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Veröffentlicht: 14.11.2012, 18:15 Uhr

Lärmschutz-Tunnel Der Lärm bleibt in der Röhre

Wo klassische Lärmschutzwände nicht ausreichen, sollen „Einhausungen“ gebaut werden, etwa in Köln-Lövenich. Ein Glasdach soll hier den Bewohnern Entlastung bringen.

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© Knut Laubner Tagsüber scheint durch das Glasdach Tageslicht in die Tunnelröhre

Der Kölner Ring ist gefürchtet. Regelmäßig stauen sich hier die Autos, was bei einem Verkehrsaufkommen von bis zu 160 000 Fahrzeugen täglich wenig erstaunt. Doch während Schleichtempo und Stillstandszeiten befristete Ärgernisse sind, stört der von den Fahrzeugen emittierte Lärm die Anwohner rund um die Uhr. Deren Grundstücke ragen entlang der A 1, nördlich des Autobahnkreuzes Köln-West, bis auf wenige Meter an die Asphaltbahn heran. Grillfeste im Garten sind hier eher die Ausnahme. Mehr Aufmerksamkeit richten die Betroffenen aus Junkersdorf im Osten und Weiden westlich der Autobahn auf die Angebote der Baumärkte, die mit leistungsfähigen Lärmschutzfenstern Besserung versprechen.

Georg Küffner Folgen:

Deren Umsätze könnten dramatisch zurückgehen. Denn vom kommenden Jahr an wird hier auf einer Länge von 1,5 Kilometer die vierspurige Straße unter einem bis dahin fertiggestellten und komplett geschlossenen „Deckel“ verschwunden sein. Fachleute sprechen von einer Lärmschutzeinhausung, die, wie es das Wortungetüm verrät, ausschließlich die Aufgabe hat, die in diesem Bereich entstehenden Schallwolken zu reduzieren. Und zwar auf ein (erträgliches) Niveau, das man nicht mit klassischen Schallschutzwänden oder dem Auftragen von sogenanntem Flüsterasphalt erreicht - sondern nur durch den Bau tunnelartiger Bauwerke.

Vorschriften für den Tunnelbau gelten

Seit den neunziger Jahren wird an der „Schallschutzeinhausung Köln-Lövenich“ geplant. Immer wieder kam es zu Verzögerungen. So hatte man nach den Brandkatastrophen im Gotthard- und Montblanctunnel die Sicherheitsanforderungen verschärft, was deutliche Kostensteigerungen zur Folge hatte. Mit rund 200 Millionen Euro wird das Projekt rund doppelt so teuer wie ursprünglich vorgesehen. Denn der gesamte Bau musste „überplant“ werden, hatte man sich doch recht spät dazu entschlossen, die strengen, für Tunnelbauwerke geltenden Sicherheitsvorkehrungen vorzuschreiben. Damit wurde mehr verlangt als notwendig, wie Projektbeteiligte sagen. Doch da es für Einhausungen (noch) keine Sicherheitsrichtlinien gebe, sei kein anderes Vorgehen denkbar gewesen.

22146659 Genaue Bauvorschriften gibt es für die neue Art von Tunnel noch nicht © Knut Laubner Bilderstrecke 

Mit Lärmschutzeinhausungen betritt man Neuland. So weiß noch niemand, wie die aufgesetzten Tunnelröhren auszusehen haben, um effektiv und kostengünstig den Lärm an besonders lauten Abschnitten zu reduzieren. Um das herauszufinden, hat das für Autobahnen zuständige Bundesbauministerium drei Pilotprojekte gestartet. Der erste Musterbau überspannt auf einer Länge von 1400 Meter die A 3 bei Hösbach an der bayerisch-hessischen Landesgrenze und wird selbst von offiziellen Stellen als „Betonorgie“ bezeichnet. Bei diesem im Weißbuch des Bundesrechnungshofs als extrem überteuerter Baukoloss gebrandmarkten Projekt wurden sowohl die Seitenwände als auch der aufgelegte „Deckel“ aus Stahlbeton gefertigt. Damit wirkt das Ganze extrem wuchtig.

Ein Dach aus Glas für die Autobahn

Das ist bei der Einhausung Lövenich anders. Auch hier bestehen zwar die Seitenwände, drei an der Zahl, zwei außen und eine zwischen den Fahrbahnen, aus Beton. Doch hat man das Dach licht und luftdurchlässig gebaut. Wie Dirk Klarmann, Projektleiter der mit der Bauausführung beauftragten Bilfinger Construction GmbH, sagt, handelt es sich bei dem Kölner Anti-Lärmdach vom Konzept her um eine in die Horizontale gelegte Hochhausfassade. Auf rund 600 von Wand zu Wand gespannten Fertigteilträgern ruht eine 60 000 Quadratmeter große Stahl-Glas-Dachkonstruktion, die neben geschlossenen Glaselementen zwei Besonderheiten hat: Das sind zum einen eigens für dieses Projekt entwickelte Schalldämmlüfterelemente. Durch sie tritt verbrauchte Luft nach außen.

Die wabenförmigen Strukturen in ihrem Inneren wirken lärmschluckend. Und zum Zweiten sind in das Glasdach rund 1500 knapp zwei Quadratmeter große Rauch-Wärme-Abzugsklappen integriert, die sich „im Brandfall“ automatisch öffnen und den tödlich wirkenden Qualm ins Freie abziehen lassen. Unter normalen Bedingungen bleiben diese Klappen geschlossen. Die aus den Auspuffrohren der Fahrzeuge entweichenden Abgase werden wie bei „normalen“ Tunneln von sogenannten Strahlventilatoren durch die Portale nach draußen gepustet.

Ob und wie sich das Lövenicher Modell bewährt, ist heute noch nicht abzusehen. Damit bleibt offen, ob die Kölner Leichtbauröhre Chancen hat, zum Standard aufzusteigen. Das auch deshalb, da man erst noch mit einem dritten Einhausungsprojekt Erfahrungen sammeln will. Welches Konstruktionskonzept man hier wählen wird, ist noch unklar. Fest steht nur der Standort: die A7 bei Hamburg, und zwar zwischen Schnelsen und Bahrenfeld.

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Quelle: F.A.Z.

 

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