Wie wir in jedem Mafia-Film vorgeführt bekommen, sind die wichtigsten Menschen für den Italiener die Mama und die Famiglia. Wenn wir das auf die Autowelt übertragen, dann sind das Fiat und die ehrenwerten Modelle von Alfa Romeo. Aber leider sind sowohl für die Mutter als auch für die Mailänder Marke unsichere Zeiten angebrochen. Neue Modelle sind Mangelware, ja, der Panda ist gerade frisch aufgelegt worden, und vom mirakulösen Cinquecento gibt es immer mehr Derivate, aber jene tollen Typen, auf die eine östliche Reichtumskundschaft abfahren könnte, die sucht man vergebens. Und bei Alfa Romeo wurde das Modellprogramm derart rigoros eingedampft, dass man sich schon seine Sorgen um die Traditionsmarke machen muss. Nur noch der Kleinwagen Mito und die Giulietta in der kompakten Mittelklasse werden noch geführt: kein Spider mehr, kein Coupé, keine Limousine 159 mehr, kein 159 Sportwagon und auch der vor zwölf Jahren schon herrlich veraltete Typ 166 fand keinen Nachfolger, und der Alfa 8C war sowieso eine limitierte Auflage.
Wird also Alfa Romeo dem Siechtum und den Lockrufen des Patriarchen-Piëch vom VW-Konzern überlassen? Das Gegenteil sei der Fall, das ist aus Turin zu hören. Fiat und Alfa Romeo (und natürlich auch noch Lancia) seien durch die Heirat mit Chrysler in einer „Transformationsphase“. Und vom Fiat-Konzernchef Sergio Marchionne sei bekannt, dass er bei jeder Konfrontation mit den von ihm rigoros abgelehnten Übernahme-Absichten durch VW aus Empörung kurz vor einem Blutsturz stehe. Und für Alfa seien Autos im Werden, die neue Leidenschaften entfachen könnten. Es werde einen Alfa für die Oberklasse geben, einen Giulia-Nachfolger, ein kompaktes SUV, und der scharfe 4C scharre als Coupé und als Spider bereits mit den Rädern. Es gebe keinen Anlass zur Sorge also, Alfa lebt, und es kann sich nur um ein oder zwei Jährchen der Geduld handeln. Und Marchionne möchte mit Fragen nach der Alfa-Abgabe an VW nicht mehr erregt werden. Er sei schließlich ein Mann von Ehre und für Mama und für die Familie.
Alfa Romeo ist die Italienischste aller Automarken.
Martin Geier (martingeier)
- 30.04.2012, 20:37 Uhr