Home
http://www.faz.net/-gy9-6zbyt
Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kamera Fuji X-Pro1 Viel Licht und Leidenschaft

 ·  Die Fuji X-Pro1 nimmt ein durch Bildqualität. Dafür muss sich der Nutzer allerdings mit einigen Eigenheiten der ambitionierten Suchkamera arrangieren.

Artikel Bilder (7) Lesermeinungen (1)
© Peter Thomas Eine Kamera für den Flaneur: die Fuji X-Pro1 mit dem 18-Millimeter-Weitwinkel

Fujis Prestigeobjekt X-Pro1 ist eine Kamera mit Macken: Bei wenig Licht und entsprechend geringen Kontrasten stellt der Kontrast-Autofokus schmerzend langsam scharf. Das Gewürge am mechanisch nicht gekoppelten Fokussierring (“drive by wire“ heißt das bei Fuji) zum Zwecke der manuellen Schärfenachführung macht als Alternative aber auch keinen Spaß. Und die labbrige Gummiabdeckkappe auf der (sehr hochwertigen) Gegenlichtblende des 18-Millimeter-Weilwinkelobjektivs haben wir schon am ersten Tag verloren. Obendrein: Was dachten sich die Entwickler eigentlich bei Details wie dem Schacht für die Speicherkarte (SD, SDHC oder SDXC), der direkt am Scharnier der Abdeckklappe liegt und das Wechseln der Karte zur fingernagelspitzen Frickelei macht?

Das soll es dann aber auch mit der Meckerei gewesen sein. Denn insgesamt fällt unser Urteil über die X-Pro1 bei allen Schwächen durchwegs sehr positiv aus - tatsächlich möchten wir auf diese Kamera als Handwerkszeug nicht mehr verzichten. Mag das Fotografieren mit der X-Pro1 auch Leidenschaft und Lernbereitschaft verlangen, hat uns das Gerät beim täglichen Einsatz während inzwischen drei Wochen insgesamt durch die klassischen Tugenden einer Sucherkamera mit Wechselobjektiven überzeugt: Sie ist unaufdringlich leise und liegt gut in der Hand. Schon mit der Anordnung ihrer an analoge Vorbilder erinnernden Bedienelemente verlangt sie unmissverständlich eine bedächtige Arbeitsweise, die sich der Vollautomatisierung verweigert.

Sensor kommt ohne Tiefpassfilter aus

Hier darf das Äußere aber nicht täuschen: Die X-Pro1 ist genauso wie die im vergangenen Jahr erschienene X100 mit fest eingebautem 23-mm/f-2,0-Objektiv (die Brennweite entspricht rund 35 Millimetern beim Kleinbild-Vollformat) kein analoger Fotoapparat. Ja, sie ist noch nicht einmal eine Messsucherkamera, mögen ihre Gestalter auch noch so viele Anleihen bei der Formensprache der M-Leica gemacht haben. Das Pfund, mit dem das Top-Modell von Fujis X-Reihe vor allem wuchert, ist die überragende Bildqualität, die der „X-Trans“ getaufte, 16,3 Megapixel auflösende CMOS-Sensor im APS-C- Format liefert.

Dieser Sensor kommt durch eine neuartige Anordnung der Mikrofilter ohne Tiefpassfilter aus: Üblicherweise verwenden Fotosensoren (abgesehen von Lösungen wie beispielsweise dem Foveon-Chip mit seinen übereinanderliegenden Schichten) die sogenannte Bayer-Verteilung der Filterelemente. Dabei wiederholt sich immer wieder das gleiche Quadrat aus zwei diagonal zueinander versetzten grünen Elementen sowie je einem roten und einem blauen Filter in den beiden anderen Ecken. Die so entstehende Überlagerung sehr homogener Raster kann zu Abbildungsfehlern führen, insbesondere dem gefürchteten Moiré-Effekt, hervorgerufen durch die Kanten feiner Muster. Um das zu verhindern, sorgt der Tiefpass- oder Anti-Aliasing-Filter für eine selektive Weichzeichnung des Motivs.

  1/6  
Näher dran und alles drauf: ein Blick durch den optischen Sucher, mit dem eingezeichneten kleinen Bildfenster des 60-Millimeter-Objektivs ... © Peter Thomas Näher dran und alles drauf: ein Blick durch den optischen Sucher, mit dem eingezeichneten kleinen Bildfenster des 60-Millimeter-Objektivs ...

Fuji schickt seinen X-Trans-Sensor ohne einen solchen Filter (der tatsächlich aus mehreren Filterschichten besteht) ins Rennen. Stattdessen ist der Chip mit einem Raster ausgestattet, bei dem die Farbfilterelemente im Verhältnis fünf (grün) zu zwei (rot) zu zwei (blau) vorkommen und deutlich weniger regelmäßig angeordnet sind als bei einem Bayer-Sensor. Dass sich diese Struktur am Aufbau analogen Filmmaterials orientiere - so verkündet es Fuji - dürfte ein wenig übertrieben sein. Das Ziel, feine Muster ohne Moiré abzubilden, erreicht der Sensor jedoch einwandfrei. Selbst das feine blau-weiße Streifenmuster einer Sommerjacke kommt auf unseren Aufnahmen ohne Artefakte daher.

Ebenfalls begeistert hat die Abbildungsleistung der X-Pro1 bei schwachem Licht. Hier zieht die neue Kamera mindestens gleich mit der flüsterleisen Reportagekamera X100. Das Bildrauschen ist noch bei Iso 5000 sehr gering, verbunden mit guter Durchzeichnung der Details. Wer allerdings darauf gehofft hatte - wie bei der Premiere dieses ersten Retro-Modells von Fuji vor einem Jahr - die Raw-Dateien der X-Pro1 mit Adobe Lightroom entwickeln zu können, wurde bisher enttäuscht. In den einschlägigen Foren rätselt man darüber, wann das entsprechende Update ansteht, mit dem Lightroom die neue Fuji unterstützen wird. Das entsprechende Problembewusstsein ist bei der Softwareschmiede offenbar geweckt: „Ja, wir sind uns bewusst, dass es die Fuji X-Pro1 gibt“, heißt es mit ganz leicht genervt klingendem Ton in einem Adobe-Posting vom 29. März, „und wir arbeiten daran, die Kamera-Unterstützung so schnell wie möglich anzubieten.“

Tele überzeugt mit hoher Schärfe

Bis dahin erfreuen die guten Abbildungsleistungen von Weitwinkel (Fujinon 18 mm/f 2,0 - entspricht 27 Millimeter im Kleinbildformat) und Makrotele (Fujinon 60 mm/f 2,4 - entspricht 91 Millimeter beim Kleinbild), mit denen die X-Pro1 ausprobiert wurde: Die kamerainterne Korrektur der JPG-Dateien liefert mit dem Weitwinkel ausgesprochen verzeichnungsfreie Bilder. Bleibt zu warten, ob Fuji dieses Niveau hält, sollte noch ein Ultraweitwinkel folgen, wie es sich viele Nutzer wünschen.

Das Tele überzeugt mit hoher Schärfe sowohl im Makrobereich als auch bei Porträts sowie einem schönen Bokeh (Unschärfekreise). Das Weitwinkelobjektiv kostet 580 Euro, das Makrotele ist für 630 Euro zu haben, das Gehäuse liegt bei 1600 Euro. Außerdem gibt es ein Normalobjektiv (35mm/f1,4) für 580 Euro. Eine Reihe von Zubehör wie Aufsteckblitzgeräte und Taschen runden das Angebot ab. Wann der angekündigte Adapterring erscheint, mit dem Objektive mit M-Bajonett an Fujis X-Bajonett angeschlossen werden können, steht derzeit noch nicht fest.

Nicht nur Geschmackssache

Wer die X100 kennt, der weiß Fujis Hybridsucher zu schätzen. Auch an der X-Pro1 spielt diese Kombination aus optischem und elektronischem Sucher ihre Vorteile aus. Keine Umgewöhnung gegenüber der X100 verlangt die Arbeit mit der 18-Millimeter-Linse: Der Bildausschnitt ist bei optischer Anzeige mit dem sehr klaren und hellen Sucherbild derselbe wie im elektronischen Betrieb, wenn das vom Sensor aufgezeichnete Signal im Blickfeld des Okulars eingeblendet wird. Dank eines technischen Kniffs funktioniert das auch mit dem Normalobjektiv: Hier wird einfach ein optisches Vergrößerungselement in das Sucherbild eingeschoben, so dass sich die Bildausschnitte weiterhin so gut wie entsprechen.

Anders sieht das hingegen aus, wenn die Kamera mit dem Tele bestückt wird. Dann ist der von einem Leuchtrahmen markierte Bildausschnitt im optischen Sucher ziemlich klein, während der elektronische Sucher das Motiv formatfüllend abbildet. Welche Anzeige man wählt, ist damit beim Tele nicht nur Geschmackssache, sondern hängt auch vom Motiv ab: Bei Makroaufnahmen ist der elektronische Betrieb Pflicht, denn hier ist die Parallaxverschiebung so groß, dass auch die Korrektur des im optischen Sucher angezeigten Autofokus-Messfeldes nicht hilft. Aber auch bei Porträts sollte man ruhig zum elektronischen Sucher greifen, wenn mit offener Blende gearbeitet wird.

Hingegen bietet der optische Sucher bei bewegten Szenen den Vorteil eines Blickfeldes, das deutlich über den Bildausschnitt hinausgeht. Eine Kamera für Sport und Action ist die X-Pro1 damit zwar nicht - aber ein gelungenes Werkzeug für die klassische Reportage, für Straßenfotografie und für andere Disziplinen, die eine unaufdringliche Nähe zum Motiv voraussetzen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
Weitersagen

Elektrik im Focus

Von Boris Schmidt

Ford hat in Saarlouis mit der Serienproduktion des Ford Focus Electric begonnen, der dort gemeinsam mit dem herkömmlichen Focus vom Band läuft. Mehr 1