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Dienstag, 18. Juni 2013
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Mercedes Benz A-Klasse Jung um jeden Preis

 ·  Die A-Klasse von Mercedes-Benz ist nicht wiederzuerkennen. Ist dies vielleicht das größte Problem der neuen A-Klasse, dass sie nämlich keine ist? Erste Eindrücke einer Mutprobe.

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© Hersteller Flachdach statt Hochdach, das ist tatsächlich die neue A-Klasse

Das vielleicht größte Problem der neuen A-Klasse ist, dass sie keine A-Klasse ist. Und dass niemand Mercedes-Benz solch ein Auto zutraut. Trotz aller Erfolge in Rennsportserien wie der Formel 1 oder der DTM denkt jeder an den BMW 1er oder den Audi A 3, wenn es um kompakte Jungdynamiker geht.

Und in der Branche wird zurzeit mächtig Dampf gemacht: BMW hat den 1er frisch renoviert, er sieht noch immer aus wie ein 1er, was keine schlechte Nachricht ist, denn die Bayern sind damit ziemlich erfolgreich. Audi führt dieser Tage den neuen A 3 heran, der von außen dem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich sieht, doch innen vollzieht sich eine kleine Revolution mit dem neuen und, wie wir finden, gelungen gestalteten Cockpit. Mercedes hätte also weiterhin auf sein eigenständiges Hochdachkonzept der bewährten A-Klasse setzen können, doch das erschien den Schwaben ein Schritt zurück, ein Schritt zu Bedächtigkeit und Behäbigkeit und Marktanteilsverlust. Ohne Zukunft. Auch sie wollen jung sein, also musste eine komplett neue A-Klasse her, die so aussieht und sich so benimmt wie die erfolgreichen Konkurrenten, balancierend zwischen Modernität und Beliebigkeit. Drei weitere Mutproben sind schon in Vorbereitung, ein Coupé, ein schräger Kombi (Shooting Brake) und ein straßentauglicher Geländegänger. Ein Cabriolet wird, entgegen hartnäckigen Meldungen aus der Gerüchteküche, nicht darunter sein.

Die Erfordernis zur Radikalkur sieht so mancher nicht ein, Leser Klaus Heinzel aus Schauenburg schreibt uns stellvertretend für einige andere: „Die Entscheidung der Firma Daimler, die alte A-Klasse (wendiges Auto, hohe Sitzposition, erträglicher Preis) gegen ein neues Modell der üblichen flott-dynamischen Bauart zu ersetzen, bedauere ich und halte sie für strategisch falsch.“

Flott-dynamisch jedenfalls ist der neue kleine Mercedes geworden, daran kann nach ersten Fahreindrücken kein Zweifel bestehen. Die Tücken des Vorderradantriebs haben ihm die Entwickler mit allen Kniffen elektrischer Regelwerke und einer Mehrlenker-Hinterachse weitgehend ausgetrieben, das Programm reicht sogar bis zu einem 155 kW (211 PS) starken A 250 Sport, der samt Bling-Bling-Diamantgrill und bollerndem Auspuffklang der Konkurrenz zeigen soll, wo der fahrdynamische Hammer hängt. Weiter unten in den Niederungen des Alltags schlägt sich die neue A-Klasse ebenso beachtlich.

Die Sitzposition ist so tief wie vermutet, doch wenn man daran nichts Grundsätzliches auszusetzen hat, lebt es sich dort bestens. Das kräftige Lenkrad passt gut zum Gefühl höchster Solidität, Schalter und Regler bieten jenen Qualitätseindruck, der von Mercedes erwartet wird. Die Armaturentafel trägt runde Lüftungsdüsen, mutige, bisweilen am Rande der Übertreibung gestaltete Oberflächen, zwei nachlässig scharfe Kanten an der Mittelkonsole - und vor allem einen elegant schwebend erscheinenden Bildschirm, auf den die Abteilung Design so stolz ist, dass sie ihn zur Referenz für alle künftigen Modelle bis hinein in die S-Klasse erkoren hat. Was aussieht wie ein Touchscreen ist keiner, er wird über einen Drehregler auf der Konsole bedient. Es gibt auch eine kleinere Lösung für das iPhone 4, doch die meisten Kunden werden wohl den 20 Zoll großen Schirm wählen und sich hernach durch die Fülle der möglichen Multimediaanwendungen kämpfen. Einfach nur Radio hören und der Navigation folgen geht übrigens auch.

Schon nach kurzer Zeit fühlt sich der Kleine erwachsen an, jedenfalls größer, als er aussieht, tatsächlich ist er stattliche 4,30 Meter lang. Die 2,70 Meter Radstand sind womöglich der noch wichtigere Wert, damit entsteht auch hinten viel Raum für längere Beine, so sie denn irgendwann eingefädelt sind. Denn der hintere Türausschnitt leidet wegen des eingezogenen Dachs unter beschränkter Großzügigkeit. Die Kopffreiheit genügt indes vorne nahezu allen Ansprüchen und hinten jenen bis 1,80 Meter, und erfreulicherweise lassen sich die hinteren Seitenfenster voll versenken. Freilich ist nur für vier Personen Platz, der mittlere Ort hinten ist zum Vergessen. Der Kofferraum ist durch eine schmale Ausbuchtung zu beladen. Der Tankdeckel liegt links.

Vor der Wahl der Möblierung empfehlen wir eine ausgiebige Probe, die von Mercedes propagierten Sport-Integralsitze mit feststehender Kopfstütze werden nicht jedermanns Sache sein, es gibt auf Anfrage ein komfortableres Fauteuil. Ähnliches gilt für die Auslegung des Fahrwerks, das in zwei Ausprägungen antritt: Sport oder Komfort. Dazwischen ist nichts, auf einstellbare Dämpfer wird verzichtet, vorgeblich weil die Kundschaft derlei ohnehin nicht nutzt. Die sportliche Variante will als solche ernst genommen werden, also werden hohe Kurvengeschwindigkeiten ebenso geliefert wie trockene Stöße auf Querfugen. Vor allem in Verbindung mit den schweren Dieselmotoren ist eine bewusste Entscheidung ratsam.

Zur Markteinführung im September stehen drei Benziner und drei Diesel zur Wahl. Für Sparfüchse wird vermutlich der 26 477 Euro teure A 180 CDI interessant, der einen 1,5-Liter mit 80 kW (109 PS) beherbergt und mit 4,0 Liter Normverbrauch auftrumpft. Das Aggregat ist das erste und bisher einzige aus der noch recht frischen Kooperation mit Renault, alle anderen angebotenen Motoren sind Eigengewächse von Mercedes. Deutlich erfreulicher zu Werke geht der (erst von Dezember an erhältliche) kraftvolle und leise 220 CDI, den wir dem 200 CDI vorziehen würden, zumal beide zurückhaltend mit Kraftstoff umgehen. Ein erster Eindruck lässt reale Werte zwischen 6,0 und 7,0 Liter Diesel erwarten.

Die Benziner reichen von 90 bis 155 kW (122 bis 211 PS), hier wird die preisliche Einstiegsvariante geliefert, für den A 180 sind 23 978 Euro anzulegen, zuzüglich der in dieser Klasse schon geradezu üblichen üppigen Aufschläge für Extrawünsche aus der 25 Seiten langen Aufpreisliste. Drei Ausstattungsniveaus plus drei Designpakete stehen zur Wahl, die Zusammenstellung wird sich nicht an einem Wochenende erledigen lassen, doch Sohn und Tochter werden nun wohl lieber aussuchen helfen als früher. Das vielleicht größte Problem der neuen A-Klasse ist, dass sie keine A-Klasse ist? Vielleicht ist es ihre große Chance.

„Wir wollten das aufsehenerregendste Auto in diesem Segment machen.“ Gorden Wagener, Leiter Design Mercedes

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für „Technik und Motor“.

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