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Veröffentlicht: 15.12.2012, 11:00 Uhr

Jaguar XJ und XF Allrad Champagner zum Vierzylinder und alle Pfoten am Boden

Jaguar füllt seine Lücken mit dem XJ und XF mit Allradantrieb. Der V6 passt gut zum XJ. Wer das Auto ob seiner Form mag, wird mit dieser Kombination gern durch dick und dünn fahren.

© Holger Appel Hier parkt das Schneemobil: Der Allrad-Jaguar darf das. Vermutlich

Was tun, wenn die Mittel begrenzt sind? Sich auf Wesentliches konzentrieren könnte eine Lösung sein. Jedenfalls ist es eine, für die sich die unter indischer Regie geführte britische Marke Jaguar entschieden hat. Weil Jaguar nicht in jeder Nische mit einer Fülle von Modellen vertreten sein kann, wird nach besonders günstigen Geschäftsgelegenheiten gesucht, die bislang noch nicht ergriffen worden sind. Deren gibt es derzeit drei.

Holger  Appel Folgen:

Erstens China. Die Chinesen kaufen zwar gern große Autos, aber die dortige Steuergesetzgebung macht Motoren jenseits von zwei Liter Hubraum teuer und unattraktiv. Deshalb finden sich in der chinesischen Ausgabe des Jaguar-Spitzenmodells XJ künftig hinten Champagnerkühler und vorn Vierzylinder, die trotzig 176 kW (240 PS) aufbieten.

Zweitens Europa. Das ist ein Markt für Kombis und Diesel, also bringt Jaguar seine Mittelklasse XF in dieser Zusammenstellung, und zwar ausschließlich. Benziner gibt es im Kombi nicht. Die Selbstzünder sind aus der Limousine bekannt und werden im schicken Lastentransporter kaum schlechtere Dienste leisten.

Drittens Nordamerika: Die Menschen vor allem im Norden der Vereinigten Staaten und in Kanada haben ein Faible für Allradantrieb, den sie auch, falls sie mal keinen Pick-up wählen, in ihrer Oberklasselimousine erwarten. Wer einmal zwischen November und April in der schneereichen Gegend unterwegs war, weiß, warum. Jaguar hat in seinem Flaggschiff XJ zwar einen mächtigen Fünf-Liter-V8-Benziner, aber eben nur mit Hinterradantrieb. Damit verschenke man 80 Prozent des Marktpotentials, haben die Strategen ausgerechnet, was sie nicht länger hinnehmen wollen. So gibt es nun zusätzlich einen XJ mit vier angetriebenen Rädern, der aus Gründen der Vernunft mit einem neu entwickelten Sechszylinder kombiniert wird. Der Drei-Liter-Benziner mit Kompressor leistet 250 kW (340 PS), beschleunigt von 0 auf 100 km/h in 6,4 Sekunden und ist mit 250 km/h schneller, als jeder Sheriff erlaubt.

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Nach einem ersten Fahreindruck lässt sich sagen, dass der V6 mit seiner ruhigen und souveränen Art gut zum XJ passt, zumal sich jetzt das formidable Acht-Gang-Automatikgetriebe von ZF um die Kraftübertragung kümmert. Wer den ob seiner Form polarisierenden XJ mag und sich von der nervtötenden Umständlichkeit der Radio-Navigationseinheit nicht schrecken lässt, wird mit dieser Kombination gern durch dick und dünn fahren.

Dass im Konzern gewisse Kenntnisse der allradgetriebenen Fortbewegung durch die Schwestermarke Land Rover vorhanden sind, hat gewiss nicht geschadet. Auch schwer befahrbare Strecken nimmt das große Auto mit Leichtigkeit, Anfahren am schneebedeckten Hang verliert seinen Schrecken. Je nach Untergrund und gewünschter Fahrdynamik (drei Modi sind wählbar, unter anderem ein Winterprogramm) wird die Kraft mittels Lamellenkupplung zwischen beiden Achsen variabel verteilt, auch 100 Prozent vorn oder 100 Prozent hinten sind möglich. Nur sollte niemand vergessen, dass auch der beste Allradantrieb Grenzen der Physik nicht überwinden kann. Bergab auf Eis hält nichts, bis auf die Leitplanke, wie eine koreanische Kollegin auf der Presse-Vorstellung in Montreal leidvoll erfahren musste. Von 91 160 Euro an wird der XJ AWD angeboten, das sind 4500 Euro mehr als für die hinterradgetriebene Version. Er kommt im Februar 2013 auf den deutschen Markt, der freilich nur eine Nebenrolle in den Absatzplänen spielt, auch, weil es keinen Diesel gibt. Rechtslenker werden ebenfalls nicht angeboten, in seinem Heimatland wird der Allrad-XJ mithin keine Käufer finden.

Wer den XJ für zu groß oder zu teuer hält, trotzdem Jaguar fahren möchte und auf den Allrad-Geschmack gekommen ist, dem kann mit der Mittelklasse XF zu 57 000 Euro (3000 Euro Aufpreis) geholfen werden: gleicher Motor, gleicher Allradantrieb, gleicher Einführungsmonat - aber nur in der Limousine, nicht im Kombi, denn diesen gibt es ja nur mit Diesel. Und den Diesel wiederum gibt es nicht mit Allradantrieb.

Wie gesagt, man kann nicht alles haben. Noch nicht, flüstern die Jungs aus Technik und Vertrieb wagemutig, wenn ihre Kollegen aus dem Controlling gerade mal nicht zuhören.

Quelle: F.A.Z.

 

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