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Mercedes-Benz GL Die Einsamkeit des Langstreckenläufers

 ·  Der Mercedes-Benz GL, das jetzt in zweiter Generation startende „Full-Size-SUV“, bringt alle Voraussetzungen mit, um den bisherigen Erfolg zu verstärken. Eine erste Probefahrt.

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© Hersteller Der Mercedes-Benz GL, das jetzt in zweiter Generation startende „Full-Size-SUV“, bringt alle Voraussetzungen mit, um diesen Erfolg womöglich zu verstärken

In Deutschland verschreckt er die Kunden mit seiner Größe, in Amerika verführt er die Familien mit seiner Großzügigkeit: Der Mercedes-Benz GL, das jetzt in zweiter Generation startende „Full-Size-SUV“, bringt alle Voraussetzungen mit, um diesen Erfolg womöglich zu verstärken.

In Deutschland haben sich 2011 rund 2500 Käufer für einen GL entschieden. Sie verfügen über ausreichend große Abstellflächen (GL-Länge jetzt 5,12 Meter), wollen bis zu sieben Sitzplätze belegen, und sie haben künftig die Wahl zwischen drei Versionen, und sie werden sich mehrheitlich für die Dieselvariante entscheiden.

Der Mercedes-Benz GL 350 BlueTec 4Matic hat einen V6-Motor, drei Liter Hubraum (190 kW/258 PS) und kostet 72471 Euro (Normverbrauch 7,4 Liter). Der GL 500 (V8-Benziner, 4,7 Liter Hubraum, 320 kW/435 PS) ist deutlich teurer: 94605 Euro (Verbrauch 11,3 Liter); der Leistungsriese GL 63 AMG (V8-Benziner, 5,5 Liter Hubraum, 410 kW/557 PS) verlangt nach 130305 Euro (Verbrauch 12,3 Liter). Allen gemeinsam sind der lange Radstand von 3,08 Meter, die voll tragende Luftfederung und der permanente Allradantrieb mit einem sperrbaren Mittendifferential. Es gibt sechs spezielle Fahrprogramme für das Fahren auf Straßen oder abseits von ihnen. Das alles steckt in einer überaus steifen, nahezu vibrationsfreien Karosserie, garniert von einem Ausstattungsumfang und einer Verarbeitung sowie einer passiven Sicherheit, die im Kreis seiner Konkurrenten zu einer gewissen Einsamkeit des Langstreckenläufers führen.

Geringeres Gewicht, niedrigere Verbräuche bei allen Motorversionen (Reduzierung beim Diesel um rund 20 Prozent) und noch mehr High-Tech für Sicherheit, Komfort und Langstreckentauglichkeit sind die Eckpunkte der zweiten GL-Generation. Kleinere Design-Streicheleinheiten hinten (Rückleuchten, Prallfläche) wie vorne (klareres Gesicht) sowie eine jetzt sanft ansteigende Fensterlinie lassen den GL im Stand weniger dicklich und wohltuend dynamischer erscheinen. Zwar bringt der Diesel-GL noch immer 2370 Kilogramm auf die Waage, aber das sind rund 90 Kilo weniger als zuvor. Motorhaube und Kotflügel werden nun aus Alu gepresst, die Lenker der Vorder- und Hinterachse bestehen aus Leichtmetall.

In Zusammenhang mit den üppigen Motorleistungen und einer mitunter etwas rustikal agierenden und in Wimpernschlag-Zeitspannen schaltenden Siebengang-Automatik (der Kraftschluss beim Anfahren sollte weniger abrupt erfolgen) ergeben sich erstaunliche Fahrleistungen: der GL 350 Bluetec kommt aus dem Stand unter voller Last in knapp acht Sekunden auf 100 km/h und läuft bei gut 220 km/h gegen die unsichtbare Wand aus Wind. Die beiden V8-Versionen sind noch schneller (250 km/h Spitze, nur rund fünf Sekunden bis 100 km/h), aber kaum komfortabler. Abrollgeräusche glänzen durch Abwesenheit, und wer auf das tiefe Wummern der V8-Maschinen verzichten kann, ist dennoch ein Genießer.

Schon der Diesel spielt auf den amerikanischen Highways das große Kinostück vom weiten Land der tausend Sheriffs unter einem endlosen Himmel: Stressfreies Gleiten in wunderbar erhöhter Sitzposition über alle Steigungen hinweg. Unter Abwesenheit von Motorgeräuschen und Windlärm könnte man immer bis zum Horizont fahren, und dann rechts abbiegen. Bates-Motel verlöre jeglichen Schrecken. Auf den schmalen Bergstraßen ins Tao-Skigebiet nördlich von Santa Fe gibt sich der füllige GL agiler, als er aussieht. Und zum Einparken hält er jetzt endlich eine Automatik und eine Rundum-Kamera bereit. Niemand muss sich auch in Deutschland vor der GL-Größe fürchten. Man nimmt sich zum Rangieren und zum Bewältigen von tückischen Engstellen einfach die nötige Zeit. Schließlich werden auch die Deutschen immer dicker.

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Jahrgang 1946, freier Autor in der Wirtschaft.

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