Der junge Mann hockte gebeugt am Boden auf dem Hauptflur der Messehalle, unmittelbar neben dem Eingang einer Damentoilette. Da unten hatte er eine Steckdose für das Ladegerät seines Notebook entdeckt. Die glimmende LED signalisierte, dass der Akku-Pack im Rechner aufgeladen wurde, und sein Besitzer arbeitete sich durch seine E-Mails. Manchmal, auf Flughäfen vor allem, kann man schon den Eindruck gewinnen, das Aufladen mobiler Elektronik sei so etwas wie ein Menschenrecht - egal, wo, von wem und wofür die umstandslos expropriierten Steckdosen installiert wurden. Und wie mancherorts im öffentlichen Raum Trinkbrunnen anbieten, den Vorbeikommenden zu erquicken, sieht man immer öfter Ladestationen für Smartphone und Co. als einen gern mit etwas Werbung verbundenen kostenlosen Service.
Nun muss man sagen: Der Normalfall - das Laden an der Netzsteckdose, ob daheim, im Hotelzimmer oder im Wohnmobil - ist dank der USB-Standards viel einfacher als früher geworden. Da hatte man eine Schublade voller Ladegeräte und auf Reisen manchmal drei oder vier von ihnen dabei - natürlich jedes mit einem nicht lösbaren Netzkabel. Heute verlangen noch größere Digitalkameras besonders leistungsfähige Akkus, deren Form wiederum proprietäre Ladegeräte erfordert. Das Gros von Handys, Kameras, Tablets und GPS-Geräten lässt sich jedoch über die Stromleitungen des Universal Serial Bus versorgen. Wenn man Glück - das heißt zum Beispiel an allen Geräten Micro-USB-Buchsen - hat, kommt man mit einem Ladegerät und einem Kabel für alle Geräte aus - und kann nicht nur laden, sondern auch Daten überspielen.
Der Teufel steckt im Detail und lässt sich gelegentlich nur nach längerem Studium der technischen Daten entdecken. Die werden vorzugsweise in mikroskopisch winziger Schrift auf die Geräte-Unterseite gedruckt. Da mag außen auf der Verpackung eines kleinen Netzladeteils mit zwei USB-A-Buchsen ein Sprüchlein der beliebten Art „Lädt Ihr iPhone, iPad und MP3-Player (iPod) unterwegs - laden Sie zwei Geräte gleichzeitig!“ stehen. Ob und in welcher Kombination das tatsächlich der Wahrheit entspricht, ist eine ganz andere Frage.
Man erlebt zum Beispiel, dass sich sehr wohl zwei Smartphones - und nicht nur die von Apple - parallel laden lassen. Bei Anschluss eines Smartphone und eines 7-Zoll-Tablet oder einer Digitalkamera wird hingegen nur der Akku im Handy geladen. Was die zweite Buchse liefert, reicht für den größeren Akku des anderen Geräts daneben nicht aus. Mit einem anderen Doppel-Lader ist das parallele Laden hingegen überhaupt kein Problem. Das muss man ausprobieren.
Denn ganz abgesehen von den verschieden großen Steckverbindungen ist USB nicht einfach USB. Aus der vom PC vertrauten zwölf Millimeter breiten USB-A-Buchse fließen über die beiden äußeren Kontakte meistens 500 Milliampere (mA) mit zwischen 4 und 5,25 Volt (V) Spannung. Es können aber auch nur 100 mA sein oder bei einem Ladegerät bis zu 1800 mA. Im Klitzekleingedruckten findet sich dann auch eine nüchterne Erklärung dafür, warum das parallele Laden von zwei Geräten mal funktioniert und mal nicht: „Output 2 × 5 V 2 × 500 mA / 1 × 1000 mA“ - alles klar?
Es wird nicht einfacher, wenn man sich die allzeit zwischen 100 und 240 V Wechselstrom liefernde Steckdose wegdenken muss, weil sie auf einer längeren Trekking-Tour durch die Wildnis eine eher rare Erscheinung bleibt. Unter solchen Umständen hilft auch der gute Rat nicht viel weiter, einen Zweitakku fürs Smartphone einzupacken. Man kommt nicht darum herum, den Strom für seine mobile Elektronik unterwegs zu erzeugen. Dabei fällt auf: Für diese Art der Unabhängigkeit von den Stromnetzen wird hierzulande immer mit dem Beispiel Weltumseglung oder Wüstenwanderung geworben. Vorzugsweise die amerikanischen Anbieter lassen jedoch deutlich durchblicken, dass man auch im trauten Heim und in einem Industriestaat plötzlich ohne Strom dastehen könne.
Um mit der kleinsten Lösung, die einem allerdings nur kurzfristig aus der Verlegenheit hilft, anzufangen: Zwei Mignonzellen (oder AAA-Batterien) einfachster Qualität, die man auch in einem Basar am Wüstenrand bekommt, reichen aus. Sie werden in den Varta „Backup Charger 57251“ (etwa 15 Euro) eingelegt und laden mit ihren bestenfalls 3 Volt Spannung den Smartphone-Akku. Eigentlich ist der zusammengeschoben 8 × 4 × 2 Zentimeter kleine Lader aber zum Betrieb mit zwei AA-Akkus gedacht, die über die USB-A-Buchse geladen werden können. Auf gleichem Weg wird gespeicherte Energie abgegeben. Die Richtung, in der der Strom fließen soll, bestimmt ein In-out-Schieber. Solange die LED grün leuchtet, klettert die Füllstandsanzeige des Akkus im Smartphone. Fängt sie an zu flackern, setzt der Ladestrom in der gewünschten Richtung aus. Eine Reihe von Adaptern macht das Laden unterschiedlicher Geräte möglich. Und über die USB-A-Buchse lassen sich - im Falle der Verwendung von Akkus - verschiedene Stromlieferanten anschließen.
Einen ziemlich komfortablen kann man als Radwanderer mit auf die Reise nehmen: den Nabendynamo. Ihm lässt sich parallel zur Lichtanlage ein unscheinbares Kästchen von Busch und Müller anschließen, das E-Werk (um 100 Euro, mit viel Anschluss-Zubehör). Es ist nicht eigentlich eine Stromversorgung, wie man in Angeboten häufig liest, sondern ein Adapter, der den vom Nabendynamo (Shimano oder SON) oder auch von einem Seitenläufer gelieferten Strom als einstellbaren Ladestrom weitergibt. Einstellen lässt sich der Ausgang des E-Werks zwischen 2,8 und 13,3 Volt in Schritten von 0,7 Volt bei einer Stromstärke zwischen 0,1 und 1,5 Ampere in Schritten von 0,1 Ampere. Der Spannungswandler des E-Werks verhindert, dass die vom Dynamo geschwindigkeitsabhängig erzeugte Spannung den eingestellten Grenzwert überschreitet.
Ob man sein Handy unmittelbar an das Ausgangskabel anschließen kann oder nicht, entscheidet sich daran, wie das zu ladende Gerät mit Aussetzern und dem Wiedereinsetzen des Ladestroms umgeht. Diese Schwankungen sind beim Anhalten und Wiederanfahren unvermeidlich. Manche Geräte verlangen dann einen Neustart des Ladevorgang von Hand, was natürlich sehr unpraktisch ist. Für diesen Fall gibt es als Zubehör einen Pufferakku, der kontinuierlichen Strom abgibt.
Dieses Prinzip findet auch Verwendung, wenn unterwegs die Sonne als Energielieferant von schwankender Leistung angezapft wird. Die mobile Photovoltaikanlage besteht aus einem oder mehreren Solarmodulen, deren aus dem Licht gewandelte elektrische Energie zunächst in den Pufferakku fließt. An diesen wird das zu ladende Gerät angeschlossen. Das eröffnet eine Vielzahl von Möglichkeiten: Man kann - muss aber nicht - zeitversetzt laden: Tagsüber, wenn die Sonne denn tatsächlich scheint, werden ein oder nacheinander mehrere Pufferakkus an die Solarmodule angeschlossen; die internen Akkus von Smartphone, Kamera und GPS laden dagegen über Nacht. Der Pufferakku kann mit verschiedenen Ein- und Ausgängen versehen werden: So kann man ihn nicht nur mit den Solarmodulen laden, sondern auch an der letzten Steckdose vor der Wüste. Und umgekehrt kann er andere Spannungen als die 5 Volt über die USB-Schnittstelle abgeben. Mit steigender Leistung relativieren sich auch Tragbarkeit und Mobilität der Zwischenspeicher: Der Switch 8 von Goal Zero hat etwa das Format einer kleinen Taschenlampe und wiegt keine hundert Gramm. Der Solar Generator Yeti 1250 desselben Anbieters bringt 45,8 Kilogramm auf die Waage und Wechselstrom-Ausgänge mit.
Durchaus noch rucksackfähig ist das faltbare Solarmodul Nomad 7 (7 Watt, knapp 400 Gramm, 15 × 26 × 2,5 Zentimeter, mit dem Guide 10 Plus Akkupack im Set rund 160 Euro) von Goal Zero. Es ist unempfindlich gegen Regen und Schnee, lässt sich mit den zahlreichen Schlaufen seiner Hülle aufhängen oder montieren und kann gleichzeitig über die USB-Buchse und eine „Auto-Steckdose“ Geräte mit 5Volt/1Ampere und 13-15 Volt/0,2 Ampere laden. Auch hier gilt, dass nicht alle Geräte damit zurechtkommen, sodass der Umweg über den Akkupack gewählt werden sollte. Dann gibt eine LED Informationen zum Ladevorgang.
Ein besonders kompaktes Solarladegerät mit einem USB-Ausgang (5 Volt, 700 Milliampere) ist der SolarMonkey Adventurer (100 Euro) des britischen Anbieters Powertraveller. Das faltbare, 265 Gramm leichte Gerät (Format: 17 × 10 × 3 Zentimeter geschlossen) ist gummiarmiert und hat einen internen Akku (2,5 Amperestunden). Beim Ausprobieren fiel auf, dass der Adventurer noch lädt, wenn andere Solarmodule dies wegen zu geringer Sonneneinstrahlung schon nicht mehr tun.
Auf einem kleinen Stand der Messe Outdoor in Friedrichshafen wurde mit dem BioLite CampStove eine ganz andere Art der Stromerzeugung gezeigt: ein Öfchen wie ein Campingkocher, der mit Holz befeuert wird. Ein thermoelektrisches Modul, neben dem Brennraum angebracht, erzeugt aus der Wärmestrahlung elektrische Energie: genug, um einerseits einen Ventilator zu betreiben, der dafür sorgt, dass das Kochen nicht endlos dauert, und außerdem an eine USB-Buchse Ladestrom fürs Handy zu liefern. Rund 235 Euro soll der CampStove bei www.biolitestove.com kosten.
Und die Pedelecs?
Stefan Bittner (thebit)
- 27.07.2012, 10:47 Uhr
Peltier-Effekt
Ronald Schlimm (ronslim)
- 26.07.2012, 16:36 Uhr
Frage - Antwort
Edam Strozyner (edam)
- 26.07.2012, 01:04 Uhr