Home
http://www.faz.net/-gy9-751qv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Kino-Tonformat „Atmos“ Dolby lässt die Soundfetzen fliegen

Dolby hat erstmals in Deutschland sein neues Tonformat vorgestellt. „Atmos“ soll das gängige Surround-Verfahren ablösen. Es hat beste Chancen, der neue Kino-Standard zu werden.

© dapd Vergrößern In Dolby Atmos abgemischt: „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ von Peter Jackson

Dolby hat sein neues Tonformat namens „Atmos“ erstmals in Deutschland vorgestellt. Das Nürnberger Multiplexkino „Cinecitta“ hat für die Premiere den Zuschlag bekommen. Der Betreiber hatte als erster einen Kinosaal mit der neuen Technik ausgestattet und dafür sogar die „alte“ Surround-Lautsprecher-Anlage komplett gegen die Atmos-Technik ausgetauscht, was 100.000 Euro gekostet hat. Ein solche Investition ist aber nicht immer notwendig. Ab zirka 50.000 Euro lassen sich Säle aufrüsten. Zudem muss ein neuer Soundprozessor angeschafft werden, der das Atmosverfahren auf der digitalen Filmrolle interpretieren kann.

Bild / Dolby Atmos Tonformat Kino © Dolby Vergrößern Unter der Decke erkennt man die zusätzlichen Lautsprecher eines Atmos-Kinosaals

Marco Dettweiler Folgen:    

Atmos soll das aktuelle Dolby Surround ablösen, das in der Version 5.1 weit verbreitet ist. Immer mehr Kinos beschallen ihre Zuschauer mittlerweile sogar mit der Version 7.1. Bei solchen Anlagen - im Kino und zu Hause - sind rund um den Zuschauer Lautsprecher angeordnet. Im Saal oder Wohnzimmer verteilen sich die Lautsprecher vorne, hinten und an den Seiten. Hinzu kommt ein Center, der genau in der Mitte hinter der Leinwand positioniert und für Dialoge zuständig ist. Für den tiefen Klang sorgen die Subwoofer, bei deren Verteilung im Raum man etwas flexibler ist.

Auf diese einzelnen Lautsprechergruppen verteilen sich dann Musik, Hintergrundgeräusche, Dialoge oder Soundfetzen. Im besten Fall kann ein modernes Kino den Sound auf sieben Kanäle und eine Subwoofer-Gruppe verteilen. (Die „1“ hinter dem Punkt bezeichnet den Subwoofer.) Mehr Auflösung bei Kinosound gab es von Dolby bisher nicht. Surround 7.1 wurde erst 2010 vorgestellt. Das Unternehmen hätte nun in den nächsten Jahren die Kanalzahl auf 9.1 oder 11.1 erhöhen können. Doch mit Atmos versucht Dolby eine neues Format einzuführen. Was ist anders an Atmos?

Das besondere ist, dass der Sound nicht mehr nur kanalgebunden auf die vordere, seitliche und hinteren Bereiche verteilt wird, sondern bis zu 64 Lautsprecher individuell angesteuert werden können. Jeder einzelne hat zudem einen Verstärker integriert, in gewisser Weise sind es also Aktivboxen. Ein Teil der Lautsprecher hängt unter der Decke, sodass auch über den Köpfen der Zuschauer Klang erzeugt werden kann. Doch nicht nur das: Beliebige Koordinaten im Saal können mit einem „Soundobjekt“ belegt werden. Man hat sich den Raum also als eine dreidimensionale Matrix vorzustellen, die der Soundmischer in der Postproduction für seine Effekte nutzen kann. Er tut dies unter anderem im Studio mit Hilfe eines Joysticks, den er auf dem Bildschirm in allen drei Dimensionen bedienen kann.

Bild / Dolby Atmos plug in Monitor User Interface © Dolby Vergrößern So setzt der Soundmischer mit der Software die Punkte im Raum

So kann man eine dicke Hummel durch den Raum fliegen lassen, indem der Soundgestalter ihren Weg mit dem Joystick soundtechnisch nachzeichnet. Die Software (etwa ProTools mit Atmos-Plugin) rechnet diesen „gezeichneten Weg“ dann in Tonsignale um. Der Prozessor im Kino weiß dann, welchen der maximal 64 Lautsprecher er mit welchem Sound und welcher Lautstärke ansprechen muss. Eine solche Auflösung gab es im Kinosaal bisher nicht.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Im Hi-Fi-Himmel Das teuerste Autoradio der Welt

25.000 Euro netto kostet die Burmester-Musikanlage im neuen Maybach Pullman. Die staatstragenden Limousine gibt es ab 500.000 Euro dazu. Mehr Von Holger Appel, Gerold Lingnau

02.03.2015, 09:48 Uhr | Technik-Motor
Virtuelle Realität Fliegen wie ein Vogel mit dem Birdly Bird Simulator

Einmal fliegen können, wie ein Vogel, die Welt von oben sehen, den Flugwind im Gesicht spüren und über den Häusern schweben - Schweizer Studenten haben das mit dem Birdly Bird Simulator möglich gemacht. Mehr

23.02.2015, 17:07 Uhr | Technik-Motor
Ausstellung von Björk im MoMA Hängen Popsongs an den Wänden?

Das Museum of Modern Art zeigt das Werk der isländischen Sängerin Björk. Was ist das aber: das Werk eines Popstars? Und was tut man damit im Museum? Wir haben Björk mal angerufen. Mehr Von Boris Pofalla

24.02.2015, 19:31 Uhr | Feuilleton
Bluetooth-Lautsprecher im Test Spaß mit dem Megaboom

Er ist wasserdicht, stoßsicher und hat einen sehr guten Klang. Der Bluetooth-Lautsprecher Megaboom von UE macht Spaß, egal ob drinnen oder draußen. Das zeigt auch der Härtetest. Mehr

04.02.2015, 15:45 Uhr | Technik-Motor
7:1 – Das Jahrhundertspiel Zwischen Wahn und Wirklichkeit

Am 8. Juli 2014 kreuzten sich die beiden großen Erfolgskurven des Weltfußballs. Die der Brasilianer – absteigend. Die der Deutschen – aufsteigend. Das 7:1 war ein Jahrhundertspiel und bietet Stoff für ein ganzes Buch. Mehr Von Christian Eichler

02.03.2015, 17:54 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.12.2012, 13:40 Uhr

Museales Smartphone

Von Peter Thomas

Wie intensiv, vielschichtig, aber auch alltäglich sich die Beziehungen zwischen Mensch und Maschine entwickelt haben, will uns derzeit das Frankfurter Museum für Kommunikation nahebringen. Mehr

Hinweis
Die Redaktion