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Tech-Talk : Leben im Guckkasten

Dass etwas erst einmal so richtig abgefrühstückt und out sein muss, um wieder in werden zu können und total angesagt, das kennt man nicht nur auf dem Feld der Künste und der Moden.

          Dass etwas erst einmal so richtig abgefrühstückt und out sein muss, um wieder in werden zu können und total angesagt, das kennt man nicht nur auf dem Feld der Künste und der Moden. Das gibt es auch in der Technik, speziell da, wo sich Kunst und Technik stützend sachte aneinanderlehnen. Nehmen wir nur einmal die „Erfindung einer Illusion“, wie der Untertitel der Ausstellung „Diorama“ in der Frankfurter Kunsthalle Schirn heißt. Von der frommen Krippenansicht und dem Kalvarienberg, der in den Herrgottswinkel einer Bauernstube passt, bis zur naturkundlichen oder historischen Unterweisung, die einen Saal füllt und dem Auge tierische Originalgröße serviert, reichen diese Illusionen, deren Blüte im 19. Jahrhundert just mit den ersten Lichtbildern zusammenfiel. Von Herrn Daguerres trickreich zweiseitig bemaltem und aus verschiedener Richtung beleuchtetem Theaterhintergrund, auf dem etwa sehr dekorativ der Vesuv ausbricht, bis zur ausgestopften Exotik einer gnadenlos jagenden Löwin reicht die Frankfurter Guckkastenschau. Oder noch ein paar Meilen weiter: zu einer mit dem Motorbike vom Wege abgekommenen Indianerin.

          Mit ehrfürchtigem Schauder erinnern wir uns der mattschwarzen, mit Riesentöpfen dunkel blubbernden Indian Chief Dark Horse, auf deren Schutzblech vorn der „War Bonnet“, ein beleuchteter Indianerkopf sitzt. Ein ganz besonderer Reiz unterscheidet die kleinen und großen Bilder der Ausstellung völlig von der Knipst-du-Guckst-du-Schachtel unserer Tage, dem Smartphone voller Selfies, Happy Meals und Katzenvideos. Es ist die Wahl, die das Diorama dem Blick des Betrachters freistellt. Ein wenig irritiert schweift der von der Nähe zu Entfernterem; er muss in der unverhofften Tiefe neu fokussieren, sich einen anderen Blickwinkel suchen, bevor er vielleicht ans Glas des Kastens zurückkehrt. Dass unsere kleine schlaue Kamera unter den Bildstilen oder als „Artfilter“ sich anheischig macht, Motive als Diorama abzulichten, bleibt eine digitale Krücke: Bloß rund ums Hauptmotiv herum ein bisschen Unschärfe ins Bild rechnen – das ist es doch nicht.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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          Quelle: F.A.S.

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