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Kino-Tonformat „Atmos“ Dolby lässt die Soundfetzen fliegen

 ·  Dolby hat erstmals in Deutschland sein neues Tonformat vorgestellt. „Atmos“ soll das gängige Surround-Verfahren ablösen. Es hat beste Chancen, der neue Kino-Standard zu werden.

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© dapd Vergrößern In Dolby Atmos abgemischt: „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ von Peter Jackson

Dolby hat sein neues Tonformat namens „Atmos“ erstmals in Deutschland vorgestellt. Das Nürnberger Multiplexkino „Cinecitta“ hat für die Premiere den Zuschlag bekommen. Der Betreiber hatte als erster einen Kinosaal mit der neuen Technik ausgestattet und dafür sogar die „alte“ Surround-Lautsprecher-Anlage komplett gegen die Atmos-Technik ausgetauscht, was 100.000 Euro gekostet hat. Ein solche Investition ist aber nicht immer notwendig. Ab zirka 50.000 Euro lassen sich Säle aufrüsten. Zudem muss ein neuer Soundprozessor angeschafft werden, der das Atmosverfahren auf der digitalen Filmrolle interpretieren kann.

Atmos soll das aktuelle Dolby Surround ablösen, das in der Version 5.1 weit verbreitet ist. Immer mehr Kinos beschallen ihre Zuschauer mittlerweile sogar mit der Version 7.1. Bei solchen Anlagen - im Kino und zu Hause - sind rund um den Zuschauer Lautsprecher angeordnet. Im Saal oder Wohnzimmer verteilen sich die Lautsprecher vorne, hinten und an den Seiten. Hinzu kommt ein Center, der genau in der Mitte hinter der Leinwand positioniert und für Dialoge zuständig ist. Für den tiefen Klang sorgen die Subwoofer, bei deren Verteilung im Raum man etwas flexibler ist.

Auf diese einzelnen Lautsprechergruppen verteilen sich dann Musik, Hintergrundgeräusche, Dialoge oder Soundfetzen. Im besten Fall kann ein modernes Kino den Sound auf sieben Kanäle und eine Subwoofer-Gruppe verteilen. (Die „1“ hinter dem Punkt bezeichnet den Subwoofer.) Mehr Auflösung bei Kinosound gab es von Dolby bisher nicht. Surround 7.1 wurde erst 2010 vorgestellt. Das Unternehmen hätte nun in den nächsten Jahren die Kanalzahl auf 9.1 oder 11.1 erhöhen können. Doch mit Atmos versucht Dolby eine neues Format einzuführen. Was ist anders an Atmos?

Das besondere ist, dass der Sound nicht mehr nur kanalgebunden auf die vordere, seitliche und hinteren Bereiche verteilt wird, sondern bis zu 64 Lautsprecher individuell angesteuert werden können. Jeder einzelne hat zudem einen Verstärker integriert, in gewisser Weise sind es also Aktivboxen. Ein Teil der Lautsprecher hängt unter der Decke, sodass auch über den Köpfen der Zuschauer Klang erzeugt werden kann. Doch nicht nur das: Beliebige Koordinaten im Saal können mit einem „Soundobjekt“ belegt werden. Man hat sich den Raum also als eine dreidimensionale Matrix vorzustellen, die der Soundmischer in der Postproduction für seine Effekte nutzen kann. Er tut dies unter anderem im Studio mit Hilfe eines Joysticks, den er auf dem Bildschirm in allen drei Dimensionen bedienen kann.

So kann man eine dicke Hummel durch den Raum fliegen lassen, indem der Soundgestalter ihren Weg mit dem Joystick soundtechnisch nachzeichnet. Die Software (etwa ProTools mit Atmos-Plugin) rechnet diesen „gezeichneten Weg“ dann in Tonsignale um. Der Prozessor im Kino weiß dann, welchen der maximal 64 Lautsprecher er mit welchem Sound und welcher Lautstärke ansprechen muss. Eine solche Auflösung gab es im Kinosaal bisher nicht.

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