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Luxusuhren Gold oder Platin, aber auch Karbon und Keramik

 ·  Luxus heißt für viele Uhrenmanufakturen vor allem kompliziert. Da spielt dann die gelegentlich flächendeckende Diamantbelegung beim Preis eine eher untergeordnete Rolle.

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© Hersteller Cartiers Rotonde Mysterious

Die uhrmacherische Kompetenz zu zeigen, ist der größte Antrieb für die immer komplizierteren Luxusuhren auf dem Salon SIHH. Keine Manufaktur von Rang ohne neue Kombinationen von Komplikationen, die Materialien können gar nicht exklusiv genug sein, und dabei geht es nicht nur um Gold oder Platin, sondern auch um Karbon, Keramik, Titan, Bronze, alles nur höchst kompliziert zu bearbeiten, von den rein ästhetischen Verzierungen ganz zu schweigen. Um sich zu profilieren, widmen sich etliche Unternehmen der Pflege alter Handwerke, sie bilden junge Leute in fast vergessenen Techniken aus und können die Ergebnisse dieser Kunsthandwerker wirksam in Szene setzen.

Auf der anderen Seite kommen derzeit wieder flache Uhren in Mode, je dünner, desto lieber, sie waren nie ausgestorben, aber etwas ins Hintertreffen geraten. Piaget hat hier einen Namen, mit den flachsten Kalibern vom sklettierten Tourbillon bis hin zur ultraflachen Minutenrepetition, eine Herausforderung bei 9,4 Millimeter Gehäusehöhe. Auch die Altiplano Date mit Automatikwerk hält mit 6,36 Millimeter Höhe für das 40-Millimeter-Gehäuse einen Rekord. Ihre Datumsanzeige bei der „9“ ist die einzige unter den Ultraflachen. In Roségold mit einem goldenen Mikrorotor kostet sie 21 800 Euro. Jaeger-LeCoultre steuert als Reminiszenz an seine flachste Taschenuhr der Welt von 1907 die dünnste Handaufzugsuhr der Welt bei. Die Master Ultra Thin Jubilee bringt es auf nur 4,05 Millimeter bei einem Durchmesser von 3,9 Zentimeter. 880 Stück im Platingehäuse wird es in Deutschland für 14 400 Euro geben.

Deutlich im Steigen ist der Anteil der Damenkollektionen: Die Manufakturen können der Weiblichkeit zunehmend vermitteln, dass eine Luxusuhr nicht nur aus Gold und Brillanten besteht, sondern auch ein mechanisches Werk enthalten sollte, meist ein automatisches. Audemars Piguet etwa will den Anteil der Damenuhren von derzeit 25 Prozent auf 35 steigern. Auch Vacheron Constantin legt den Schwerpunkt diesmal auf Zeitmesser für die Damen und kombiniert das mit dem Trend zu Métiers d’Art, wunderbar umgesetzt in der Kollektion Florilège mit ihren kunstvollen Blumenornamenten auf den Zifferblättern. In den 18-Karat-Weißgold-Gehäusen von 37 Millimeter Durchmesser ticken Handaufzugswerke, die Preise liegen bei 136 900 Euro. Es wird je 20 Exemplare dieser Kunstwerke geben. Wenn es lieber glitzern soll, bietet sich die Patrimony Traditionelle mit ihrem über und über mit Baguette-Diamanten besetzten Gehäuse und Zifferblatt an, Preisvorstellung von rund 300 000 Euro aufwärts. Piaget steuert die Limelight Gala mit ihren langgestreckten Bandansätzen bei, die mit dem runden Zifferblatt wahlweise eine „6“ oder „9“ bilden, vorzugsweise mit Diamanten ausgelegt.

Auf dem Stand von A. Lange und Söhne steht die im Wortsinn größte Neuheit der SIHH: Eine mannshohe Version der sensationellen Grand Complication, mit der sich die Glashütter Manufaktur spektakulär in Szene setzt. Der Witz besteht darin, dass kein Besucher ein echtes Exemplar zu Gesicht bekam, wir vertrauen aber darauf, dass es tatsächlich eines gibt. Vielleicht haben es ja drei oder vier handverlesene Sammler gesehen, die für eines der geplanten sechs Stücke eine siebenstellige Summe hinblättern werden: 1,92 Millionen Euro. Denn verkauft sollen sie schon alle sein, hörte man, die größte Herausforderung für die Geschäftsleitung dürfte darin bestehen, welchem Enthusiasten sie eine Grand Complication zuteilen soll. Jede enthält eine Vielfalt der anspruchsvollsten Komplikationen, vom Schlagwerk mit großem und kleinem Geläut, über die Minutenrepetition, den Ewigen Kalender mit Mondphasen-Anzeige bis zum Schleppzeiger-Chronographen mit blitzender Sekunde. Mit dieser lässt sich die Zeit auf eine Fünftelsekunde genau stoppen. Vier Totalisatoren auf dem weißen Emaillezifferblatt mit arabischen Ziffern geben Auskunft über jedes Detail der Zeitanzeige, und damit das noch einigermaßen abzulesen ist, hat das Rotgoldgehäuse einen Durchmesser von sage und schreibe fünf Zentimeter bei ebenso üppiger Höhe von 20,3 Millimeter. Das bis ins letzte Detail verzierte und finissierte Werk, durch den Glasboden zu sehen, ist das neue Handaufzugskaliber L 1902, drei Federhäuser sorgen für die Energieversorgung der Komplikationen, alle über die Krone aufzuziehen. 30 Stunden soll das Meisterwerk laufen, das ein einziger Uhrmacher in jeweils einem Jahr baut. Dessen Arbeitsplatz ist also für die nächsten sechs Jahr sicher. Neben dieser Neuheit fallen die anderen kaum auf, darunter die Lange 1 Lumen, die nicht nur zeigt, wie das typische Großdatum funktioniert, sondern das Ganze auch zum Leuchten bringt.

Ein Exemplar mit 648 Komponenten

Einen ähnlich hohen Anspruch demonstriert Audemars Piguet in seiner erfolgreichsten Modellreihe Royal Oak Offshore. Sie enthält das skelettierte Werk der Jules Audemars Grand Complication in ihrem 44-Millimeter-Sportuhrengehäuse. Rund ein halbes Jahr dauert die Produktion eines Exemplars, mit dessen 648 Komponenten folgende Funktionen möglich sind: Minutenrepetition, Ewiger Kalender und ein Chronograph mit Schleppzeiger, der über einen Drücker in der Krone gesteuert wird. Es werden zwei Varianten in Titan (650 000 Euro) sowie eine in Rotgold (691 000) hergestellt, jeweils drei Stück. Sammlerwert hat auch die „Tradition“ mit Tourbillon, Minutenrepetition und Chronograph, denn von dieser Uhr mit einem Gehäuse aus Titan werden genau zehn Stück für 380 000 Euro verkauft. Da nehmen sich die Preise für die Royal Oak-Modelle mit Keramikgehäuse geradezu bürgerlich aus. Der Offshore Chronograph mit 44 Millimeter Durchmesser wird für 32 200 Euro zu haben sein, die Diver für 17 600 Euro.

Jaeger-LeCoultre feiert seinen 180. Geburtstag mit einer Jubiläumskollektion aus drei höchst unterschiedlichen Zeitmessern, zu denen auch die Ultra Thin gehört. Für die Master Grande Tradition Tourbillon (rund 139 000 Euro) wurde das Kaliber 985 entwickelt, das einen Ewigen Kalender mit einem Fliegenden Tourbillon kombiniert. Letzteres hat es in sich, denn hier bestimmt eine zylindrisch geformte Spiralfeder den Takt, was die Ganggenauigkeit verbessert. Zu toppen ist das allenfalls von der sphärischen Spiralfeder, die im Ruhezustand einer Kugel gleicht und deshalb zwei exakt gleiche Endkurven hat. Eine solche tut im Gyrotourbillon 3 Jubilée Dienst, dessen Kaliber 176 ist das jüngste der bisher 1242 des Hauses. Dieses Tourbillon steuert nicht nur die Zeitanzeige, sondern auch einen Chronographen mit digitaler, exakt springender Minutenanzeige. Einziger Wermutstropfen dieser Uhr, von der 75 Exemplare gebaut werden, ist der Preis von 450 000 Euro.

Jüngstes Beispiel ist die ID two

Für kein Geld der Welt verkauft dagegen Cartier seine Uhr der Zukunft. Die Marke hat sich längst von einem Schmuckuhrenhersteller zu einer kreativen Mechanik-Manufaktur entwickelt, die mit viel Innovationsgeist die Grenzen der Uhrmacherei immer weiter verschiebt. Jüngstes Beispiel für Cartiers Vitalität ist die ID two, ein Muster an Energieeffizienz. Hier reicht die Kraft der vier beschichteten Fiberglasfedern für sagenhafte 32 Tage Gangautonomie. Reibung wird nicht durch Schmierung mit Öl reduziert, sondern durch den Einsatz von Hightech-Werkstoffen. Erstaunlicherweise spielt hier auch die Aerodynamik eine Rolle, schließlich wird die schnell schwingende Unruh von Luftverwirbelungen gebremst. Cartier begegnet diesem Phänomen, indem man durch den Kronentubus die Luft absaugt, so entsteht im Gehäuse ein nahezu vollständiges Vakuum. Deshalb hält der Boden allein durch den Unterdruck und besteht ebenso wie das Gehäuse aus einer polykristallinen Keramik, die extrem kratzfest und transparent ist.

Das Prinzip der Tischuhren Pendules Mystérieuses, bei denen Stunden- und Minutenzeiger frei im Raum zu schweben scheinen, hat Cartier bei der Rotonde Mysterious Hours (zirka 40 000 Euro) nun mit hauchdünnen, entspiegelten Saphirscheiben miniaturisiert. So ist die Zeitanzeige komplett durchsichtig, das eigentliche Uhrwerk versteckt sich hinter dem halbmondförmigen „Zifferblatt“.

Für Freunde des Segelsports

Im Preissegment unterhalb von 10 000 Euro kämpft Panerai mit seinem neuen Flyback-Chronographen aus der Linie Luminor 1950. Die ist wie mittlerweile drei Viertel aller Panerai-Modelle mit einem eigenen Werk ausgestattet, das Kaliber 9100 ist vom Dreitage-Automatik-Werk 9000 abgeleitet. Um die Linie des charakteristischen Kronenschutzbügels nicht zu stören, wanderten die Chronographendrücker auf die linke Gehäuseseite. Zur intuitiven Ablesung der Stoppzeit erhielt die Luminor 1950 3 Day Chrono Flyback zentral angeordnete Sekunden- und Minutenzeiger, wobei dieser etwas auffälliger ausfallen dürfte. Im 44-Millimeter-Titangehäuse kostet der Panerai Chrono 9800 Euro, in Rotgold 25 000 Euro. Freunde des Segelsports werden den Regatta-Chronographen (13 900 Euro) estimieren, der als einziger seiner Art auf jede beliebige Vorstartzeit eingestellt werden kann.

Dass Eleganz und Luxus nicht zwangsläufig mit fünf- oder gar sechsstelligen Beträgen erkauft werden muss, zeigt Baume & Mercier mit seiner neuen Modellreihe Clifton. Die beginnt schon bei 2500 Euro. Dafür gibt es die schicke Clifton Automatic mit dem Uhrwerk Sellita SW 200-1, die mit ihrer kleinen Sekunde ein Gesicht in der Menge ist, den Clifton-Vollkalender mit einem Uhrwerk von Dubois-Dépraz gibt es für 4200 Euro.

Weder mit Eleganz noch mit Hinwendung zu den Damen will IWC mit seinen Neuerscheinungen punkten. Die neu aufgelegte Baureihe Ingenieur, spricht in erster Linie technikorientierte und autoaffine Männer an. Das Spektrum reicht von der Ingenieur Automatic im 40-mm-Stahlgehäuse für 5850 Euro bis zum Konstantkraft-Tourbillon für 255 000 Euro, wobei Letzterer ausschließlich in den IWC-Boutiquen zu haben sein wird. Auch Montblanc bietet einen weniger schmerzhaften Einstieg ins Luxusuhren-Segment. Die Marke baut zwar ihre Manufakturreihe Nicolas Rieussec mit ihren charakteristischen Scheibenanzeigen weiter aus und hat sich dafür ein paar interessante Gimmicks einfallen lassen (ab 10 750 Euro), aber die Time-Walker-Kollektion mit ihren „kleinen“ Komplikationen startet bei etwa 2000 Euro, die Voyager UTC im Stahlgehäuse trägt kontrastierendes Grau auf dem Zifferblatt und kostet etwa 3100 Euro.

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Jahrgang 1950, Redakteurin im Ressort „Technik und Motor“.

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