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Veröffentlicht: 25.04.2012, 16:33 Uhr

Internet im Phaeton Online mit Google & Co.

Die Luxuslimousine Phaeton bringt bei Volkswagen das Internet ins Fahrzeug. Ein überzeugendes Angebot, nur kommt man mit dem Smartphone deutlich schneller zur Sache.

von
© Spehr Hübsch anzusehen: Kartendarstellung mit Google

Nun kommt das Internet auch in des Volkes Wagen. Nein, noch nicht in den aktuellen Golf, aber im luxuriösen Phaeton hat VW schon die nächste Evolutionsstufe seines RNS-Systems gezündet. Die neue Anlage heißt RNS 810 und basiert unverkennbar auf dem hier schon oft gelobten RNS 510, das unter anderem im Golf, Scirocco und Passat zu haben ist. Die Phaeton-Variante (2870 Euro) basiert auf der bewährten Technik, kommt aber mit einem deutlich größeren Monitor (20 Zentimeter in der Diagonale) und der eleganteren Einfassung. Die Basisdaten entsprechen der kleineren Anlage: Touchscreen und Bedienung mit dem Finger; Funktionstasten am linken und rechten Rand führen ohne Umwege in die Menüs, und eine 30-Gigabyte-Festplatte speichert nicht nur das Kartenmaterial für die Navigation, sondern auch eigene Musik.

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Neu im Phaeton sind die kameragestützte Verkehrszeichenerkennung - und der Internetzugang. Wie kommt das Auto ins Netz? Wie bei allen anderen Herstellern muss man sich mit den Details der Mobilfunkanbindung auseinandersetzen. Im Phaeton gibt es weder eine festverbaute Sim-Karte noch einen Leseschacht für die eigene, sondern einzig und allein das Bluetooth-Protokoll „Sim Access“ für den Netzzugang. Dieses Profil bietet beim Freisprechbetrieb beste Sende- und Empfangseigenschaften. Eine eigenständige Funkanlage des Fahrzeugs übernimmt die Kontrolle, das Handy oder Smartphone wird derweil in eine Art Tiefschlaf versetzt. Sim Access hat viele Vorteile: So brechen Gespräche bei schwacher Funkversorgung selten ab, und meist ist auch die Akustik exzellent. Nur gelten Sim-Access-Geräte leider als Mangelware. Viele Blackberrys und ältere Nokias sind dabei, aber nur sehr wenige Android-Smartphones, und das iPhone von Apple bleibt ganz außen vor.

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Wir probierten im Phaeton ein älteres Nokia E71, das zunächst mit der „Mobiltelefonvorbereitung Premium“ (1040 Euro) zu verbinden ist. Diese Prozedur erfolgt nicht etwa am Monitor des RNS 810, sondern mit den Lenkradtasten und der Anzeige auf dem Zweitdisplay zwischen Tachometer und Drehzahlmesser. Anschließend kann man telefonieren. Für den Datentransport sind nach der Bluetooth-Anbindung weitere Parameter einzugeben, nämlich der WWW-Zugangspunkt und jene Angaben, die man für mobile Datenverbindungen am Smartphone einträgt. Die Informationen werden nicht automatisch aus dem Handy geladen, und es gibt leider auch keine Anbieter-Liste, aus der man den passenden Datensatz wählen könnte. Also ist Handarbeit angesagt, bis die Verbindung steht. Zum abschließenden Feintuning gehört die Konfiguration der Dienste, um zum Beispiel Roaminggebühren bei Auslandsreisen zu vermeiden. Auch gibt es einen „Verbrauchszähler“.

Was nach dieser Strapaze im Phaeton online zur Verfügung steht, ist nicht viel: Wer an einen Web-Browser, aktuelle Nachrichten, Wettermeldungen, Premium-Verkehrsnachrichten, eine E-Mail-Software oder gar Facebook und Twitter denkt, wird enttäuscht: Nur zwei Online-Anwendungen lassen sich aufrufen, nämlich die Google-Satellitenbilddarstellung in der Navigation sowie eine Google-Suche mit Weitergabe der Fundstellen an die Navigation. Die Satellitenansicht wird in einzelnen Kacheln während der Fahrt dynamisch geladen. Das sieht in der Überlagerung mit der konventionellen Landkarte ungemein schick aus, ist aber für die Routenführung kaum ein Vorteil.

Phaeton Klare Instrumente © Spehr Vergrößern Klare Instrumente

Sinnvoller erscheint uns die Online-Suche für Sonderziele am Standort oder in einem Umkreis. Sie lässt sich im Zieleingabe-Modus der Navigation und in der Kartendarstellung aufrufen. Hier findet man also beispielsweise über Google den Namen, die Adresse und vielleicht sogar die Telefonnummer des Steuerberaters oder Arztes, die allesamt eben nicht im klassischen Kartenmaterial der Navi-Hersteller verzeichnet sind. Dass man die Treffer sofort in die Routenführung übernehmen kann, ist klar, und angezeigte Telefonnummern lassen sich direkt aus der Liste heraus anrufen. Alles in allem ein überzeugendes Angebot, nur kommt man mit dem Smartphone deutlich schneller zur Sache.

In vergleichender Blickrichtung fällt die Online-Anbindung von Volkswagen sehr sparsam aus. Konzerntochter Audi arbeitet ebenfalls mit dem Sim-Access-Profil, hat aber mit dem Sim-Kartenschacht eine Rückfall-Lösung, wenn ein entsprechendes Smartphone nicht zur Verfügung steht. Außerdem ist das Angebot von „Audi Connect“ deutlich breiter aufgestellt. Hier gibt es also noch viel Luft, wenn der Phaeton in der Oberklasse mithalten will.

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Von Lukas Weber

Über die Bürokraten in Europa zu schimpfen gehört zur Folklore. Aber manchmal wünscht man sich dann doch etwas mehr Vereinheitlichung in der Union. Mehr 1 1

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