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Lautsprecher und Röhrenverstärker 3800 Euro für ein hochkarätiges Musikerlebnis

03.02.2012 ·  Hecos neue Standlautsprecher Celan GT 502 harmonieren prächtig mit dem Röhrenverstärker Lyric Ti60 von Cayin. Ein Beweis dafür, wie viel Qualität man heute mit erträglichem Aufwand kaufen kann.

Von Gerold Lingnau
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© Hersteller Im Lyric Ti60 glimmt es gleich siebenfach

HiFi im heutigen Sinn hat seine Wurzeln in Deutschland schon sei mehr als einem halben Jahrhundert. Einige der alten Markennamen haben überlebt: so Heco, in den Fünfzigerjahren von Hans G. Hennel im Taunus-Ort Schmitten gegründet. Das Unternehmen war damals Zulieferer für die Frankfurter Braun AG, stellte aber auch eigene Lautsprecher her. Als Braun 1967 vom amerikanischen Gillette-Konzern übernommen wurde, der an Unterhaltungselektronik kein Interesse hatte, wechselten einige Mitarbeiter dieses Zweigs nach Schmitten; vier ehemalige Heco-Leute gründeten ihrerseits 1972 Canton, die heutige Nummer eins am deutschen Lautsprechermarkt. Zu ihnen gehörte der begabte Entwickler Wolfgang Seikritt, mit dessen Hilfe Heco bereits den Weg zu höherwertigem HiFi eingeschlagen hatte. Nach mehrfachem Besitzerwechsel gehört die Marke Heco seit 2001 zum amerikanischen Unternehmen Audiovox; auch der Taunus ist nur noch Geschichte, heute residiert man, zusammen mit der Schwestermarke Magnat, in Pulheim bei Köln.

Guten Klang hat der Name aber immer noch - oder wieder, dank anerkannter Produktqualität, selbst von Konkurrenten geachteter Innovationskraft und vernünftigen Preisen. Neben dem solitären Flaggschiff The Statement umfasst das Programm heute vier Baureihen, alle komplett mit Stand-, Regal-, Center-Lautsprechern und Subwoofer, dazu zwei als Surround-Sets konzipierte. Gerade renoviert wurde die oberste, die Celan-Serie, die jetzt den Beinamen GT trägt. Aus dieser "Generation Three" wählten wir das Modell 502 (Paarpreis rund 1400 Euro), eine knapp über einen Meter hohe Standbox mit drei Schallwandlern: einer neu entwickelten, mit 30 Millimeter Durchmesser recht großen Hochton-Kalotte und zwei 17-Zentimeter-Konuschassis, von denen eines auch den Mitteltonbereich wiedergibt, während das andere auf den Bass unterhalb von 280 Hertz beschränkt bleibt - eine Zweieinhalb-Wege-Box also. Der Hochtöner mit Polyfiber-Verbund-Membran beherrscht ein Frequenzband von ungewöhnlich tiefen 3000 Hertz bis 50 Kilohertz, ein leichter Hornvorsatz aus Aluminium-Druckguss unterstützt seinen Wirkungsgrad. Seine Konus-Kollegen haben Membranen aus hochwertigem Kraftpapier (eine Heco-Spezialität), üppig dimensionierte Schwingspulen und auf großen Hub eingerichtete Sicken.

Das im Inneren sorgfältig versteifte Gehäuse mit zwei den Tieftonbereich verstärkenden Bassreflexöffnungen an der Rückseite kann man in Echtholzfurnier und Hochglanzlack (schwarz oder weiß) haben. Unsere schwarzen Exemplare waren perfekt verarbeitet. Mitgelieferte höheneinstellbare Spikes können zur Entkoppelung vom Boden die vorhandenen Gummipuffer ersetzen. Die Stoffabdeckung auf der Front ist abnehmbar, hat aber kaum Einfluss auf den Klang. Das Anschlussterminal mit hochwertigen Buchsen bietet die Möglichkeit, durch Umstecken der Kabel den Hochtonpegel um 2 Dezibel anzuheben - gedacht für stark bedämpfte Hörräume, die heute freilich eher selten sind. Wir machten keinen Gebrauch von dieser Option, wohl aber vom ebenfalls vorgesehenen Bi-Wiring, also der Versorgung von Hoch-/Mittel- und Tiefton-Zweig über getrennte Kabel.

Die 502 GT warten mit einem recht hohen Wirkungsgrad von 91 Dezibel auf. Das wäre doch etwas für einen Röhrenverstärker, meinten wir und griffen uns ein mit 2 × 35 Watt durchaus muskulöses Modell aus dem Programm des deutsch-chinesischen Tandems Cayin, das von Glashütten im Taunus aus operiert, fast in Sichtweite von Hecos Stammsitz, und außer Lautsprechern alle Arten von HiFi-Komponenten anbietet. Der Lyric Ti60 - der poesievolle Name ziert innerhalb des in China gefertigten Sortiments die ausschließlich in Deutschland entworfenen Geräte - aus der Hand des Entwicklers Stefan Noll ist unter dem ansehnlichen und im Betrieb obligatorischen Schutzgitter mit nicht weniger als sieben Röhren bestückt (darunter vier endverstärkende vom Typ EL34). Der mächtige Transformator und die kaum zierlicheren Ausgangsübertrager weisen ebenso darauf hin, dass hier für den Verkaufspreis von 1400 Euro nichts kaputtgespart wurde. Die 17 Kilogramm Gewicht, das äußere Finish und die innere Verarbeitung unterstreichen diesen Eindruck.

Das 33 Zentimeter breite, also kompakte Gerät in Schwarz - die Frontplatte auf Wunsch auch in Silber - bietet vier Hochpegelquellen Anschluss, aber nur einem Lautsprecher-Paar, allerdings mit der Wahl zwischen 4 und (in unserem Fall eindeutig besser) 8 Ohm Impedanz. Untadelig solide sind die vergoldeten Buchsen. Die Verstärkung arbeitet nach Class AB, nicht vorgesehen ist, wie sonst bei Cayin, eine Umschaltung von Triode auf Ultralinear, sondern allein die zweite Option. Die Arbeitspunkte (Bias) der Gegentakt-Endröhren sind, etwa nach einem Röhrenwechsel, über Potentiometer von außen einstellbar. Arttypisch hoch ist der Klirrfaktor von 1 Prozent, doch der "gute" Röhren-Klirr macht schließlich den unbestreitbaren akustischen Charme dieser Bauart aus. Lautstärke und Muting sind mit einer gewichtigen Metall-Fernbedienung zu schalten, dem Volumen-Drehknopf an der Gerätefront fehlt dafür eine gut erkennbare Positionsmarkierung.

Ein Glücksfall: Die 502 GT und der Ti60 haben sich gesucht und gefunden. Nach der unumgänglichen Einspielzeit - auch nach jedem Kaltstart sollte man dem Ensemble ein wenig Warmlaufen zubilligen - spielten sie so harmonisch zusammen, als wären sie füreinander geboren. Die Hecos, die sich mit schönem, rundem Volumen, eher zartbesaiteten Höhen und tiefem, aber niemals dickem Bass präsentieren, hatten in dem Lyric einen geradezu poetischen Zuspieler, der aus fast jeder Musik Wohllaut machen konnte, ohne freilich Klänge zu verwischen oder zu beschönigen. So gab es zauberhafte Hörsitzungen, in denen sich Solisten ebenso wie große Orchester, Streichquartette oder Jazz-Trios, Soul oder Hardrock optimal darstellen konnten, farbenreich und mit viel räumlicher Breite und Tiefe. Auch hohe Lautstärken ließen den Verstärker nicht verzerren oder gar in die Knie gehen, Messungen eines Fachmagazins attestieren ihm Furchtlosigkeit selbst gegenüber sehr niedrigen Lautsprecher-Impedanzen. Addiert man zum Preis der hier beschriebenen Komponenten noch einen CD-Spieler der 1000-Euro-Klasse, dann sichern rund 3800 Euro ein hochkarätiges Musikerlebnis - Beweis dafür, wie viel Qualität man heute mit erträglichem Aufwand kaufen kann.

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