http://www.faz.net/-gy9-74ymd

Jaguar XJ und XF Allrad : Champagner zum Vierzylinder und alle Pfoten am Boden

Hier parkt das Schneemobil: Der Allrad-Jaguar darf das. Vermutlich Bild: Holger Appel

Jaguar füllt seine Lücken mit dem XJ und XF mit Allradantrieb. Der V6 passt gut zum XJ. Wer das Auto ob seiner Form mag, wird mit dieser Kombination gern durch dick und dünn fahren.

          Was tun, wenn die Mittel begrenzt sind? Sich auf Wesentliches konzentrieren könnte eine Lösung sein. Jedenfalls ist es eine, für die sich die unter indischer Regie geführte britische Marke Jaguar entschieden hat. Weil Jaguar nicht in jeder Nische mit einer Fülle von Modellen vertreten sein kann, wird nach besonders günstigen Geschäftsgelegenheiten gesucht, die bislang noch nicht ergriffen worden sind. Deren gibt es derzeit drei.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Erstens China. Die Chinesen kaufen zwar gern große Autos, aber die dortige Steuergesetzgebung macht Motoren jenseits von zwei Liter Hubraum teuer und unattraktiv. Deshalb finden sich in der chinesischen Ausgabe des Jaguar-Spitzenmodells XJ künftig hinten Champagnerkühler und vorn Vierzylinder, die trotzig 176 kW (240 PS) aufbieten.

          Zweitens Europa. Das ist ein Markt für Kombis und Diesel, also bringt Jaguar seine Mittelklasse XF in dieser Zusammenstellung, und zwar ausschließlich. Benziner gibt es im Kombi nicht. Die Selbstzünder sind aus der Limousine bekannt und werden im schicken Lastentransporter kaum schlechtere Dienste leisten.

          Drittens Nordamerika: Die Menschen vor allem im Norden der Vereinigten Staaten und in Kanada haben ein Faible für Allradantrieb, den sie auch, falls sie mal keinen Pick-up wählen, in ihrer Oberklasselimousine erwarten. Wer einmal zwischen November und April in der schneereichen Gegend unterwegs war, weiß, warum. Jaguar hat in seinem Flaggschiff XJ zwar einen mächtigen Fünf-Liter-V8-Benziner, aber eben nur mit Hinterradantrieb. Damit verschenke man 80 Prozent des Marktpotentials, haben die Strategen ausgerechnet, was sie nicht länger hinnehmen wollen. So gibt es nun zusätzlich einen XJ mit vier angetriebenen Rädern, der aus Gründen der Vernunft mit einem neu entwickelten Sechszylinder kombiniert wird. Der Drei-Liter-Benziner mit Kompressor leistet 250 kW (340 PS), beschleunigt von 0 auf 100 km/h in 6,4 Sekunden und ist mit 250 km/h schneller, als jeder Sheriff erlaubt.

          Nach einem ersten Fahreindruck lässt sich sagen, dass der V6 mit seiner ruhigen und souveränen Art gut zum XJ passt, zumal sich jetzt das formidable Acht-Gang-Automatikgetriebe von ZF um die Kraftübertragung kümmert. Wer den ob seiner Form polarisierenden XJ mag und sich von der nervtötenden Umständlichkeit der Radio-Navigationseinheit nicht schrecken lässt, wird mit dieser Kombination gern durch dick und dünn fahren.

          Dass im Konzern gewisse Kenntnisse der allradgetriebenen Fortbewegung durch die Schwestermarke Land Rover vorhanden sind, hat gewiss nicht geschadet. Auch schwer befahrbare Strecken nimmt das große Auto mit Leichtigkeit, Anfahren am schneebedeckten Hang verliert seinen Schrecken. Je nach Untergrund und gewünschter Fahrdynamik (drei Modi sind wählbar, unter anderem ein Winterprogramm) wird die Kraft mittels Lamellenkupplung zwischen beiden Achsen variabel verteilt, auch 100 Prozent vorn oder 100 Prozent hinten sind möglich. Nur sollte niemand vergessen, dass auch der beste Allradantrieb Grenzen der Physik nicht überwinden kann. Bergab auf Eis hält nichts, bis auf die Leitplanke, wie eine koreanische Kollegin auf der Presse-Vorstellung in Montreal leidvoll erfahren musste. Von 91 160 Euro an wird der XJ AWD angeboten, das sind 4500 Euro mehr als für die hinterradgetriebene Version. Er kommt im Februar 2013 auf den deutschen Markt, der freilich nur eine Nebenrolle in den Absatzplänen spielt, auch, weil es keinen Diesel gibt. Rechtslenker werden ebenfalls nicht angeboten, in seinem Heimatland wird der Allrad-XJ mithin keine Käufer finden.

          Wer den XJ für zu groß oder zu teuer hält, trotzdem Jaguar fahren möchte und auf den Allrad-Geschmack gekommen ist, dem kann mit der Mittelklasse XF zu 57 000 Euro (3000 Euro Aufpreis) geholfen werden: gleicher Motor, gleicher Allradantrieb, gleicher Einführungsmonat - aber nur in der Limousine, nicht im Kombi, denn diesen gibt es ja nur mit Diesel. Und den Diesel wiederum gibt es nicht mit Allradantrieb.

          Wie gesagt, man kann nicht alles haben. Noch nicht, flüstern die Jungs aus Technik und Vertrieb wagemutig, wenn ihre Kollegen aus dem Controlling gerade mal nicht zuhören.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Hundeparkhaus für müde Pfoten Video-Seite öffnen

          Intelligente Hütte : Hundeparkhaus für müde Pfoten

          In vielen Geschäften sind Vierbeiner nicht erlaubt - ein New Yorker Start-Up hat deshalb eine klimatisierte und voll vernetzte Hundehütte entwickelt. Sowohl der Halter als auch eine Zentrale haben Zugriff auf die Live-Daten aus dem Hundeparkhaus.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Was, wenn der „worst case“ eintritt? In der City of London stellen sich die Banker auf alles ein.

          Europas Finanzzentrum : Wie Londons Banken den Schmalspur-Brexit planen

          Die Manager in Europas größtem Finanzzentrum fürchten zwar den EU-Austritt Großbritanniens, doch die Folgen für die Banken in London bleiben vorerst überschaubar. Fällt der „Brexodus“ gar gänzlich aus?

          Nach Spitzentreffen mit Union : Schlingernde Sozialdemokraten

          Während die Union nach dem Gespräch der Chefs von CDU, CSU und SPD endlich über eine große Koalition sprechen will, halten sich die Sozialdemokraten bedeckt und schieben Entscheidungen weiter auf. Für ziemlich falsch hält das indes eine anderen Partei.

          Amerikas Präsident unter Druck : Immer Ärger mit Donald

          Eigentlich sollte es eine Woche der Triumphe werden – doch dann ging die Alabama-Wahl schief und Donald Trump hat mal wieder Ärger an allen Fronten. Immerhin ein Projekt des amerikanischen Präsidenten steht kurz vor der Vollendung.
          Sandra Maischberger und ihre Gäste in der Jahresrückblick-Sendung am Mittwochabend.

          TV-Kritik: Sandra Maischberger : Nur nicht einschüchtern lassen

          Das Jahr 2017 kann wohl nicht so schlimm gewesen sein – jedenfalls wenn Olivia Jones und Sophia Thomalla darüber Auskunft geben dürfen. Wenigstens gilt das für Deutschland. In der Türkei sieht das anders aus. Droht Günter Wallraff dort die Verhaftung?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.