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Internettauglichkeit Das Jahr des Fernsehers

03.01.2012 ·  Zwar zeigt der Absatz von TV-Geräten weltweit nach oben, doch sind die Umsätze der Hersteller stetig gefallen. Nun macht der Trend zu internetfähigen Fernsehern das neue Jahr spannend - und Apple.

Von Thiemo Heeg
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Auch wenn sich der Technik-Hype derzeit eher um Tabletcomputer und Smartphones entfaltet: Fernseher gehören noch immer zu den meistverkauften Geräten im Konsumelektronikmarkt. Alleine in Deutschland dürften die Hersteller im vergangenen Jahr gut neun Millionen Stück abgesetzt haben, auf der ganzen Welt rund eine viertel Milliarde. Ein stetiger Aufwärtstrend prägte die vergangenen Jahre.

Es könnte so schön sein für die Industrie, wären da nicht der scharfe Wettbewerb und ein stetiger Verfall der Preise, die die Laune der Hersteller trüben. Zwar versucht die Branche ausdauernd, mit Innovationen gegenzusteuern: Flachbildschirme, immer größere Displays, das hochauflösende Fernsehen HD, das dreidimensionale Fernsehen (3D), Internet-TV - all dies hat die Konsumenten in den vergangenen Jahren in die Läden gelockt.

Nicht verhindern konnte die technologische Aufrüstung, dass der Preistrend dennoch erbarmungslos nach unten zeigt. Selbst wenn der Absatz auf hohem Niveau verharrt, sinken die Umsätze. So erwartet der Branchenverband GfU im deutschen TV-Geschäft 2011 ein Minus von rund 6 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Kein Wunder: Seit 2006 hat sich der Durchschnittspreis für einen LCD-Fernseher von seinerzeit 1115 Euro auf heuer 616 Euro fast halbiert.

Die Industrie zieht nun nach teils jahrelangen Verlusten, die bis in die Milliardenhöhe gehen, ihre Konsequenzen. Philips hat sein TV-Geschäft in ein Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller TPV eingebracht; an diesem Gemeinschaftsunternehmen halten die Holländer nur noch einen Anteil von 30 Prozent. Sony hat sein Ziel für 2013 aufgegeben, jährlich 40 Millionen Geräte abzusetzen und damit rund ein Fünftel des Weltmarktes zu erobern. Jetzt will das japanische Unternehmen nur noch rund 20 Millionen Fernseher pro Jahr verkaufen. Panasonic hat die Devise ausgegeben, das Fernsehergeschäft kräftig einzudampfen. Zuletzt wurde bekannt, dass das Unternehmen aus Osaka eine komplette TV-Panel-Fabrik verkauft. Sharp-Präsident Mikio Katayama brachte bereits im Sommer das Problem auf den Punkt: "Die Verkaufspreise für Flachbildschirme hören nicht auf zu fallen, was einen enormen Druck auf die Hersteller ausübt."

Einstieg Apples in das echte TV-Geschäft?

In dieses hoffnungslos anmutende Geschäft scheint sich nun ausgerechnet Apple einmischen zu wollen. Schon seit geraumer Zeit führt der Handy- und Computerkonzern ein Produkt namens Apple TV im Angebot. Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein TV-Gerät, sondern um eine Set-Top-Box, die an einen Fernseher angeschlossen wird und mit der sich Songs und Videos abspielen lassen. Immer wieder gärten Gerüchte über einen Einstieg Apples in das echte TV-Geschäft. In der im Oktober erschienenen Biographie des kurz zuvor verstorbenen Firmengründers Steve Jobs hieß es, er habe an einem Apple-Fernseher gearbeitet.

Nun soll es angeblich wirklich bald so weit sein. Bis Ende September 2012, so berichtete vergangene Woche die taiwanische Internetseite "Digitimes", sollen die ersten Apple-Fernseher auf den Markt kommen. Wie es heißt, verfügen sie über Bildschirm-Diagonalen von 32 und 37 Zoll (81 beziehungsweise 94 Zentimeter). Die Zulieferindustrie werde die Produktion von Bauteilen in den kommenden drei Monaten hochfahren, berichtete Digitimes, damit die Geräte im zweiten oder dritten Quartal in den Handel kommen könnten.

Der Schritt mutet abenteuerlicher an, als er in Wirklichkeit ist. Die modernen TV-Flachmänner unterscheiden sich vom guten alten Röhrengerät genauso wie die modernen Smartphones von den ersten Handys aus den neunziger Jahren. So wenig wie man zukünftig mit dem Mobiltelefon ausschließlich telefonieren will, so wenig dient der Fernseher der Zukunft nur noch dem Fernsehen. Vielmehr dürfte er sich mit seiner Anbindung ans Netz zur Kommunikationszentrale im Haus entwickeln - genauso, wie das Smartphone auf dem besten Weg ist, die Kommunikationszentrale außer Haus zu werden.

Immerhin besitzt heute schon jeder zehnte deutsche Haushalt ein Smart-TV, also ein internetfähiges Fernsehgerät. "Allerdings werden die digitalen Möglichkeiten der smarten Fernseher derzeit kaum ausgenutzt", konstatiert der Hightech-Verband Bitkom. Nur 13 Prozent gingen damit tatsächlich aktiv online - im Gegensatz zu 99 Prozent der Computernutzer und immerhin noch 27 Prozent der Smartphone- und Tablet-Besitzer.

Doch das dürfte sich bald ändern. "Internetfähige Handys gibt es seit 1999. Der eigentliche Durchbruch kam aber erst ein paar Jahre später, als speziell auf Mobiltelefone ausgerichtete Inhalte verfügbar waren. Ähnlich wird die Entwicklung voraussichtlich auch beim Fernsehen sein, sobald die Anzahl der Videoangebote im Netz zunimmt, die speziell auf TV-Geräte ausgelegt sind", schätzt der Bitkom ein. Apple könnte sich dabei abermals als Trendsetter profilieren. Über seinen Dienst iTunes steht schon jetzt ein breites Musik- und Videoangebot zur Verfügung, das nur auf einen einfach zu bedienenden "iTV" wartet. Es wird ein spannendes Fernseh- und Fernseher-Jahr.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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