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Lancia : Time to say Arrivederci?

Als Lancia ist der Chrysler 300 einfach eine Mogelpackung, wenn auch eine mit Charme Bild: Hersteller

Der Fiat-Chef spricht und das Publikum versteht: Lancia ist am Ende. Halt, so war das nicht gemeint, sagt Fiat nun. Ein sehnsuchtsvoller Blick auf eine Tragödie mit Tradition.

          Noch liegt das Summen des V8 in der Luft. Aber die einzige Serienlimousine mit einem Ferrari-Motor ist von kaltem Staub bedeckt. Ihr Bild aus innerer Eleganz und behutsam vorgetragener Kraft ist nur noch Erinnerung. Dunkles Rot im Karosseriekleid, ein seitlicher Pinselstrich an den Flanken, zart wie das Flirren einer Libelle im Dunst des Lago di Bracciano, und im Innern schon etwas brüchiges, blaues Leder mit einer Fältelung, die nicht unter dem Gesäß des Fahrers entstand. Beim Abkühlen knackte der vornehm-scharfe Lancia Thema 8.32 einst wie die Knie eines alten Mannes. Sein automatisch ausfahrender Spoiler demütigte vor 25 Jahren auf der Autostrada jeden Porsche.

          Er bleibt noch ein Weilchen, der Lancia Y, hier von 1987 Bilderstrecke
          Er bleibt noch ein Weilchen, der Lancia Y, hier von 1987 :
          Wolfgang Peters

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Der Lancia Delta HF Integrale wird vor der Kurve von seinem Fahrer zusammengestaucht wie ein Hund, der wieder den Briefträger niedergerissen hat. Dann hält die rechte Fußspitze noch die Bremse, links wird gekuppelt, Hacke rechts kurz auf dem Gas, links wieder die Kupplung, zweiter Gang knallt rein, rechter Fuß voll aufs Gas, der bis an die Grenze zum Platzen belastete Vierzylinder schreit unter dem Druck des Turboladers, irgendwo wimmert ein Ritzel, aus dem Auspuff prallen die heißesten Gase in diesem Universum, und dann presst die Motorkraft alle vier Räder mit ganz geringem Traktionsverlust in die Risse der Straße, der Lancia bockt und arbeitet um die Längsachse, gewinnt den Kurvenausgang, fliegt in die nächste Kurve, erreicht das Drehzahllimit und geht auf der Kuppe bei 180 kaum aus den Federn. Es war vor 20 Jahren ein hartes Leben in dem viertürigen, kompakten ultra-übermotorisierten Lancia, der als geheimes Zeichen seiner Möglichkeiten im Kühlergrill die gelben HF-Buchstaben mit einem roten Kleinelefanten trug, der mit erhobenem Rüssel ungeachtet von Sport und Speed noch Zeit zum Lächeln fand. Jetzt lächelt bei Lancia niemand und nichts mehr.

          Die Liste der Lancia-Erlebnisse ließe sich beinahe beliebig verlängern. Nicht nur mit herrlichen Abenteuern an Bord von charakterstarken Mobilen, die wohltuend ins Bild der Marke passten. Da gab es den Trevi, eine schon bei der Präsentation zum Beginn der achtziger Jahre wie ein Altersheim auf Rädern wirkende Limousine oder den noch früher gescheiterten Beta Berlina mit einem plumpen Heck und einer Frontpartie aus den drückenden Träumen bewegungsarmer Designer. Mit einer Armaturentafel, die wegen ihrer unzähligen Vertiefungen aussah wie alter Schweizer Käse und ab 1976 den Gamma, eine herrlich unnötige Oberklassenlimousine, die den ganzen Starrsinn der Marken-Oberen dokumentierte: ein schräges Heck und einen kleinen Vierzylinder-Boxer mit Frontantrieb wollte eigentlich keiner in dieser Klasse. Das Gamma Coupé von Pininfarina trug eine Karosserie aus der Harmonie einer unglücklichen Ehe und jener feinen Noblesse, die Lancia vergebens versuchte später auf seine Kleinwagen, den hübschen, aber anfälligen A 112 (Autobianchi atmete noch) und lästerlich simpel gezeichneten Y10, zu übertragen. Wenig gelungene Limousinen wie Kappa und Thesis, deren Designbotschaft nur mit einer Flasche vom besten Barolo in Reichweite zu begreifen war, führten die Marke an den Abgrund. Und es war nicht zu erkennen, dass die verschiedenen Heilsbringer an der Spitze des Fiat-Konzerns überhaupt noch an Lancia dachten.

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