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Microsoft Windows neu gefliest

Im Zeichen der Kachel: An diesem Freitag kommt das neue Windows 8 auf den Markt. Nichts ist mehr, wie es mal war. Microsoft setzt auf den Fingertipp.

© dapd Vergrößern Windows 8 setzt auf ein neues Handling

Schockierend kann die erste Begegnung mit Windows 8 sein. Nichts ist, wie es mal war. Was sollen die bunten Memory-Karten auf dem Startbildschirm? Warum benötigt ein modernes Betriebssystem zwei verschiedene, miteinander nicht kompatible Bedienphilosophien? Windows 8 ist jedoch nicht ganz so radikal, wie es auf den ersten Blick scheint. Dafür sorgt sein Janusgesicht, das zwar in Richtung Zukunft blickt, dabei aber auch die Vergangenheit im Auge behält. Den Desktop mit seinen überlappenden Fenstern, in denen wie gewohnt Programme mit Maus und Tastatur gesteuert werden, gibt es noch immer. Mit Betätigen der Windows-Taste und „D“ lässt sich jederzeit zu ihm umschalten. Er wartet wie gehabt mit Papierkorb und Taskleiste auf, und seine Fenster haben Menüs und ein Schließkreuz.

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Auf dieser Seite, und das mag konservative Windows-Nutzer beruhigen, ist alles fast wie früher. Aber nur fast. Denn ein kleiner, gravierender Unterschied erschüttert die Tradition: Das Startmenü fehlt. Wo es sich bislang mit einem Klick auf das Windows-Symbol am linken unteren Bildschirmrand öffnen ließ, ist Leere. Auch das gewohnte Betätigen der Windows-Taste holt es nicht zurück. Man landet damit vielmehr im neuen Startfenster mit seinen Kacheln und jenen Bedienelementen, die sich am berührungsempfindlichen Monitor auf einen Fingertipp hin bewähren sollen. Tastatur und Maus funktionieren zwar, sollen dem Anwender jedoch stets das Gefühl geben, doch etwas antiquiert zu sein.

21871119 © Wiseman Vergrößern Apps gibt es nur in der Windows8-Oberfläche

Wer Windows 8 auf einem berührungsempfindlichen Bildschirm erprobt, kann sich von der Eingängigkeit der neuen Bedienung überzeugen. Anwendungen starten auf Fingertipp, eine Wischgeste von unten öffnet das Kontextmenü und ein Wisch von oben schließt die App. Wer zwischen den laufenden Programmen wechseln möchte, wischt von links über den Bildschirm, und wer von rechts wischt, öffnet die sogenannte „Charmsbar“, über die sich Windows herunterfahren oder Einstellungen vornehmen, aber auch die Suchfunktion aufrufen und Inhalte „teilen“ - also an Kontakte verbreiten lassen. Nichts ist von Apple kopiert, nichts ist intuitiv erkennbar. Ist der berührungsempfindliche Monitor, der Touchscreen, die Zukunft der PC-Bedienung? Auch bei großen Anzeigen im Büro? Kurz eben aufstehen und oben links tippen? Was mit Tablet PC funktioniert, wird nun auf alle Rechner übertragen, obwohl die Gerätegattungen ganz unterschiedlich benutzt werden. Microsoft versucht uns zu erziehen, hin zu klaren Linien ohne Schnörkel und Zierrat unter dem Primat der Fingersteuerung.

Wie Apple und Google will auch Microsoft stärker vernetzen und personalisieren. Der Anwender muss sich mit einem Microsoft-Konto registrieren, um alle Windows-Funktionen zu nutzen, beispielsweise den Online-Zugriff auf den „Store“, in dem es Apps für Windows 8 gibt. Auf dieses Konto greift man ebenfalls beim Smartphone-Betriebssystem „Windows Phone“ zurück, und vor allem: Wenn man sich auf weiteren PCs als Windows-8-Nutzer anmeldet, erhält man unmittelbar seine online gespeicherte, vertraute Konfiguration. Vernetzt wird nun so gut wie alles: E-Mail, Chat, soziale Netzwerke, Kalender, Kontakte und so weiter.

Zentrale Sammelstelle für Privates ist der Cloud-Datenspeicher „Skydrive“, für dessen Integration eine eigene App sorgt. Gleichzeitig zeigt sich hier die Kluft zwischen den beiden divergierenden Windows-Oberflächen: Während im neuen Design - das Microsoft nicht mehr Metro nennt - Skydrive als Dateiordner einfach dazugehört, braucht es für den Explorer den Skydrive-Desktop-Client, der aber nicht zu Windows 8 gehört, sondern nachzuinstallieren ist. Ein Manko, denn trotz der neuen Oberfläche laufen über das Explorer-Fenster noch immer alle wesentlichen Dateiorganisationen wie das Anlegen von Ordnern, das Packen und Entpacken von Archiven, das Übertragen auf USB-Speicher ebenso wie das Brennen von CDs und DVDs. Um die Arbeit zu vereinfachen, hat das Fenster jetzt allerdings ein Menüband mit deutlich größeren Symbolen, die bei gezieltem Zugriff auch für spitze Finger geeignet scheinen.

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