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Veröffentlicht: 06.01.2013, 12:01 Uhr

Moderne Schraubenantriebe Das Kreuz mit dem Kreuzschlitz

Pozidriv, Torx, Mortorq: So heißen moderne Schraubenantriebe. Die Innovationen gegenüber Schlitz, Innenvierkant und anderen älteren Systemen dienten zur besseren Kraftübertragung zwischen Werkzeug und Schraube.

© Peter Thomas Kreuzschlitz mit verlängertem Schlitz: Für den perfekten Kraftschluss zwischen Schraubendreher und Schraubenkopf. Der Kreuzschlitz trat schnell eine Karriere in aller Welt an.

Die moderne Industrieproduktion brauchte Fügetechnik mit Köpfchen, da war sich Henry F. Phillips ganz sicher. Dem amerikanischen Ingenieur Mitte der 1930er Jahre ging es dabei um den Antrieb im Schraubenkopf. So heißt die Schnittstelle zwischen Werkzeug und Schraube. Vor 80 Jahren wurden von der Automobilindustrie bis zum Möbelbau vor allem Schlitzschrauben oder solche mit Robertson-Innenvierkant eingesetzt. Phillips führte dagegen nun sein 1934 zum Patent angemeldetes, kreuzförmiges Muster ins Feld. Dieser „Phillips Recess“, den wir heute als gängigen Kreuzschlitz kennen, basierte wiederum auf einem Patent von John P. Thompson.

Die Vorteile des Kreuzschlitz-Musters liegen auf der Hand: Das Werkzeug wird besser in der Drehachse zentriert als bei einer Schlitzschraube, gleichzeitig lässt sich der Schraubendreher aber leichter in den Antrieb einsetzen als bei der Robertson-Schraube. Dazu kommt die besonders große Fläche für den Kraftschluss zwischen Schraubendreher und Schraubenkopf. Schnell setzte sich der Kreuzschlitz denn auch in verschiedenen Branchen durch: Cadillac montierte bereits 1937 alle Fahrzeuge mit Phillips-Schrauben, zwei Jahre später hatten 85 Prozent aller Schraubenhersteller auf der ganzen Welt den Kreuzschlitz im Programm.

Wie auf einer klingonischen Speisekarte

Als Phillips vor knapp 80 Jahren antrat, die Technik der Schraubenantriebe zu verändern, ließ sich die Vielfalt der Systeme noch gut überblicken. Schließlich war die Schraube als Verbindungselement in Industrie und Handwerk noch vergleichsweise jung. Das entsprechende Prinzip für reversible Verbindungen war zwar bereits seit dem Mittelalter bekannt, Schrauben wurden aber wegen der komplexen Herstellung und den entsprechend hohen Kosten nur selten eingesetzt. Erst mit der Industrialisierung entwickelten sich ab dem 18. Jahrhundert günstige Herstellungsverfahren sowie Normen für Gewinde und Antriebe. Das galt für Gewindeschrauben mit Sicherung durch eine Mutter oder ein präzise geschnittenes Gewinde ebenso wie für Holz- oder Blechschrauben, die sich beim Eindrehen ihr Gewinde selbst bohren. Im englischen Sprachgebrauch werden beide Schraubenarten bis heute als „bolt“ und „screw“ voneinander unterschieden.

Illu / TuM / Verbreitete Antriebe © F.A.Z. Bilderstrecke 

Heute heißen Schraubenantriebe Mortorq, Torx und Pozidriv. Das klingt für den Laien zunächst wie die Dessert-Auswahl einer klingonischen Speisekarte. Und genauso deftig fallen die Flüche des Teilzeit-Heimwerkers aus, wenn er mit dem bewährten Schraubendreher den Kopf einer Schraube partout nicht zu fassen bekommt. Das Problem beruht für gewöhnlich darauf, dass man die von Zähnchen, Zacken und Schlitzen gebildete Form nicht korrekt identifiziert hat - oder das passende Werkzeug für das entsprechende Mitnahmeprofil nicht besitzt.

Für ambitionierte Monteure

Die üblichen Schraubentypen, mit denen man in Haus und Garten konfrontiert wird, lassen sich mit einem Bit-Satz abdecken, der verschiedene Größen für Schlitz, Phillips, Pozidriv, Torx und Innensechskant umfasst. Zu diesem Arsenal kommen Stecknüsse für Außensechskantschrauben. Für ambitionierte Monteure gibt es im Handel aber auch Bit-Sätze mit mehr als 100 Teilen, die selbst exotische Antriebe wie Sicherheits-Spanner umfassen.

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