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Cabriolets auf der IAA : Der Himmel ist nicht genug

Das könnte was werden: Citroën öffnet den Cactus. Bild: Jean-Brice Lemal

Die Nachfrage nach Cabriolets war schon mal erfreulicher. Doch das muss nicht so bleiben. Etliche neue Oben-ohne-Autos auf der IAA machen Lust auf offenes Fahrvergnügen.

          Das erste Auto der Welt war selbstverständlich ein Cabriolet. Das wird heute gern vergessen, wenn über die nachlassende Lust am offenen Auto diskutiert wird. Die Fahrzeuggattung der Stunde ist fraglos das SUV, eine Art Geländewagen, mit dem niemand ins Gelände fährt, weshalb ihm das Attribut „Sportlich“ beigelegt wird, was natürlich auch Humbug ist. Der Kundschaft ist das gleich, die Nachfrage nach den großen Wagen lässt einfach nicht nach, ihr Marktanteil an den Neuzulassungen beträgt in Deutschland fast 20 Prozent. Unglaublich.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Frank Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Noch vor zehn Jahren war das Cabriolet das Auto der Stunde. „Ein Volk lässt die Hüllen fallen“, hieß es damals. 2005 war die Lust am Cabriolet in Deutschland auf dem Höhepunkt: 142000 Neuzulassungen bedeuteten einen Anteil am Gesamtmarkt von 4,3 Prozent. Danach erkaltete die Liebe der Kunden an der dachlosen Fortbewegung. Fast jedes Jahr waren fortan Rückgänge zu verzeichnen, nur noch knapp 81000 neue Cabrios fanden 2013 einen Fan, im vergangenen Jahr fielen die Offenen gar auf knapp 77000 Neuzulassungen zurück. Das ist fast die Hälfte weniger als noch vor zehn Jahren. Der Marktanteil lag 2014 bei 2,5 Prozent.

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          Der Gesamtmarkt selbst ist auf hohem Niveau stabil, daran liegt es nicht. Vielmehr haben sich die Vorlieben der Kunden verschoben. Oder liegt es an den falschen Produkten? Der Trend zum Festdach-Cabriolet, das aus dem geschlossenen Auto ein Coupé macht, ist beendet. Sie kamen trotz aller praktischen Vorteile (Diebstahlsicherheit) nicht so gut beim Kunden an. Modelle wie der VW Eos oder der Volvo C70 sind inzwischen Geschichte und ohne Nachfolger, auch Ford, Peugeot, Renault und Mitsubishi haben sich aus diesem Nischenmarkt zurückgezogen. Peugeot hat auf der IAA aber die Studie Fractal dabei und hat das offene Auto wohl noch nicht ganz vergessen.

          Unter den ersten zehn in der deutschen Statistik sind nur der 4er-BMW und der Mercedes-Benz SLK Autos mit Klappdach. Und wie es heißt, wird der nächste offene 4er-BMW wieder ein Stoffdach bekommen. Puristen haben es schon immer gewusst: Ein wahres und authentisches Cabriolet hat ein Stoffdach. Diese sind heute auf einem technisch so hohen Niveau, dass Kälte oder Windgeräusche kaum noch ein negative Rolle spielen.

          Und es gibt nichts Romantischeres, als beim ersten Rendezvous in einem kleinen, engen Roadster zu sitzen und dem Regen zu lauschen, der auf das Dach prasselt. Womit wir beim Mazda MX-5 wären. Der debütiert in Frankfurt in Gestalt der neuesten Generation. Ohne den neuen MX-5, der im Februar 1989 auf der Chicago Motor Show zum ersten Mal in der Öffentlichkeit zu sehen war, hätte es den späteren Cabrio-Boom vielleicht nie gegeben. Als der kleine Japaner so enthusiastisch vom Markt angenommen wurde, zogen BMW Z3 und Mercedes-Benz SLK nach, später kam der offene Audi TT dazu. Das allgemeine Interesse am Cabriolet wuchs außerdem.

          Der Cabrio-Markt hat sich in 30 Jahren vervierfacht

          Und es ist immer noch recht hoch, verglichen mit den achtziger Jahren: 1985 wurden in (West-)Deutschland nur knapp 18000 Cabriolets zugelassen. So gesehen hat sich der Markt in 30 Jahren vervierfacht. Die naheliegende Idee und den Mut, ein SUV-Cabriolet zu bauen und so dem darbenden Nischenmarkt auf die Sprünge zu helfen, hatte bislang nur Land Rover. Der offene Range Rover Evoque steht aber nicht auf der IAA, obwohl er schon im Frühjahr auf der Messe in Genf für 2016 angekündigt wurde. Alle Aufmerksamkeit auf der IAA soll wohl dem neuen Geländewagen Jaguar F-Pace gelten.

          Dafür traut sich Citroën mit einer herzerfrischenden Studie nach Frankfurt. Die Franzosen wecken die Erinnerung an den Méhari. Das Einfachmobil war seinerzeit zwischen Côte d’Azur und Ibiza der absolute Renner für unbeschwerte Tage am Strand. Ganz Kühne haben gar die Türen weggelassen und sich mit einer Kette als Absperrung begnügt. Nun muss der moderne C4 als Basis herhalten, und Citroën zeigt mit seinem Konzeptauto Cactus M, wo die Reise hinführen könnte. Das verbaute Material ist dem Outdoor-Bereich entnommen und soll den Freizeitgedanken sicht- und fühlbar machen.

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