http://www.faz.net/-gy9-7r0ff

Wasserfahrzeuge : Das Drei-Minuten-Boot

Vorne, wie hinten: Das Heck ist, wo der Ruderer hinschaut. Bild: Weber

Aufklappen, zusammenstecken, losfahren: Klappboote sind schnell zusammengebaut und robust. Doch das Fahren ist gewöhnungsbedürftig.

          Wenn der Mensch mit den Tücken der Technik kämpft, muss es nicht immer ein Liegestuhl sein. Vor einiger Zeit geisterte ein Video auf Youtube herum, in dem sich ein Skipper heldenhaft von innen gegen die Wände seines Klappboots stemmt – um kurz darauf zur Erheiterung der Umstehenden von ihm verschluckt zu werden. Andere Videos zeigen, wie man in wenigen Minuten aus solch einem Plastikgerät in Form eines Surfbretts ein richtiges Wasserfahrzeug machen kann, ganz ohne sich zu blamieren.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Wir haben das ausprobiert und müssen sagen, dass wohl beide Versionen wahr sein können. Denn das Bestreben des Boots, sich wieder zusammenzuziehen, ist heftig, wenn es lange im zusammengefalteten Zustand verweilt hat. Nach ein paar Aufbauversuchen schafften wir die Übung unfallfrei in weniger als drei Minuten. Das ist für transportable kleine Boote rekordverdächtig und einer von vielen Gründen, warum sich jeder, der so etwas sucht, solche Konstruktionen einmal näher ansehen sollte.

          Riemen dran, und fertig ist das Ruderboot

          Ein Klappboot besteht im Gegensatz zum Faltboot aus festen Kunststoffteilen, deren Form entfernt an Bananen erinnert. Das hat ihm die Bezeichnung Bananaboot eingebracht. Zwei davon bilden den Boden, die anderen die Seitenwände. Alle sind fest miteinander verbunden, in den Kunststoff sind aber Nuten eingefräst, die als Scharniere dienen. Das verwendete etwa vier Millimeter starke Plastik (Polyethylen) ist äußerst robust und elastisch, und die Hersteller beteuern, dass es viele tausend Faltungen aushält, ohne zu brechen. Man kann das glauben, denn von Bruch ist nie etwas zu hören gewesen, obwohl solche Boote schon seit 1971 auf dem Markt sind. Auch unseres hat schon einige Jahre seinen Dienst ohne Beanstandung versehen.

          Nach dem Auffalten gegen den zähen Widerstand des Kunststoffs wird das Boot mit drei Sitzbänken aus Holz versteift, die in Führungsklauen an der Seitenwand geschoben und dort mit Splinten gesichert werden. Riemen dran, und fertig ist das Ruderboot.

          Hinstellen erfordert Mut

          Das Klappboot ist nicht nur viel schneller aufgebaut, es hat auch mehr Platz als ein Schlauchboot gleicher Größe. Unser Exemplar ist ein mittleres Bananaboot (Länge/Breite/Höhe 305×125×430, Packmaß 325×58×100 Zentimeter. Wir transportieren es auf einer Surfbretthalterung am Gepäckträger. Das Boot trägt drei Erwachsene und bis zu 290 Kilo, es gibt aber auch eine größere und zwei kleinere Varianten (Längen von 240 bis 360), und der Hersteller (www.banana-boot.de) baut auf Wunsch Sondergrößen.

          Weil sämtliche Materialien einschließlich der Aluminium-Ruder leichter als Wasser sind, sinkt das Boot selbst dann nicht, wenn es vollläuft. Im Vergleich zum Faltboot ist es viel robuster: Wir sind damit über dicke Brocken geschrammt, mehr als ein paar Kratzer im durchgefärbten Kunststoff (weiß oder grün) hat es nicht gegeben.

          Das Fahren ist zunächst gewöhnungsbedürftig – alles wabbelt. Hinstellen, etwa zum Angeln, erfordert etwas Mut. Nach einiger Zeit schöpft man Vertrauen und sieht die Nachgiebigkeit im Wellengang als Vorteil. Wegen seiner Breite liegt das Boot stabil im Wasser. Rudern geht ohne großen Aufwand, denn das Boot hat nur eine Handbreit Tiefgang und ist mit 23 Kilogramm recht leicht. Der Hersteller bietet eine Besegelung mit Seitenschwertern an, damit soll sich das Boot etwa so fahren wie ein Optimist.

          Vorne steigt es, hinten sinkt es tief ein

          Das haben wir nicht getestet, aber die ebenfalls als Zubehör lieferbare Motorhalterung. Sie besteht aus einem Edelstahlwinkel, der an die hintere Sitzbank geschraubt wird. Erlaubt sind Außenborder mit bis zu 2 PS (1,47 kW); ebenfalls als Zubehör gibt es ein Trimmheck, dann dürfen sogar 5 PS und am großen Typ 7,5 PS angebracht werden. Ab 5 PS soll Gleitfahrt möglich sein. Wir haben einen kleinen Elektromotor angehängt, mit dem man sich ausreichend motorisiert fühlt. Das gilt vor allem dann, wenn man allein unterwegs ist. Das Kanuheck hat für einen auf der Rücksitzbank sitzenden kräftigen Mann zu wenig Auftrieb – das Bananaboot steigt vorn und sinkt hinten tief ein.

          Das kann vermeiden, wer eine Variante mit festem Spiegelheck wählt, die unter dem Namen Porta Bote in verschiedenen Farben verkauft und in gleicher Weise gefaltet wird (www.porta-boote.de). Solch ein Boot fährt sich fast wie eines mit starrem Rumpf, und es darf in den größeren Versionen mit bis zu 8 PS motorisiert werden. Porta Bote gibt es in Längen von 262 bis 428 Zentimeter, in der gleichen Größe wie unser Bananaboot ist es allerdings mit rund 35 Kilogramm deutlich schwerer. Wir hatten keine Gelegenheit, ein Porta Bote auszuprobieren, meinen aber, dass es aufgrund seiner Konstruktion für motorisierte Fortbewegung besser geeignet ist als ein Bananaboot.

          Zum Rudern gefällt uns die Bananenform besser, sie macht das Teil handlicher, und achterlicher Wellengang rüttelt nicht so am Boot. Teurer als das Bananaboot ist es auch. Ein Porta für drei Personen kostet mehr als 2000 Euro gegenüber rund 1500 Euro. Wer es billiger haben möchte: Unter verschiedenen Namen werden Nachbauten angeboten und Konstruktionspläne für Leute, die sich selbst ein solches Boot zusammenbauen möchten. Die sollten dann halt etwas geschickter sein als der eingangs erwähnte Skipper.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Lebenszeichen gibt Hoffnung Video-Seite öffnen

          Vermisstes U-Boot : Lebenszeichen gibt Hoffnung

          Argentiniens Marine sucht noch immer ihrem im Atlantik verschollene U-Boot. Das Schiff hat am Samstag offenbar einen Kontaktversuch unternommen. Das hat das argentinische Verteidigungsministerium mitgeteilt.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Überbewertete Aktie : Was ist Tesla wirklich wert?

          Der Hype um den Autobauer Tesla ist riesig. Kleinste Nachrichten bewegen die Öffentlichkeit wie sonst bei kaum einem Unternehmen. Doch was ist Tesla eigentlich wirklich wert? Nichts, sagt jetzt ein bekannter Leerverkäufer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.