http://www.faz.net/-gy9-6y07x

Jeep Wrangler 2.8 CRD : Der Geschmack von Freiheit und Abenteuer

Das ist sein Metier: Eigentlich gehört ein Jeep Wrangler Rubicon ins Gelände, nicht auf die Straße Bild: Hersteller

Es gibt sie noch. Echte Geländewagen mit Starrachsen und wenig Komfort. Dennoch oder deswegen ist der Jeep Wrangler 2.8 CRD ein Erlebnis.

          Jeep möchte gern eine Kultmarke sein. Das ist sie auch, zumindest in Amerika. In Deutschland hat man bisher zu wenig aus dem Potential des Ur-Geländewagens gemacht, vielleicht ändert sich das jetzt, wenn Fiat mehr und mehr das Sagen hat. Den Jeep gibt es seit 71 Jahren, heute heißt er Wrangler, und er ist der direkte Nachfahre des Modells, das dabei half, die Welt aus dem Wahnsinn des Zeiten Weltkriegs zu befreien - in Europa wie auch auf den Schlachtfeldern im Fernen Osten. Der klassischste aller Wrangler ist der kurze, zweitürige. Er steht knorrig vor einem und macht mit seinem steil stehenden Kühlergrill und dem riesigen (Plastik-)Stoßfänger gleich klar, dass es hier um Autofahren einer anderen Art geht.

          Frank Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Zunächst gilt es, beherzt den Fahrersitz zu erklimmen. Dann logiert man vor einem steil stehenden Lenkrad auf einem Gestühl mit einer viel zu kurzen Sitzfläche. Das Interieur ist relativ einfach, aber sympathisch. "Since 1941" steht groß auf dem dicken Beifahrer-Haltegriff oberhalb des kleinen Handschuhfachs. Wie könnte man das vergessen. Damals hatten die Soldaten gewiss einen leichteren Einstieg nach hinten, auch weil der Jeep meist offen gefahren wurde. 2012 ist es, gelinde gesagt, eine Zumutung, wie man in den Fond gelangt. Dazu sollte man jung oder gelenkig sein oder am besten beides.

          Hinten ist auf einem bescheidenen Bänkchen Platz für zwei Personen, und danach endet der 4,22 Meter lange Jeep auch schon fast. Nicht viel mehr als eine Handbreit ist der Kofferraum tief. 142 Liter ist das rechnerische Volumen, das sich auf 430 Liter erweitern lässt, wenn man die ungeteilte Sitzbank zusammenfaltet und senkrecht stellt. Die Länge des Laderaums beträgt dann gut 90 Zentimeter. Familientauglich ist der kurze Wrangler erst, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Oder noch nicht da. Nach hinten sieht man so gut wie nichts, weil die beiden hinteren Kopfstützen, das Reserverad und der große Motor des Heckwischers im Weg sind. Klappt man die Bank um, wird es etwas besser.

          Bei Vollgas schwingt der Jeep Wrangler Rubicon sich zu einer Endgeschwindigkeit von 170 km/h auf.  Wer dermaßen forciert fährt, muss aber mit Verbräuchen auf 100 Kilometer jenseits von 14 Liter rechnen
          Bei Vollgas schwingt der Jeep Wrangler Rubicon sich zu einer Endgeschwindigkeit von 170 km/h auf. Wer dermaßen forciert fährt, muss aber mit Verbräuchen auf 100 Kilometer jenseits von 14 Liter rechnen : Bild: Hersteller

          Natürlich hat der Wrangler nicht etwas so Profanes wie eine Heckklappe, sondern eine Kombination aus Hecktür, an der das Reserverad hängt, und ein Fenster, das nach oben öffnet. Zuerst muss die Tür nach rechts geöffnet werden, dann das Fenster nach oben. Beim Schließen muss zunächst das Fenster nach unten, dann kann die Tür geschlossen werden. Anders geht es nicht, weil sonst das Fenster an dem großen Reserverad hängenbleibt.

          Unter der mächtigen Haube steckt entweder ein 3,8-Liter-V6-Zylinder oder ein Vierzylinder-Turbodiesel (von VM Motori aus Italien) mit 2,8 Liter Hubraum. Dieser lässt sich mit einer Sechsgang-Handschaltung (nur in der Basis-Ausstattung) oder einer Fünf-Stufen-Automatik kombinieren. Der Benziner kommt stets mit einem Vier-Stufen-Automat. Die Redaktion bewegte das Topmodell 2.8 CRD Rubicon, für das stolze 34.575 Euro in der Liste stehen. Wer weitere 2.135 Euro investiert, bekommt zusätzlich zum serienmäßigen Softtop ein dreiteiliges Hardtop geliefert. Das kann man selbst demontieren, es macht aber viel Arbeit. Auch ohne Hardtop muss man keine Angst vor einem Überschlag haben, dicke, feste Überrollbügel (je zwei seitlich in Fahrtrichtung, einer quer) schützen, nehmen aber etwas das Kabrio-Gefühl.

          In den extrem kalten Winterwochen Anfang des Jahres in Deutschland haben wir das Dach immer draufgelassen. Der Diesel ist auch nach den eisigen Nächten (Rekord: minus 17 Grad) immer sofort angesprungen, sein Sound gehört in die Kategorie hart, aber herzlich. So wie das ganze Auto. Viel Fahrkomfort darf man nicht erwarten, die Servolenkung ist einfach nur schwammig, und die 200 Pferde (147 kW) müssen gehörig arbeiten, um die zwei Tonnen(!) Leergewicht zu bewegen. 410 Newtonmeter maximales Drehmoment bei 2600/min bieten ausreichend Kraft, um nicht zum Verkehrshindernis zu werden. Der Wrangler taugt prima zum Entschleunigen, auf der Autobahn fühlt er sich bei Tacho 110 und 2.400/min am harmonischsten an.

          Nicht viel mehr als eine Handbreit ist der Kofferraum tief. 142 Liter ist das rechnerische Volumen, das sich auf 430 Liter erweitern lässt, wenn man die ungeteilte Sitzbank zusammenfaltet und senkrecht stellt
          Nicht viel mehr als eine Handbreit ist der Kofferraum tief. 142 Liter ist das rechnerische Volumen, das sich auf 430 Liter erweitern lässt, wenn man die ungeteilte Sitzbank zusammenfaltet und senkrecht stellt : Bild: Hersteller

          Bei Vollgas schwingt er sich tatsächlich zu einer Endgeschwindigkeit von 170 km/h auf, ohne dass es zu laut wird im Auto. Wer dermaßen forciert fährt, muss aber mit Verbräuchen auf 100 Kilometer jenseits von 14 Liter rechnen, im Schnitt kamen wir auf 12,7. Das eine oder andere Zehntel wird noch auf das Konto des Winters gehen.

          Auf der Landstraße bewegt man den Jeep am besten gemütlich, schnelles Fahren liegt ihm nicht, sein Fahrwerk (zwei Starrachsen) ist schließlich für den Einsatz im Gelände ausgelegt. Dort gehört er zu den besten seiner Art, das weiß man, schließlich bietet er neben dem zuschaltbaren Vorderradantrieb auch noch eine Untersetzung, zwei Achssperren und einen elektronisch entkoppelbaren Frontstabilisator auf. Die Sperren und der Stabilisator gehören zur Rubicon-Ausstattung, in Deutschland wird man sie kaum jemals einsetzen. Auf trockener Straße sollte man es tunlichst unterlassen, die Vorderachse zuzuschalten, denn dann kommt es zu sehr starken Verspannungen im Antriebsstrang, das Lenken wird deutlich schwerer.

          Man ist also meist mit Hinterradantrieb unterwegs, wobei das ESP zuverlässig eingreift, wenn das Heck in einer zu schnell genommenen Kurve wegrutscht. Auch Dinge wie ABS oder Airbags gibt es. Seitenairbags kosten Aufpreis, ebenso eine Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber. Dagegen sind eine Klimaautomatik, eine Audio-Anlage oder Leichtmetallräder Grundausstattung. Man muss also nicht auf jeglichen Komfort verzichten.

          Im vergangenen Jahr haben in Deutschland 1.272 Abenteurer einen Wrangler gekauft. Man ist also nicht ganz allein, wenn man dem rustikalen Charme des Jeep erlegen ist.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Grand ohne vier

          Opel Grandland : Grand ohne vier

          Der Grandland rundet die SUV-Reihe von Opel nach oben ab. Er bringt hohen Komfort, gutes Raumgefühl und zeitgemäße Assistenzsysteme mit, jedoch keinen Allradantrieb.

          Mercedes-Benz E 300 Coupé Video-Seite öffnen

          Fahrbericht : Mercedes-Benz E 300 Coupé

          Das E-Coupé ist die elegantere E-Klasse. Das war auch schon zu /8-Zeiten so. Nachteile wie den unbequemen Einstieg nach hinten und den kleineren Kofferraum nimmt man gern hin.

          Topmeldungen

          Cyber Valley : Warum Amazon ins Schwäbische zieht

          Bei Stuttgart entsteht eine große Forschungskooperation für schlaue Computer. Angesagte Unternehmen machen mit – nun auch der weltgrößte Internethändler. Und nicht nur mit einer jährlichen Millionen-Überweisung.

          Streamingdienst : So analysiert Netflix seine Nutzer

          Die Online-Videothek gibt Milliarden für Eigenproduktionen wie „Stranger Things“ aus. Deshalb wird der Erfolg dieser Serien minutiös geplant. Und der Geschmack der Zuschauer ganz genau durchleuchtet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.