Home
http://www.faz.net/-gy9-75j0s
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Moderne Schraubenantriebe Das Kreuz mit dem Kreuzschlitz

Pozidriv, Torx, Mortorq: So heißen moderne Schraubenantriebe. Die Innovationen gegenüber Schlitz, Innenvierkant und anderen älteren Systemen dienten zur besseren Kraftübertragung zwischen Werkzeug und Schraube.

© Peter Thomas Vergrößern Kreuzschlitz mit verlängertem Schlitz: Für den perfekten Kraftschluss zwischen Schraubendreher und Schraubenkopf. Der Kreuzschlitz trat schnell eine Karriere in aller Welt an.

Die moderne Industrieproduktion brauchte Fügetechnik mit Köpfchen, da war sich Henry F. Phillips ganz sicher. Dem amerikanischen Ingenieur Mitte der 1930er Jahre ging es dabei um den Antrieb im Schraubenkopf. So heißt die Schnittstelle zwischen Werkzeug und Schraube. Vor 80 Jahren wurden von der Automobilindustrie bis zum Möbelbau vor allem Schlitzschrauben oder solche mit Robertson-Innenvierkant eingesetzt. Phillips führte dagegen nun sein 1934 zum Patent angemeldetes, kreuzförmiges Muster ins Feld. Dieser „Phillips Recess“, den wir heute als gängigen Kreuzschlitz kennen, basierte wiederum auf einem Patent von John P. Thompson.

Die Vorteile des Kreuzschlitz-Musters liegen auf der Hand: Das Werkzeug wird besser in der Drehachse zentriert als bei einer Schlitzschraube, gleichzeitig lässt sich der Schraubendreher aber leichter in den Antrieb einsetzen als bei der Robertson-Schraube. Dazu kommt die besonders große Fläche für den Kraftschluss zwischen Schraubendreher und Schraubenkopf. Schnell setzte sich der Kreuzschlitz denn auch in verschiedenen Branchen durch: Cadillac montierte bereits 1937 alle Fahrzeuge mit Phillips-Schrauben, zwei Jahre später hatten 85 Prozent aller Schraubenhersteller auf der ganzen Welt den Kreuzschlitz im Programm.

Wie auf einer klingonischen Speisekarte

Als Phillips vor knapp 80 Jahren antrat, die Technik der Schraubenantriebe zu verändern, ließ sich die Vielfalt der Systeme noch gut überblicken. Schließlich war die Schraube als Verbindungselement in Industrie und Handwerk noch vergleichsweise jung. Das entsprechende Prinzip für reversible Verbindungen war zwar bereits seit dem Mittelalter bekannt, Schrauben wurden aber wegen der komplexen Herstellung und den entsprechend hohen Kosten nur selten eingesetzt. Erst mit der Industrialisierung entwickelten sich ab dem 18. Jahrhundert günstige Herstellungsverfahren sowie Normen für Gewinde und Antriebe. Das galt für Gewindeschrauben mit Sicherung durch eine Mutter oder ein präzise geschnittenes Gewinde ebenso wie für Holz- oder Blechschrauben, die sich beim Eindrehen ihr Gewinde selbst bohren. Im englischen Sprachgebrauch werden beide Schraubenarten bis heute als „bolt“ und „screw“ voneinander unterschieden.

Illu / TuM / Verbreitete Antriebe © F.A.Z. Bilderstrecke 

Heute heißen Schraubenantriebe Mortorq, Torx und Pozidriv. Das klingt für den Laien zunächst wie die Dessert-Auswahl einer klingonischen Speisekarte. Und genauso deftig fallen die Flüche des Teilzeit-Heimwerkers aus, wenn er mit dem bewährten Schraubendreher den Kopf einer Schraube partout nicht zu fassen bekommt. Das Problem beruht für gewöhnlich darauf, dass man die von Zähnchen, Zacken und Schlitzen gebildete Form nicht korrekt identifiziert hat - oder das passende Werkzeug für das entsprechende Mitnahmeprofil nicht besitzt.

Für ambitionierte Monteure

Die üblichen Schraubentypen, mit denen man in Haus und Garten konfrontiert wird, lassen sich mit einem Bit-Satz abdecken, der verschiedene Größen für Schlitz, Phillips, Pozidriv, Torx und Innensechskant umfasst. Zu diesem Arsenal kommen Stecknüsse für Außensechskantschrauben. Für ambitionierte Monteure gibt es im Handel aber auch Bit-Sätze mit mehr als 100 Teilen, die selbst exotische Antriebe wie Sicherheits-Spanner umfassen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Der Geschäftsgang Für verspielte Männer

Seit fünzig Jahren verdient die Inhaberin mit diesem Laden ihr Geld: Füllhalter Haizmann in der Frankfurter Innenstadt lebt von Schülern und Sammlern. Der Geschäftsgang. Mehr

21.05.2015, 21:37 Uhr | Rhein-Main
Designklassiker FNP Das Regal ohne Schrauben

Ein Regal, das sich jeder Wand anpasst und mit der Büchersammlung wächst: Seine Einfachheit machte das FNP zum Bestseller, sein Design zum Liebhaberstück. Das FNP lässt sich in nur 15 Minuten aufbauen - ganz ohne Werkzeug. Die Idee zu diesem flexiblen Möbelstück hatte der Designer Axel Kufus vor mehr als 25 Jahren. Mehr

12.01.2015, 12:31 Uhr | Aktuell
Materialschäden Bundeswehr zieht Helme aus dem Verkehr

Neue Panne bei der Bundeswehr: Nicht alle Helme schützen die Soldaten ausreichend vor Splittern. Nun muss die defekte Ausrüstung ausgetauscht werden. Mehr

19.05.2015, 13:53 Uhr | Politik
Raumfahrt Nasa testet Antrieb für größte Rakete der Welt

Im Stennis Space Center im amerikanischen Bundesstaat Mississippi hat die Nasa den ersten von acht Triebwerkstests ihres Raketenprojekts Space Launch System gestartet. Mit dem Antrieb soll 2017 die größte Rakete der Welt ins All geschickt werden. Mehr

16.01.2015, 15:22 Uhr | Wissen
Stablampe mit Warnblinker Der Lichtknüppel

Wenn ein Werkzeug mehrere Aufgaben auf einmal erledigen soll, werden wir misstrauisch. Jetzt ist uns eine Taschenlampe auf den Tisch gerollt, die angeblich mehr kann, als nur Licht spenden. Mehr Von Lukas Weber

15.05.2015, 19:29 Uhr | Technik-Motor
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.01.2013, 12:01 Uhr

2 × 3 macht 4

Von Holger Appel

Statt mit Scheinen und Münzen sollen wir bald nur noch mit der Karte bezahlen – so lautet zumindest die Devise. Im Alltag wünscht man sich bisweilen, es wäre schon so weit. Mehr 1