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Kopfhörer Audeze LCD2 : Ein Amerikaner mit Anziehungskraft

Er sieht schwer aus und ist es auch: 550 Gramm wiegt der LCD2 von Audeze. Doch er trägt sich ausgesprochen angenehm. Bild: Hersteller

Der LCD2 von Audeze gehört zu den besten seiner Zunft. Ein Grund dafür ist sicherlich sein magnetostatisches Verfahren. In Deutschland ist der Kopfhörer noch relativ unbekannt.

          Dieser Kopfhörer will unter den besten der Welt spielen. Das kalifornische Unternehmen Audeze hat ihn daher mit einer anspruchsvollen Technik ausgestattet. Der LCD2 erzeugt die Töne mit Hilfe eines magnetostatischen Verfahrens. Solche Kopfhörer - wie auch die Produkte von Hifiman und die elektrostatische Variante von Stax - unterscheiden sich von den herkömmlichen Modellen im Wesentlichen durch die spezielle Membran und ihren Antrieb.

          Beim Audeze ist eine extrem dünne Folie zwischen zwei großen Magneten aufgespannt. Beide sind statisch und gegensätzlich gepolt. Auf der Folie zwischen den Stabmagneten verlaufen Leiterbahnen aus Aluminium. Durch diese fließt Strom, dessen Stärke und Frequenz durch die Audiosignale bestimmt wird. Die Folie schwingt dann zwischen den Magneten verschieden stark hin und her. So entstehen unterschiedliche Schallwellen. Weil die Folie so dünn ist, kann sie extrem schnell reagieren und sich sehr präzise bewegen.

          Audeze ist in den Wettbewerb mit dem Anspruch getreten, mit dem LCD2 den perfekten Klang zu liefern. Doch in dieser Liga der außergewöhnlichen Kopfhörer gibt es einige Ausnahmetalente. Sie haben Preise gewonnen, Chefkritiker einschlägiger Foren überzeugt und bekamen von ihren Unternehmen „Kapitän“ aufs Trikot geschrieben. Im Umfeld des LCD2 von Audeze sind keine Geringeren zu nennen als T1 von Beyerdynamic, HD 800 von Sennheiser, HE-6 von Hifiman oder das In-Ear-Modell K3003 von AKG. Es ist nicht allein der Preis, warum diese Kopfhörer in der High-End-Klasse spielen. Wer die zirka 1000 Euro oder mehr investiert, geht aufgrund des durchgängig hohen Niveaus einem Fehlkauf sicher aus dem Weg.

          Zwischen zwei großen Magneten ist eine sehr dünne Folie aufgespannt
          Zwischen zwei großen Magneten ist eine sehr dünne Folie aufgespannt : Bild: Hersteller

          Die Entscheidung für ein Produkt dieser Kategorie hängt größtenteils von den geschmacklichen Vorlieben des Hörers ab. Begriffe wie „Tiefenbetont“, „neutral abgestimmt“, „analytischer Klang“, „warmer Ausdruck“ oder „enorme Bühne“ beschreiben nur noch den Charakter, aber nicht mehr die Qualität. Audeze hat den LCD2 allerdings so clever abgestimmt, dass er sich von den anderen zwar abgrenzt, zugleich aber mehrere Charaktereigenschaften in dezenterer Ausprägung aufweist.

          Beispiel „Bühne“: Wer Sennheisers HD 800 aufsetzt, bekommt eine solch enorme Raumtiefe geboten, dass er sich während der ersten Minuten seine Instrumente von den verschiedensten Orten rund um seinen Kopf zusammensuchen muss. Diesen Preis der großen Bühne bezahlt man allerdings anfangs mit einigen Anstrengungen beim Hören. Der LCD2 bietet nicht den perfekten Raumklang des HD 800, hat aber etwa im Vergleich zum T1 eine größere Bühne. Die Vorzüge von Beyerdynamics Flaggschiff liegen indes bei der Auflösung. Der T1 auf dem Kopf, und man hört alles. Er findet Töne in der hintersten Ecke und gibt sie absolut exakt mit einer präzisen Dynamik wieder. Und der LCD2?

          Er hält in Sachen Auflösung und Dynamik fast mit und stellt in diesem Punkt wiederum andere Mitspieler in den Schatten. Auch diese nicht ganz so stark ausgeprägte Charaktereigenschaft könnte manch einem gefallen. Denn die Exaktheit des T1 kann den Hörer überfordern, weil er „zu viel“ hört. Der Audeze bleibt in Sachen Dynamik zwar präzise, kommt dafür aber etwas lockerer rüber. Der LCD2 hat allerdings auch ein eigenes Wesen. Er fühlt sich in leicht abgedunkelten Räumen wohl, in denen der Bass und seine Verwandten zu Hause sind. Die Wände erkennt man noch, sie sind aber weit genug weg, so dass die Instrumente viel Raum haben. Dort in der Tiefe sind hinreichend viele Spots installiert, die für gutdosierte Helligkeit sorgen. Die Höhen erkennt man deutlich. Sie sind differenziert, halten sich aber im Hintergrund. Liebhaber des hellen Klangs könnte dies zu schüchtern vorkommen. Der LCD2 hat die Gelassenheit, die Beyerdynamics T1 manchmal fehlt, und die Wärme, die man sich vom analytischen HD 800 von Sennheiser manchmal wünscht.

          Für den Preis von 1000 Euro gibt es auch noch eine solide Kiste für die Aufbewahrung und Pflegeöl für das Holz
          Für den Preis von 1000 Euro gibt es auch noch eine solide Kiste für die Aufbewahrung und Pflegeöl für das Holz : Bild: Hersteller

          In puncto Material und Design hat Audeze überhaupt keine Kompromisse gemacht. Der LCD2 ist der Bentley unter den High-End-Modellen. Mit 550 Gramm Gewicht fühlt jeder Hörer, was er an Technik auf dem Kopf trägt. Diese beeinflusst jedoch nicht den Tragekomfort. Dank der Polsterung unter dem Bügel und der üppigen Ledereinsätze auf der Innenseite der Schale lässt sich der Audeze über mehrere Stunden bequem tragen. Die Außenseite besteht aus einem Metallgitter, das von Bambusholz gefasst ist. Diese Materialien und vor allen Dingen die schweren Neodym-Magneten geben dem LCD2 sein recht hohes Gewicht.

          Der Audeze LCD2 bringt alles mit, um sich unter den besten Kopfhörern der Welt zu etablieren. Dass er das noch nicht erkennbar in der Öffentlichkeit getan hat, liegt auch an der Verzögerung, mit der dieser Kopfhörer in Europa überhaupt vertrieben wurde. In Deutschland legen die Verkaufszahlen nun deutlich zu. Es wäre ihm zu wünschen, wenn er zukünftig in einem Zuge mit den Stars der Szene wie dem T1 oder HD 800 genannt würde.

          Quelle: F.A.Z.

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