn.

          Mit seinem Holzfäller-Charme holt er auch Kunden ab, die sonst nie an Dacia denken würden Bilderstrecke

          Schon 2005 werden Logans außer in Rumänien auch in Moskau, in Casablanca - später Tanger - und in Envigado (Kolumbien) gebaut. 2007 kommen Nashik (Indien) und Curitiba (Brasilien) dazu. Heute (2013) laufen weltweit jährlich eine Million Dacia vom Band, das sind zehn Mal mehr als zum Re-Start 2004 (96000). Bis Mitte 2014 sind seither mehr als sechs Millionen Dacia in der Welt abgesetzt worden. Wobei man anmerken muss, dass die Fahrzeuge in manchen Märkten (Südamerika, Indien) als Renault verkauft werden. Das SUV Duster ist zur Zeit das meistverkaufte Auto im Renault-Konzern, nicht etwa ein Renault-Kleinwagen.

          Als klar wird, dass der Logan ein Erfolg ist, beginnt Renault schnell, die Marke auszubauen. Zunächst kommt der Kombi Logan MCV, dann mit dem Sandero die Schrägheck-Variante des Logan. Der endgültige Durchbruch ist 2010 das SUV Duster, das mit seinen durchaus gefälligen Formen vom Design her im Konzert der Großen mithalten kann.

          Heute beginnt in Deutschland die Welt der Dacias bei 6890 Euro für den Sandero (zweite Generation), davon abgeleitet ist der Sandero Stepway mit Offroad-Anmutung, aber Frontantrieb, den Logan gibt es nur noch als Kombi (7990 Euro Basispreis). Der Dacia Dokker (8990 Euro Basispreis) ist ein Hochdachkombi mit viel Platz, seine Nutzfahrzeug-Variante ist der Dokker Express (6690 Euro). Schließlich heischen der Dacia Lodgy (9990 Euro) mit fünf bis sieben Plätzen und maximal 2617 Liter Kofferraumvolumen und der Duster (10 490 Euro) um Kunden.

          47.190 Autos hat Dacia 2013 in Deutschland abgesetzt, der Duster war der beliebteste Dacia, wenn man den Sandero und den Stepway getrennt betrachtet. Natürlich kaufen nur fünf bis zehn Prozent der Kunden die ziemlich nackten Basis-Autos, aber auch mit ein bisschen Ausstattung (Navi für nur 180 Euro) ist ein Dacia immer noch unschlagbar günstig. Wichtig: Dacia gehört zu den wertstabilsten Marken in Deutschland. Die Stufenheck-Limousine Logan, die Keimzelle des Neustarts der Marke, wird seit 2011 hierzulande nicht mehr angeboten, die Nachfrage war aufgrund der internen Konkurrenz zu gering. Auf anderen Märkten gibt es den Logan (zweite Generation) sehr wohl noch.

          Dass billig schick ist (Aldi, Ryanair, die Fernbusse), hat Dacia gewiss auch geholfen, und die Fernsehwerbung mit WM-TV-Liebling Mehmet Scholl trifft ins Schwarze: Dacia ist für alle, die kein Statussymbol brauchen. Das mag stimmen, es bleibt aber ein spür- und fühlbarer Unterschied zwischen einem Dacia und, sagen wir, einem Hyundai, von den deutschen Herstellern gar nicht zu reden. Die Innenräume sind grobschlächtiger und einfacher, aber funktional. Kein Dacia hat ein Start-Stopp-System. Aber den Sandero gibt es mit dem modernen 0,9-Liter-Dreiyzlindermotor von Renault und einem Normverbrauch von 5,0 Liter. So fährt sich der Sandero kommod und leise, das muss man schon sagen. Mehr (neues) Auto fürs Geld gibt es nirgends, nur schade, dass sich Dacia noch nicht an einem Kleinwagen à la Twingo versucht hat. Mit ihm müsste heute noch die 5000-Euro-Hürde zu nehmen sein.

          Weitere Themen

          Endstand 5 zu 7

          Fahrbericht Seat Ibiza FR : Endstand 5 zu 7

          Seat hat sich entschieden, seinen Ibiza nach anfänglicher Abstinenz zur Markteinführung nun wieder mit Diesel anzubieten. Angetreten ist er in der sportlich orientierten FR-Variante.

          Topmeldungen

          Putin-Merkel-Treffen : Vorsicht vor Halluzinationen

          Moskau ist kein leuchtendes Beispiel in Sachen Friedensbemühungen. Warum Putin jetzt die erstarkenden Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland in ein helles Licht rückt, ist völlig klar. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.