04.01.2013 · Die Maybach-Fertigung wurde eingestellt. Damit ist eine der glänzendsten Marken des automobilen Hochadels zum zweiten Mal nach 1941 untergegangen.
Von Dieter GüntherRichtlinien für Lesermeinungen
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Und Zetsche, einst als Heilsbringer gepriesen, kann's offensichtlich
auch nicht, wohl Folge der jahrelangen Fehlplanung. Allen deutschen
Konzernen ist - und das ist ein tragischer Fehler - eigen, dass
Geschäftsführung, Vorstände, Aufsichtsräte fast nur
noch aus Betriebswirten und Juristen bestehen, die nur noch auf die
kurzzeitig zu erzielende Rendite schielen. Techniker sind nicht gefragt.
Und deswegen ist ein Unternehmen wie z. B. Siemens technisch völlig
abgestürzt. Auf die Dauer wird sich das auf die Rendite verdammt
nachteilig auswirken.
Mercedes hat Maybach völlig falsch angefasst. Man wollte nicht so
richtig investieren - deshalb hat man die S-Klasse zur Grundlage
gemacht. Eine katastrophale Fehlentscheidung: Einen Japaner das Design
machen zu lassen. Wer sich japanisches Autodesign ansieht, muss sich in
der Regel übergeben. Die gut gezeichneten Fahrzeuge sind meistens
in europäischen oder amerikanischen Studios gezeichnet!
Autos werden zum Großteil aus dem Bauch gekauft
Und ich fand immer, dass die Formensprache des Maybach nicht stimmig war.
Solch ein Riesenauto muss Kraft ausstrahlend als solide Einheit, wie ein
Fels auf der Straße stehen.
Für mich kam in dieser Richtung nichts rüber, es passte nicht.
Speziell der zusammengekniffen anmutende Hintern brachte eher
Verzagtheit rüber
Wenn ein Kunde das Heidengeld für ein solches Fahrzeug ausgeben
soll, dann muss er es sehen und - platt gesagt - 'Boah' oder 'Wow' denken.
Das stellte sich bei diesem Auto nicht ein.
Da kann es technisch und von der Funktion her so toll sein wie es will.
Auch ist die Marke nicht untergegangen. sondern man hat sich nach dem zweiten Weltkrieg (leider) entschieden, den Automobilbau nicht mehr aufzunehmen.
Ich befürchte, man hat bei Mercedes die Marke Maybach nicht verstanden.
Maybach hat sich selbst nie um die Gestaltung der Wagen gekümmert.
Aufgabe war die Technik, das heißt Motor, Getriebe, Fahrgestell
und das Armaturenbrett, das bei Maybach bezeichnenderweise Apparatebrett
hieß. Es hatte funktionell zu sein. Dem entsprechend waren die
Karosserien meist sehr zurückhaltend, wenn auch nicht von Maybach,
sondern meist von Spohn, Ravensburg. Und so war auch meist die Klientel.
Man wollte das Beste, aber bitte dezent. Die so genannten neuen Maybachs
waren weit davon entfernt. Früher haben Angehörige des Adels,
Unterrnehmer und auch der hohe Klerus Maybach gefahren. Also weniger die
Schickeria. Die fuhr eher den mondänen (und zugegeben sehr
schönen) Horch. Das will sagen: Das Design war bei den neuen
Maybachs kaum dezent, elegant. Das lief eher unter dem Titel:
"Pimp my S-Class." Und noch eins: Die möglichen
Stückzahlen in diesem absoluten Luxusbereich werden total
überschätzt.
Maybach können sie nicht, SMART können sie auch nicht. Man kann nur hoffen, dass sie wenigstens das dazwischen irgendwann wieder wirklich gut können. Das Beste oder Nichts. Ein grösserer Management-Wechsel erscheint dringend.
Das passiert, wenn man die Vermitteung von 'alten Werten' vernachlässigt
In einer Gesellschaft, wo man keinen Wert auf Tradition und alte Werte legt, weder Materialien noch Arbeit schätzt und respektiert, den positiven Teil der Geschichte nicht richtig vermarktet, die Wegwerf-Gesellschaft fördert und meint alles was neu und modern ist, wäre besser ... wen wunderts. Die jungen Konsumenten wachsen doch so auf, leben über ihre Verhältnisse, da jeder Wunsch sofort erfüllt wird, reparieren kennen sie nicht, da wird gleich neu gekauft, kennen weder Vorfreude noch würdigen sie Produkte oder ganz und gar Erbstücke. Wenn man sich sowas 'hoch-zieht' muss man sich nicht wundern.
Wäre das nicht was Neues für die spielsüchtigen Autofans? Ich ärgere mich jedesmal, das man nicht irgendwo darauf wetten kann, wenn ein Auto so offensichtlich zum Flopp wird. Beim Maybach wusste ich das sofort, beim Phaeton ebenfalls als auch beim Smart, beim Audi A2, beim VW Corrado, bei der letzten E-Klasse, beim BMW 5er E39 ebenfalls. Na gut, den Fiat Multipla sollte man vielleicht ausklammern, das war ja sicher Absicht! Ebenso die meisten Opel. Ich frage mich nur, was Marketingleute eigentlich können müssen, dass sowas nicht erkannt wird!? Und: warum fragt mich eigentlich keiner?
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 07.01.2013 14:42 UhrFalsches Timing
Ich bin beileibe kein Audi-Fan, aber den A2 würde ich eher in die
Kategorie "zu früh und unverstanden" einsortieren. Hier
im Südosten fahren im Verhältnis zu anderen ähnlich alten
Kompaktautos noch sehr viele. Als er neu war, wußten die
Journalisten und anderen Taxonomen nicht so recht wo man ihn einordnen
sollte. Aufgeblasener Polo oder abgesägter A3? Auf jeden Fall viel
zu teuer.
Insofern war allerdings der Flop vorhersehbar.
Mit auf die Liste nehmen könnte man noch den 3L-Lupo (wesentlich zu
teuer, stellte sich auch als begrenzt zuverlässig heraus) und,
weiter zurück, die Versuche von Ford oder Opel, in der Oberklasse
einen Zeh in die Tür zu bekommen: Granada, Senator (der letzte
ebenfalls ein mißlungenes "Upgrade" vom Omega), Admiral...
Auf der anderen Seite wundert es mich immer wieder, daß so
entsetzliche Design- und Konzeptkatastrophen wie ein BMW GT oder X6 eine
erstaunliche Anzahl Käufer finden.
Ein weiterer kapitaler Flop:
Die "Rechtschreibreform", die dazu geführt hat, daß
auch Leute mit höherer Schulbildung eher unkomplizierte Wörter
wie "Flop" nicht mehr fehlerfrei schreiben können.
Die Elektroautos mit Akkus sind ein weiterer, sehr vorhersehbarer Flop.
Dagegen war sogar der Mercedes-Maybach ein Verkaufserfolg.
Der Phaeton ist ein aufgehübschter Passat mit Aufpreis, der Maibach eine Klasse höher eine aufgehübschte S-Klasse. Und beide zeichnet die Aura der gähnenden Langeweile aus. Und genau war bei einem echten Maybach nicht der Fall. Daimler hat es immerhin erkannt.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.01.2013 20:02 UhrUnd ein Bentley ist ein aufgehübschter Audi...
Ich denke VW hat mit dem Phaeton mehr verdient als Daimler mit Maybach.
Ich würde noch gerne Wissen was Phaeton, Audi A8, Bentley und
Porsche Panamera so alles teilen. ggf alles was man nicht sehen oder
anfassen kann.
PS der Phaeton ist äußerts zurückhaltend im Auftritt,
das gefällt mir durchaus.
PS2 ggf ist die kummulierte Leistung der elektrischen Helfer im Mybach
größer als die an der Hinterachse. Zetsche ist halt
Elektroing. Hat aber Maybach nicht aus dem Hut gezaubert.
PS3 In der Formel1 versenkt Daimler ggf noch mehr Geld.Die
EADS-Beteiligung könnte man auch noch verkaufen. Wenn man dann noch
die PKW-Sparte an einen chinesischen Investor veräußert hat
man einen passablen LKW und Bus-Hersteller.
War der Maybach nicht dieser hässliche Wagen mit den Plasteschaltern
aus der A-Klasse? Ich habe nie verstanden, warum der so viel Geld kostet. Für einen Porsche dagegen würde ich das Geld - wenn ich es denn hätte - ausgeben.
Das bekannteste Fahrzeug mit Maybach 12-Zylinder-Ottomotor 700 PS (515 kW)
Waren Panzer des Typs Tiger, Ihre größte Schwäche war der Motor. Das Leistungsgewicht lag bei12 PS/tonne.
Schäbig wie die Nacht, langweilig wie ein Telefonbuch!
Natürlich könnte ich mir so ein Ding nie leisten (man
könnte mir Sozialneid vorwerfen, was aber nicht gerechtfertigt
ist), habe diese Schleudern ein paar mal auf der Strasse gesehen.
Auffällig sind sie ja, aber nicht im positiven Sinne.
Mein Eindruck:
-Aehnlichkeit mit einem Schlafwagen; es hat sogar eine Art Gardienen
oder Storen im Rückfenster gehabt
-Einfach nur massig und schwer; sie wirken sehr behäbig und schwerfällig
-Ohne jeden Pfiff und Pepp; einfallslos. So, als sollten die Besitzer
suggerieren, sie haben weder Zeit noch Interesse an emotionalen Dingen
und wollen nur allen klarmachen, dass sie viel Kohle zum
unüberlegten Ausgeben haben.
-Design weder wuchtig, weder aggressiv und schon gar nicht sportlich. L-A-N-G-W-E-I-L-I-G!
-Es fehlt noch der Aufkleber „Rechtsanwalt inside“
Für das viele Geld sollte es für das Zielpublikum spannendere
Autos geben: Hummer, Ferrari, Maserati, uswusw..
Immerhin gehört grün nicht auf den Boden, sondern auf die Ampel!
Mit einer ästethischen Nullösung kann man auch keinen Staat machen..
Es ist doch sicherlich verfehlt, in diesem Zusammenhang vom zweiten Ende
dieser grossen Marke zu sprechen. Denn die Maybachs der letzten Jahre
haben die Marke nicht wiederbelebt. Dafür hat dieser
Übermercedes einfach zuwenig geboten. Denn ein Wagen der
Superluxusklasse ensteht nicht einfach dadurch, dass man einen
Luxuswagen aufmotzt und ein anderes Schildchen auf den Kühler klebt.
Man kann eigentlich nur von Zombies reden: lebende Tote. Für die
Marke wäre es besser gewesen, dieser halbgare Versuch wäre unterblieben.
Nun ja, nicht nur Mercedes hatte diese Problem: der Phaeton war ja
genauso ein Schlag ins Wasser. Beides hervorragende Autos, aber das ist
nicht genügend.