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Löschflugzeuge Die Feuerwehr kommt vom Himmel

 ·  Löschflugzeuge sind eine effiziente Methode zur Bekämpfung von Waldbränden. Aber die Anforderungen an Mensch und Maschine sind extrem.

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© REUTERS Ein Löschflugzeug in der Nähe von Cle Elum, Washington

Für Urlauber an den Küsten Korsikas, Spaniens, Griechenlands und den Kanarischen Inseln sind sie derzeit wieder ein vertrauter Anblick: grell lackierte zweimotorige Flugboote, die in Strandnähe während des Aufsetzens auf dem Meer Wasser aufnehmen, um damit im Landesinnern Waldbrände zu bekämpfen. Für ihre Piloten läuft die Hochphase der Feuerbekämpfung. „Das Wasseraufnehmen auf offener See ist fast noch gefährlicher als das Abwerfen des Löschmittels über dem Brandherd“, mit diesen Worten charakterisiert einer der spanischen Löschflugzeug-Piloten, der bei den verheerenden Waldbränden auf der Kanareninsel La Gomera im Einsatz ist, die Schwierigkeiten dieser besonderen Art der Feuerbekämpfung aus der Luft.

Der Flugzeugführer, der ungenannt bleiben will und in der Unidad Militar de Emergencias dient, einer Nothilfe-Einheit, die Teil der spanischen Streitkräfte ist, fliegt in La Gomera eines der für den Mittelmeerraum typischen Amphibien-Löschflugzeuge des Typs Canadair 215, 215 T oder 415. All diese zweimotorigen Flugboote des kanadischen Herstellers Bombardier sind gleich groß, das älteste Modell, die 215, wird allerdings noch von zwei betagten Sternmotoren angetrieben. Die 215 T ist eine auf Propellerturbinen umgebaute 215, und die 415 als modernste Version hat ebenfalls zwei Propellerturbinen, aber anders als die 215-Varianten vier statt zwei Löschtanks. Die Canadair 215/415 ist zudem das einzige Flugzeug der Welt, das auf die Feuerbekämpfung aus der Luft hin konstruiert wurde. Alle anderen mehrmotorigen Flugzeuge, etwa Boeing 747, McDonnell-Douglas DC-10 oder Hercules C-130-Militärmaschinen, sind umgebaute Frachtflugzeuge, die nur von Land aus arbeiten können und deshalb Kompromisslösungen bleiben. Die Canadair-Löschflugzeuge hingegen können mit ihrem Amphibienfahrgestell sowohl auf Land als auch auf Wasser starten und landen. Das einziehbare Rad-Fahrwerk und die ganze Konstruktion sind so robust ausgelegt, dass Starten und Landen auch auf unbefestigten Pisten, also etwa Gras und Schotter, möglich sind.

Für die Piloten sind Löschflugeinsätze extrem herausfordernd: Turbulenzen schütteln Crew wie Maschine über dem Brandgebiet durch, oft ist die Sicht durch Rauch und Qualm miserabel. Dazu kommen riskante Tiefflugeinsätze über schwierigem Terrain sowie eine über Stunden hohe Anspannung, die den beiden Flugzeugführern im Cockpit zu schaffen machen. Und anders als etwa in einem Linienflugzeug werden alle Löscheinsätze ohne Hilfe eines Autopiloten geflogen. Die Piloten steuern nach Sicht und haben kaum Zeit zum Entspannen. Denn direkt nach dem Abwurf der 6100 Liter Wasserballast über dem Brandherd muss sofort wieder an der nächsten Wasserfläche aufgesetzt und nachgefasst werden. Das dauert mit der Canadair zwar nur zehn bis zwölf Sekunden, erfordert aber höchste Konzentration. Denn die Maschine rauscht während dieses Manövers mit 75 Knoten, also etwa 130 km/h, übers Wasser. Eine Art Luke an der Unterseite des Rumpfs presst das Wasser währenddessen in die Löschtanks. 400 Meter Strecke reichen, um diese zu füllen. Das Gewässer muss mindestens zwei Meter tief sein. Diese Phase des Flugs ist eine der gefährlichsten, weil die Besatzung mit starkem Wellengang, wechselnden Winden und Hindernissen auf der Wasseroberfläche rechnen muss. Denn anders als Piloten, die an einem Flughafen landen, erhalten Löschflugzeug-Crews keine Informationen von einem Tower vor dem Aufsetzen. Sie müssen sich auf ihre Erfahrung und das richtige Einschätzen der äußeren Bedingungen verlassen. Nicht nur eine Kollision mit Gegenständen auf dem Wasser könnte das Flugzeug zerstören, zu heftiger Wellengang würde möglicherweise auch zum Überschlagen der Maschine führen. Falls keine geeignete Wasserfläche in der Nähe ist, kann die Canadair auch auf Flugplätzen durch Tankwagen mit Löschwasser und einem feuerhemmenden Schaumgemisch befüllt werden.

Ein weiteres Problem der Piloten ist die körperliche Anstrengung: Wenn eine Crew wie derzeit auf La Gomera Einsätze fliegt, wechselt sie ständig von Meereshöhe zum Wasseraufnehmen bis auf etwa 1500 Meter zum Wasserabwurf über den Brandgebieten in den Bergen. Während vielstündiger Einsätze kann dies bis zu 100 Höhenwechsel am Tag und viele tausend Meter Höhendifferenz bedeuten. Das zusammen mit der Hitze in den Cockpits der Maschinen ohne Druckkabine bedeutet eine extreme physische wie psychische Belastung.

Neben den Amphibien-Löschflugzeugen von Bombardier gibt es in Europa und den Vereinigten Staaten auch kleinere, einmotorige Flugzeuge zur Brandbekämpfung. Der amerikanische Hersteller Air Tractor baut solche Maschinen. Ihr Vorteil: Sie können auf kurzen, unbefestigten Pisten nahe des Brandherds starten und landen. Der Nachteil: Diese Flugzeuge arbeiten nur von Land aus, das Auffüllen ihrer Wassertanks ist stets mit der zeitaufwendigen Landung verbunden. Das derzeit gebaute Air-Tractor-Löschflugzeug AT 802 F ist einsitzig, hat ein festes Radfahrwerk und wird von einer 1350 PS starken Propellerturbine angetrieben. Die AT 802 F kann maximal 3100 Liter Wasser je Löscheinsatz abwerfen und benötigt nur 610 Meter Startstrecke.

Mit ihrer relativ geringen Geschwindigkeit von knapp 200 km/h beim Wasserabwurf über dem Feuer und durch die größere Manövrierbarkeit etwa gegenüber einer Canadair kann die Air Tractor dort eingesetzt werden, wo das zu löschende Terrain für große Maschinen ungeeignet ist. Also etwa in engen Tälern oder Gegenden, wo Seen oder Flüsse für eine schnelle Wasseraufnahme nicht zur Verfügung stehen. Für beide Flugzeugtypen gilt aber die gleiche Regel: Je niedriger über dem Brand das Löschwasser abgeworfen wird, umso besser und effizienter ist es. Nach Ansicht des spanischen Canadair-Piloten ist eine Höhe von 30 bis 40 Meter über dem Feuer optimal für den Löschwasserabwurf.

Aber nicht nur Mittelmeerländer sowie Amerika und Kanada setzen Löschflugzeuge ein, sogar in Deutschland gibt es eines: In Brandenburg ist ein einmotoriges Löschflugzeug des polnischen Herstellers PZL vom Typ M-18 Dromader stationiert. Es kann in ganz Deutschland bei Wald- und Flächenbränden eingesetzt werden.

Die von Unkundigen übrigens gern erzählte Geschichte von dem im Löschflugzeug eingesaugten Taucher, der mitsamt Anzug und Flossen abgeworfen und in einem Waldbrandgebiet gefunden wurde, ist ein modernes Märchen: Die Hutzen für die Wasseraufnahme der Canadair sind viel zu klein, als dass ein Mensch von ihnen eingesaugt werden könnte.

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