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Matchbox-Autos Frauen und Kinder bitte draußen bleiben

 ·  Kaum jemand verkauft so viele Gebrauchtwagen wie Carsten Oettler. Trotzdem passt sein Inventar in ein kleines Ladengeschäft in Berlin-Wilmersdorf. Der 45-jährige verkauft Matchbox-Autos.

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© Tom Debus Vergrößern Wer die Schachteln zählt, nennt die Namen vergangener Auto-Herrlichkeit, die bei Matchbox, wie zu sehen, vom Speedboat bis zum Müllauto reichte

Detmolder Straße 3, Berlin-Wilmersdorf - diese Adresse sollten sich Ihre Kinder merken: Kaum irgendwo in Deutschland findet man so viele Matchbox-Autos auf so kleiner Fläche wie in Carsten Oettlers Laden „Cars and Boxes“. Doch im Prinzip kann sich der Nachwuchs das Gedächtnistraining sparen. Denn auch wenn der 45-Jährige ein Herz für Kinder hat, gibt es bei ihm nix zum Spielen. Sondern Oettler ist mit einem Bestand von mehr als 10.000 Fahrzeugen einer der größten Fachhändler für viele tausend Sammler im Land, die für seltene Modelle schnell mal 200 bis 400 und für echte Raritäten auch mehrere tausend Euro ausgeben. Und strenggenommen ist er damit auch einer der größten Gebrauchtwagenhändler der Republik - selbst wenn sein gesamtes Inventar in das kleine Ladengeschäft passt.

Mindestens 15.000 Modelle

Zwar nimmt er Kunden mit fünf Autos genauso ernst wie solche mit 100 oder gar 1000 Modellen. Doch Oettler kennt Sammler, in deren Vitrinen Werte in sechsstelliger Höhe stehen - und alle sind sie mal als Spielzeug für lächerlich kleine Preise in einer Pappkiste nach der Art einer Streichholzschachtel - englisch Matchbox - über den Ladentisch gegangen, die den Autos ihren Namen gegeben hat. Sie zählen heute zu den populärsten Modellautos, die man sammeln kann.

© Tom Debus Vergrößern Vergleichsweise billig: Matchbox-Oldtimer sind oft keine Rarität

Wie viele Modelle es gibt, weiß selbst der Matchbox Man nicht so genau. Auch wenn man die fabrikneuen Oldtimer, die Flugzeuge und die großen Maßstäbe einmal außen vor lässt und sich stattdessen auf die am weitesten verbreitete Superfast-Serie im Hosentaschenformat konzentriert, wird es ziemlich unübersichtlich: „Im Schnitt gab es jedes Jahr 75 verschiedene Autos, die immer wieder ausgetauscht wurden“, sagt Oettler. Bei 60 Jahren Matchbox kommt man schon damit auf sicher über 1000 verschiedene Typen. Aber weil die alle in mehreren Farbkombinationen aufgelegt und in Details variiert wurden, schätzt der Fachmann die Anzahl der unterschiedlichen Modelle auf mindestens 15.000. Kein Wunder, dass bei ihm in Laden und Lager alles aus den Nähten platzt und noch der letzte Quadratzentimeter als Parkplatz herhalten muss.

Vergleichsweise billige Oldtimer

An sein erstes Matchbox-Auto kann sich Oettler bestens erinnern. Da war er noch keine zehn Jahre alt und hat Tag und Nacht mit dem gelben Datsun gespielt, sagt der Meister der Miniaturen, geht zielstrebig zur großen Vitrine und holt den getunten Sportwagen mit dem silbern schimmernden Motor aus dem Regal. Damals für nicht mal eine Mark in jedem Spielwarenladen zu haben, muss man nach dem Modell heute lange suchen und wenn man ihn findet, sehr viel mehr bezahlen.

Damals hat Oettler allerdings einen gravierenden Fehler gemacht: Gesammelt und deshalb pfleglich behandelt hat er die Oldtimer-Serie, mit dem Datsun und den anderen aktuellen Modellen ist er dagegen über den Kinderzimmerboden oder durch den Sandkasten gefegt. Weil das früher bei fast allen so war, gibt es die Oldtimer heute zu Tausenden und deshalb vergleichsweise billig. „Die Autos aus der Superfast-Serie der Siebziger und Achtziger dagegen sind mittlerweile richtig teuer.“

Durchweg männliche Kunden

Oettler hat zwar Kunden aus allen Kreisen vom jungen Vater am Ende des Studiums bis zum Multimillionär, und mittlerweile spannt sich sein Netzwerk dank Webshop und Internet-Auktionen in aller Herren Ländern. Deshalb verschickt er seine PS-Petitessen auch bis in die Türkei, nach Südamerika und ironischerweise sogar nach China, wo die Matchbox-Autos seit den Neunzigern gebaut werden.

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